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Rede | 28.11.13

Antje Hermenau: Menschen, die eine solche Flüchtlingssituation aus einem kriegsbewegten Land heraus erleben, werden traumatisiert

Redebeitrag der Abgeordneten Antje Hermenau in der 2. Aktuellen Debatte zum Thema "Das Signal von Schneeberg – gegen Asylmissbrauch und Gewalt", 87. Sitzung des Sächsischen Landtages, 28. November 2013, TOP 2


- Es gilt das gesprochene Wort -
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Herr Homann (SPD) hat davon gesprochen, dass man die Verhältnismäßigkeit zwischen der Anzahl der Asylsuchenden, die untergebracht worden sind, und dem Radau, der veranstaltet wird, betrachten soll. Das ist richtig, prüfen wir mal die Verhältnismäßigkeit.

In den Neunzigerjahren haben circa 400.000 Flüchtlinge aus Kriegsgebieten auf dem Balkan Asyl in Deutschland gesucht. Dann gab es etwas ruhigere Zeiten, was Kriege in anderen Regionen und Ländern anging, da waren es circa 50.000 pro Jahr. Jetzt sind es circa 100.000 Flüchtlinge pro Jahr, wenn ich das richtig weiß. Das heißt, die Zahl der Asylsuchenden, der Kriegsflüchtlinge, hat natürlich etwas damit zu tun, wie sich Kriege in unseren Nachbarregionen entwickeln.

Ich möchte daran erinnern, dass während und nach dem Zweiten Weltkrieg 12 Millionen Deutschstämmige aus dem dann zusammengeschrumpften Deutschland - zu Recht zusammengeschrumpften Deutschland - geflohen sind und versucht haben, wieder Fuß zu fassen.

Unabhängig davon muss man mal festhalten, dass die Menschen, die eine solche Flüchtlingssituation aus einem kriegsbewegten Land heraus erleben, traumatisiert werden, Das geht bei den Kindern, auch bei den Erwachsenen manchmal bis in die zweite oder dritte Generation hinein.

Das andere ist: Die Erzählung eines syrischen Vaters hat mich nicht mehr losgelassen. Er erzählte, nachdem das Boot gekentert war, hatte er sich den Säugling auf die Brust gelegt, paddelte auf dem Rücken im Meer und hatte das dreijährige Kind an der Hand. Er hat das eine Stunde durchgehalten. Danach musste er das dreijährige Kind in die Fluten sinken lassen, in das kalte Meer. Wenn Sie hier behaupten, dass das Missbrauch ist, wenn ein Vater versucht, seine zwei kleinen Kinder vor einem Giftgasangriff oder einem Bomben-Schrapnell in der syrischen Heimat zu schützen, dann halte ich das für eine menschliche zynische Unverschämtheit erster Klasse.


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