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Der letzte Zug ist abgefahren - Demo gegen die Abbestellung der Bahnstrecke Döbeln–Nossen–Meißen

Mit dabei bei der Protestaktion gegen die Abbestellung der Linie: Katja Meier (am Transparent 3.v.l.).
Mit dabei bei der Protestaktion gegen die Abbestellung der Linie: Katja Meier (am Transparent 3.v.l.).

Mit der Demonstration, an der ca. 150 Menschen teilgenommen haben, konnte die Abbestellung der RB 110 zwar nicht verhindert werden, aber zumindest wurde ein Zeichen gesetzt, dass diese Abbestellung gegen den Willen vieler Bürgerinnen und Bürger durchgesetzt wurde.

 

Katja Meier sprach auf der Demo:

"Was wir heute hier erleben ist der Anfang vom Ende.

Denn ist der Zug erst mal weg, sinkt auch die Attraktivität der Städte. Die Region Nossen wird ohne eine Bahnanbindung als Wohn- und Arbeitsort geschwächt.

Der Bus ist keine wirkliche Alternative. Nicht nur, dass es viel länger dauert und ein neues Tarifwirrwarr entsteht, ist der Bus auch viel unattraktiver als die Bahn. Wenn man in andere Regionen Deutschlands schaut, sieht man es eindrücklich: mit dem Ersatz einer Regionalbahnstrecke durch eine Busverbindung verliert der ÖPNV bis zur Hälfte seiner Fahrgäste.

Die Menschen im ländlichen Raum brauchen nicht nur Schülerverkehr zweimal am Tag. Sie brauchen funktionierende Verbindungen in die Mittel- und Oberzentren.

Wenn wir noch mal einen kurzen Blick zurückwerfen – dann ist es schon bitter! Schon vor vier Jahren, als der damalige FDP-Verkehrsminister Morlock die Weitergabe der Regionalisierungsmittel des Bundes an die Verkehrszweckverbände auf unter 75 Prozent gekürzt hatte, gab es einen riesigen Aufstand. Sie haben hier gemeinsam mit Peter Wunderwald vor Ort 23.000 Unterschriften gesammelt, wir GRÜNE haben im Landtag Alarm geschlagen. Leider hat das alles nicht gefruchtet.
Was wurde stattdessen gemacht. Es wurden allein eine 1/2 Mrd. Euro an EU-Geld in den Straßenbau gesteckt. 500 Millionen Euro! Neue Straßen wurden gebaut, die kaum einer braucht und deren Instandhaltung die kommunalen Finanzen auch in Zukunft stark belasten.

Was wir brauchen sind vor allem 3 Dinge: einen gut aufgestellten auskömmlich finanzierten ÖPNV, einen integrierten Taktfahrplan für die Fläche, ein einheitliches und vor allem verständliches Tarifsystem.
Mit einem solchen Taktfahrplan nehmen wir nicht die Einstrecken in den Blick, sondern verknüpfen auch andere Verkehrsmittel.
Hinter dieser Idee steckt unser GRÜNER Sachsentakt 21. Wir wollen, dass der ÖPNV in Stadt aber vor allem auf dem Land im Stundentakt verkehrt und es sichere Anschlüsse an den Knotenpunkten gibt. Nur so ist ein schnelles Vorankommen ohne Wartezeiten möglich.

Die Idee des Sachsentakts hat es sogar in den Koalitionsvertrag geschafft. Das ist gut. Was es jetzt braucht, sind aber nicht bedruckte Buchseiten, sondern Menschen die es anpacken und umsetzen wollen. Dafür gibt es jetzt eine sächsische ÖPNV-Strategiekommission, in der auch ich als GRÜNE sitze. Und ich sage Ihnen, das ist nicht immer eine Freude. Aber ich verspreche Ihnen, ich werde dort auch weiterhin meine Klappe aufmachen und für einen besseren ÖPNV kämpfen.
Sachsen braucht eine Bahn-Offensive und keine Abbestellungen und Streckenstilllegungen.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer sehen wir zumindest für Roßwein. Wir GRÜNE haben eine Verlängerung der Strecke Leipzig–Grimma–Döbeln bis nach Roßwein ins Spiel gebracht.
Statt der ab Juni 2016 am Haltepunkt Döbeln-Zentrum vorgesehenen langen Wendepause sollten die Züge aus unserer Sicht bis Roßwein weiterfahren. Jetzt ist es am Verkehrsverbund Mittelsachsen, den Bürgermeistern und dem Landtrat und an den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort den Druck auf die Staatsregierung, die die Mittel zur Verfügung stellen muss, zu erhöhen. Zumindest für Roßwein wäre das eine Chance für die es sich lohnt, zu kämpfen.

Aber so lange die Bahnstrecke nach Nossen nicht stillgelegt ist, besteht ein Funken Hoffnung! Noch rollt zumindest der Güterverkehr. Und das ist vor allem vielen Einzelkämpfern vor Ort – hier in Nossen – zu verdanken, die ihre Zeit und ihr Geld opfern.
Andere Bundesländer, wie NRW, Baden-Württemberg aber auch Sachsen-Anhalt haben es vorgemacht. Eine spätere Reaktivierung von Zugverbindungen ist möglich, wenn der politische Wille da ist!
Ich hoffe und ich wünsche mir, dass wir eines Tages wieder hier zusammen stehen, aber nicht um die endgültige Streckenstilllegung zu beklagen, sondern die Reaktivierung der Strecke Döbeln-Nossen-Meißen feiern können.
Dafür braucht es aber ein gutes Konzept, unermüdliche Kämpferinnen und Kämpfer vor Ort, einen ambitionierteren Zweckverband und nicht zuletzt politische Mehrheiten, die das auch wollen und das nötige Geld dafür bereitstellen. Wir GRÜNE stehen als einzige Partei in Sachsen für einen Wechsel in der Verkehrspolitik, von der Straße auf die Schiene, und wir stehen an Ihrer Seite, liebe Nossnerinnen und Nossner. Bitte kämpfen Sie weiter mit uns für die Bahn!"

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