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Rede | 03.11.10

Aktuelle Debatte zur Reform der Lehramtsausbildung - Giegengack: Schuss aus der Hüfte

Redebeitrag der Abgeordneten Annekathrin Giegengack zur Aktuellen Debatte "Mehr junge Lehrer für Sachsens Schulen - Pädagogikstudium wird kürzer, praxisnäher und attraktiver" in der 23. Sitzung des Sächsischen Landtages, 03.11., TOP 1

Es gilt das gesprochene Wort!

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Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich möchte es gleich vorwegschicken — wir werden manchmal als "Partei des Dagegen" tituliert: Auch wir sehen Entwicklungsbedarf bei der Lehramtsausbildung. Keine Frage. Gerade aufgrund der Umstellung auf den Bachelor- und Master-Studiengang und vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Lehrkräftemangels müssen wir da sicherlich nachsteuern.

Wir haben deswegen am 13. Oktober einen eigenen Antrag, lange im Fachbereich Hochschule und Schule unserer Fraktion diskutiert, dazu eingebracht. Am 18. Oktober wurde unser Antrag im Hochschulausschuss zur Anhörung im Januar verwiesen und am Nachmittag haben wir erfahren, dass die Staatsregierung einen kompletten Umbau der Lehramtsausbildung vorsieht.

Unser Antrag enthält eine Reihe von Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Lehramts. Wir wollen die bildungswissenschaftlichen Anteile stärken, wir wollen einen nahtlosen Übergang vom Bachelor- auf das Masterstudium erwirken, wollen also gern grundlegende Probleme lösen.

Sie können das unserem Antrag entnehmen. Was uns wichtig ist: dass wir vor allem die Professoren, die Studenten und die Praktiker, also die Lehrer, in diese Debatte einbeziehen. Was die Staatsregierung macht, ist eine radikale Umstellung der Lehramtsausbildung ohne eine breite Diskussion und das halte ich für eine sehr schwierige Angelegenheit.

Nun zu dem Vorschlag an sich. Es ist Ihr Plan, mehr junge Lehrer an die Schulen zu bringen das Lehramtsstudium kürzer, praxisnäher und attraktiver zu machen. Da muss ich sagen, hinsichtlich der Zielgenauigkeit ist Ihr Vorschlag ein Schuss aus der Hüfte.

Ich möchte Sie erinnern, Herr Wöller: Sie haben gerade bei der Debatte um die Schulreform in Hamburg ein Zitat dahin gehend gebracht - das Sie jetzt in Bezug auf die Debatte innerhalb der CDU wiederholt haben - dass das Wichtigste im Bildungsbereich für Sie Kontinuität ist. Ich kann diese Kontinuität bei Ihnen in keiner Weise entdecken, denn Ihr Handeln im Bildungsbereich pendelt zwischen Ausharren und Aussitzen auf der einen Seite und wildem Aktionismus auf der anderen Seite.

Dieser Vorschlag zur Reform der Lehramtsausbildung ist für uns wieder solch ein wilder Aktionismus.

Um einfach nur anzuschauen, was im Bereich Bildung im letzten Jahr passiert ist: Was hat es mit Kontinuität, mit Beständigkeit und mit Konsequenz zu tun, den in einem schmerzhaften Prozess ausgehandelten Schulfrieden quasi durch massive Mitwirkungsentzüge in diesem Schuljahr zu torpedieren? Heute lese ich in der Zeitung, dass Sie das komplett wieder zurücknehmen und den Schulfrieden wieder einführen.

Was hat das mit Kontinuität zu tun, wenn der Haushaltsvorschlag war, die freien Schulen bis an den Rand des Ruins zu bringen und das dann ein oder zwei Monate später nach massenhaftem Protest wieder komplett zurückzunehmen?

Mit Ihren Vorschlägen verunsichern Sie massiv die Eltern, Sie bringen die Lehrer gegen sich auf und Sie bringen auch die Schulträger, die freien Schulträger und die Kommunen, teilweise bis an den Rand der Verzweiflung.

Jetzt dieser Vorschlag zur „Reform“ zur Lehramtsausbildung. Frau Stange hat sehr breit die fachlichen Hintergründe an den Hochschulen ausgeführt.

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Sie stellen auch die Opposition vor ein richtig großes Problem, indem Sie aller Vierteljahre eine neue Sau durchs Dorf treiben und wir uns überhaupt nicht mehr adäquat darauf einstellen können, was im Bildungsbereich passiert.

Gott sei Dank geht es nicht darum, dass wir irgendwie zustimmen oder ablehnen müssen. Ich denke, durch meine Rede ist deutlich geworden, was die GRÜNEN von Ihrem Vorschlag halten.Vielen Dank.

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