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Rede | 22.05.14

Annekathrin Giegengack: Bildung ist bei uns Chefsache

Redebeitrag der Abgeordneten Annekathrin Giegengack zur Aktuellen Debatte der GRÜNEN-Fraktion:
"Weil Kinder Zeit brauchen - Für einen besseren Personalschlüssel in Sachsens Kitas"
97. Sitzung des Sächsischen Landtages, 22. Mai 2014, TOP 1

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Meine Damen und Herren!

Noch ein Wort dazu, warum unsere Fraktionsvorsitzende hier die Debatte eröffnet hat. Das soll auch anzeigen, dass Bildung bei uns Chefsache ist. Wir haben natürlich noch den Vorteil, dass wir aufgrund der Fachkompetenz entsprechende Vorschläge zur Finanzierung machen können, die auch untersetzt sind

Die Bildungsdebatte in den letzten Jahren war davon bestimmt, dass der frühkindlichen Bildung eine besondere Wichtigkeit zugesprochen wurde, weil man herausgefunden hat, dass dadurch die Bildungsbiografie insgesamt beeinflusst wird und dass in dieser Zeit Nachteile aus der Herkunft gut zu kompensieren sind. So war es nur folgerichtig, dass zu dem gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz auch der gesetzliche Anspruch auf einen Krippenplatz gekommen ist. Doch leider überlagert die Diskussion um die Schaffung ausreichender Krippenplätze inzwischen die dringend notwendige Qualitätsdebatte. Ich erinnere an die Zustände in Dresden und Leipzig, wo man davon ausgegangen ist, dass man es unter Umständen gar nicht schafft, den Rechtsanspruch sicherzustellen.

Vor dem Hintergrund fand ich das sehr gut, dass immer wieder das höchste Fachgremium in diesem Land für die Jugendhilfe eine Veränderung des Betreuungsschlüssels eingefordert hat. Im Juni 2009 hat man die Staatsregierung aufgefordert, den Personalschlüssel anzugehen.
2012. Den Vorsitz in diesem Landesjugendhilfeausschuss hat immer noch ein CDU-Abgeordneter inne. Bisher haben sich weitere CDU-Abgeordnete dazu bekannt.

Deshalb kann ich nicht verstehen, wieso ist auch heute wieder in der Zeitung zu lesen, dass es keine Anpassung des Personalschlüssels geben wird? Fachliche Gremien in unserem Land empfehlen es seit Jahren. Warum kommt die CDU lediglich dazu, nur den Urlaub, die Fortbildung und Krankheitstage in den
Personalschlüssel einzuberechnen? Das reicht definitiv nicht für die zusätzlichen Aufgaben aus, die in den letzten Jahren beispielsweise durch den Bildungsplan, die Einführung eines Qualitätsmanagements, die Einführung des Schulvorbereitungsjahres, die Beobachtung und Dokumentation, die Kooperation mit Grundschulen, die Elternarbeit und Familienbildung dazugekommen sind. Wenn eine Kita das alles ordentlich machen soll, muss ein vernünftiger Betreuungsschlüssel her. Doch schon allein der Status quo ist problematisch: Die Probleme, mit denen die Kitas bisher konfrontiert sind, zeigen einen Handlungsbedarf auf.

Die bundesweit durchgeführte NUBBEK-Studie — die nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit — attestierte Folgendes: 80 % aller Kitas in Deutschland haben eine mittlere Qualität, 10 % gelten als schlecht. Das sind erschreckende Zahlen. Es wurde deutlich, dass der Bildungs- und
Entwicklungsstand der Kinder immer noch stärker von dem Elternhaus als von den Einrichtungen, die die Kinder besuchen, abhängt. Das ist der gleiche Zusammenhang, den wir bereits in der Schule schon sehr dramatisch feststellen: dass die Herkunft den Bildungsweg bestimmt. Es beginnt bereits in der Kita. Wir stehen vor einer großen Aufgabe und müssen dem entgegentreten.

Die Grundschulen geben uns ebenso die Rückmeldung, dass dort Kinder mit einem Entwicklungsunterschied von bis zu drei Jahren ankommen. Das muss durch die Grundschulen aufgefangen werden. Das ist jedoch kaum möglich.

Uns liegen die Zahlen der Vorschuluntersuchungen vor. Herr Krauß fragt diese Zahlen in stetiger Regelmäßigkeit ab. Ich weiß nicht, ob es Ihnen innerlich keine Schmerzen bereitet, wenn über ein Viertel unserer Kinder im Sprachbereich auffällig ist und die Auffälligkeiten im motorischen Bereich zunehmen. Machen Sie sich
darüber Gedanken, wie dies in den Kitas abgefangen werden soll?

Kristin Schütz hatte vorhin angesprochen, wie mit den Programmen der FDP die Kitas entlastet werden sollen. Die Vertreter der Kitas da oben hatten innerlich Schmerzen. Man hat es gesehen.

Über eines sind wir uns hier unten und dort oben im Klaren: Das Personal in unseren Kitas reicht nicht aus.

Es ist nicht nur die Problematik, dass es nicht ausreicht. Die CDU versucht mit Sonderprogrammen eine Entlastung zu schaffen. Es geht nicht darum, irgendwelche zusätzlichen Betreuungskräfte in die Kitas zu schicken, die ein wenig vorlesen oder den Abwasch machen. Wir benötigen Fachkräfte.

Wir befinden uns im Hinblick auf die Fachkräfteausstattung in den Kitas gemeinsam mit Thüringen und Sachsen-Anhalt immer noch an einer Spitzenposition in Deutschland. Allerdings — dies erschreckt mich ein wenig — haben wir innerhalb der letzten sieben Jahre immer weiter die Fachschulkräfte in den Kitas abgebaut. Wir haben einen Rückgang von 8 % zu verzeichnen. Das füllen wir mit anderen Qualifikationen auf. Das ist der falsche Weg. Wir benötigen eine ordentliche Finanzierung in den Kitas mit ordentlichen Fachkräften.
Vielen Dank.

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