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Immer mehr Waffen in Sachsen registriert

Immer mehr Waffen in Sachsen (Foto: ScaarAT (flickr.com), Lizenz: CC BY NC 2.0)

Foto: ScaarAT (flickr.com), Lizenz CC BY NC 2.0

134.786 Waffen waren im Jahr 2013 in Sachsen zugelassen. Laut einem Bericht der Leipziger Volkszeitung (LVZ, 4.8.2014) kamen in der ersten Hälfte des Jahres 2014 2.200 Pistolen und Gewehre hinzu. Allein im Jahr 2012 sind 8.101 Stück neue Schusswaffen registriert worden. Soweit die offiziellen Zahlen der Staatsregierung aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Innenexpertin der GRÜNEN-Fraktion, Eva Jähnigen. Doch es ist davon auszugehen, dass es noch deutlich mehr Pistolen und Gewehre in Sachsen jenseits des Waffenregisters gibt. Die Zahlen sind in jedem Fall alarmierend.

Jähnigen befürchtet, dass die Kontrollbehörden diesen Zahlen nicht mehr gewachsen sind. Im Gegensatz zum Anstieg bei Schusswaffen, ist das Personal in den Waffenbehörden der Landkreise und kreisfreien Städten nämlich leicht rückläufig. Im Durchschnitt ist ein Mitarbeiter in einer Waffenbehörde für die Kontrolle von 5.524 Schusswaffen zuständig. In den letzten vier Jahren wurden maximal 15 Prozent der 34.651 Waffenbesitzer im Freistaat einer Kontrolle unterzogen. Wenn man diese Zahlen hochrechnet, heißt das nichts anderes, als dass man als Waffenbesitzer in Sachsen im Schnitt gerade einmal alle 27 Jahre kontrolliert wird. Von funktionierender Kontrolle kann da keine Rede sein!

Eva Jähnigen sieht Innenminister Markus Ulbig in der Pflicht, durch die Fachaufsicht der Landesdirektion in den Kommunen eine wirksame Waffenkontrolle durchzusetzen. Die Kommunen müssen dringend die Personalausstattung ihrer Waffenbehörden an die Realitäten anpassen. Das gegenwärtige Kontrollverhalten ist eine Gefahr für die Sicherheit in Sachsen.
Bereits im Mai 2009, nach den dramatischen Bildern des Amoklaufs in Winnenden, hatte die GRÜNE-Landtagsfraktion die Staatsregierung aufgefordert, für stärkere Waffenkontrollen zu sorgen. Der Antrag wurde unter der damaligen Regierungskoalition aus CDU und SPD abgelehnt.

Regional klaffen die Zahlen registrierter Schusswaffen aktuell stark auseinander: Im Erzgebirge sind mit 16.669 die meisten Schusswaffen registriert. Es folgt das Vogtland mit 12.544 Pistolen und Gewehren sowie der Landkreis Bautzen mit 12.449. Die wenigsten Schusswaffen gab es mit 4.168 in Chemnitz. Leipzig belegt den vorletzten Platz mit 7.436 Waffen, verzeichnete aber einen sprunghaften Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2012. Einen deutlichen Anstieg gab es auch in Görlitz von 7.725 (2012) auf 9.141 (2013).
Übrigens: Auch die Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage zu Waffenbesitz bei Rechtsextremen sah im Erzgebirgskreis einen Schwerpunkt. Allein ein Viertel der erteilten waffenrechtlichen Erlaubnisse für Rechtsextreme (insgesamt 45) entfielen auf den Erzgebirgskreis (12), gefolgt von Görlitz (6) und der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge (6).

» Kleine Anfrage "Waffenbesitz und Waffenkontrolle im Freistaat Sachsen" (Drs. 5/14769)

» Aufbereitung der Zahlen der Kleinen Anfrage "Waffenbesitz und Waffenkontrolle im Freistaat Sachsen" nach Landkreisen

» Antrag der GRÜNEN-Landtagsfraktion "Weniger Schusswaffen, mehr Sicherheit!" (Drs. 4/15424)

» Rede des Landtagsabgeordneten Johannes Lichdi zum GRÜNEN-Antrag "Weniger Schusswaffen, mehr Sicherheit!" am 15. Mai 2009 im Sächsischen Landtag

» Kleine Anfrage "Waffenrecht: Rechtsextreme mit Waffenschein" (Drs. 5/10918)

» Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten Johannes Lichdi zur Kleinen Anfrage "Waffenrecht: Rechtsextreme mit Waffenschein" vom 19. Januar 2013

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