Zum Inhalt springen

GRÜNE diskutieren zur Frage „Wie will ich Wohnen – heute, morgen, übermorgen?“

Diskussionsrunde "Wie will ich wohnen?"
Diskussionsrunde "Wie will ich wohnen?"

Elke Herrmann, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, hat am 10. Oktober von 15 bis 18 Uhr zu einer Diskussion in das „Haus ohne Barrieren“ in Leipzig eingeladen. VertreterInnen von Behinderten- und Seniorenverbänden, ArchitektInnen, VertreterInnen von Wohnungsbaugenossenschaften und weitere Interessierte diskutierten zu der Frage „Wie will ich wohnen – heute, morgen, übermorgen?“. Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Sonja Menzel. Sie engagiert sich im Arbeitskreis Integriertes Wohnen e.V. und im Vorstand der Innova eG. Die ReferentInnen stellten ihre Projekte und Projektideen vor und machten auf deren Ziele, aber auch auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung aufmerksam.

Martina Kempe von der Lebenshilfe Leipzig e.V. berichtete vom Projekt „Rosenhäuser“, bei dem Menschen mit Behinderungen ihre Wohnung selbst geplant haben. Ziel war es, den zukünftigen Bewohnern ganz individuelle Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre verschiedenen Bedürfnisse und Wünsche in der eigenen Wohnung realisieren können. Das Projekt „Rosenhäuser“ wurde von den geistig und körperlich Behinderten mit großem Interesse mitgestaltet, scheiterte aber an der Umsetzung, aufgrund einer nicht ausreichenden Finanzierung.

In der „Hofgemeinschaft Mahleiche“ wohnen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf zusammen, wie Kerstin Keller vom Familienentlastenden Dienst in Leipzig erläuterte. Mit Unterstützung verschiedener Initiativen konnte der Familienentlastende Dienst ein Haus kaufen, das stark renovierungsbedürftig war und dann mit Blick auf die Bedürfnisse der Bewohner saniert wurde. Diese Wohngemeinschaft konnte durch das Engagement vieler Eltern und Freunden realisiert werden, obwohl die bestehenden Förderrichtlinien in Sachsen die Umsetzung eines solchen Projektes erschwerten und zeitweise gefährdeten.

In der Gemeinde Laußig wurde, als Antwort auf die demografische Entwicklung, mit Unterstützung des Freistaates Sachsen ein neues Wohnprojekt für den ländlichen Raum entwickelt – der Heide-Wohnhof, eine Seniorenwohngemeinschaft. Winfried Haas stellte das Pilotprojekt vor, bei dem die zukünftigen Bewohner schon früh in die Entwicklung einbezogen wurden. Sie konnten sich bereits vor dem Einzug gegenseitig kennenlernen und gemeinsam Entscheidungen zur Gestaltung der Wohnanlage treffen.

Die Wohnungsbaugenossenschaften stehen häufig vor dem Problem, dass ihnen überwiegend Altbestand zur Verfügung steht und dass der kaum barrierefrei ist. Bei dem Projekt „Nachbar ich brauch‘ dich!“ der Unitas eG geht es darum die Genossenschaftsmitglieder anzuregen sich gegenseitig zu helfen und somit auch das Leben der Nachbarn mit Unterstützungsbedarf zu erleichtern. Steffen Foede, Vorstandsvorsitzender der Unitas e.G. verwies mit Freude auf das ehrenamtlicher Engagement vieler Bewohner und den gewachsenen Zusammenhalt in den Häusern. 

Frau Domke von der Architektenkammer stellte drei gelungene Praxisbeispiele für barrierefreies Planen und Bauen vor, die Sonnensiedlung Markkleeberg in der betreutes Wohnen angeboten wird, Mehrgenerationenwohnen in der Rathausstraße in Markkleeberg und in der Samuel-Lampel-Straße in Leipzig. Sie betonte, dass barrierefreie Lösungen  bei der Sanierung von Gebäuden Raum für Kreativität öffnen und sich durchaus mit den Auflagen des Denkmalschutzes vereinbaren lassen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass ein Netzwerk nötig ist, um Betroffene und Angehörige zu informieren, zu beraten und einen Austausch zu ermöglichen, wenn Wohnformen bei Pflege- und Unterstützungsbedarf gesucht werden. Das Land Sachsen entzieht sich der Verantwortung, die verschiedenen Akteure zusammenzubringen und somit zu einer Verbesserung der Situation beizutragen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich für eine Koordinierungsstelle ein, um die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Akteuren zu verbessern.

» GRÜNES Positionspapier "Seniorenmitwirkung in Sachsen stärken"

Politikfelder