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Rede | 11.12.12

Michael Weichert: Wir fordern eine Professur für ökologische Tierzucht in Sachsen

Rede des Abgeordneten Michael Weichert in der Debatte um den Doppelhaushalt 2013/2014, zur Ergänzungsvorlage der Staatsregierung "Ökolandbau",

Änderungsantrag der Fraktion GRÜNE zu Drs. 5/9949 und Drs. 5/10371, 66. Sitzung des Sächsischen Landtages, 11. Dezember 2012, TOP 1


- Es gilt das gesprochene Wort -
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Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser Antrag eines eigenen Haushaltstitels für den ökologischen Landbau ist inzwischen schon eine Konstante der sächsischen Haushaltsverhandlungen. Und er wird dies so lange bleiben, bis die Staatsregierung unserer Forderung nach einer umfassenderen Unterstützung des Ökolandbaus Folge  leistet.

Umstellungshilfe allein – und da sind wir spitze im Bundesvergleich – reicht da eben nicht, meine Damen und Herren!

Gern erkläre ich Ihnen bei dieser Gelegenheit, warum wir ein Kompetenzzentrum Ökolandbau brauchen, in dem Praxis, Forschung, Beratung und Lehre stärker vernetzt werden und die Fragen zum Ökolandbau koordiniert und zielgerichtet bearbeitet werden können:

Der Ökolandbau hat aufgrund seiner spezifischen Art der Bewirtschaftung spezielle Anforderung an Beratung und Forschung.
Ökologischer Landbau erfordert viel Spezialwissen. Nach Abschaffung der Offizialberatung zum ökologischen Landbau, schaffen es die Anbauverbände trotz großer Bemühungen nicht, das entstandene Beratungsdefizit aus eigener Kraft zu kompensieren.

Forschungsbedarf gibt es bspw. im Hinblick auf eine ausreichende Pflanzenernährung. Für viehlose Ökobetriebe ist es zwingend notwendig, betriebsfremde organische Düngemittel einzusetzen. Nur so kann die Bodenfruchtbarkeit und Ertragsleistung nachhaltig gesichert werden. Weiterhin besteht Forschungsbedarf nach modifizierter Pflanzenzüchtung für den ökologischen Landbau sowie nach verbesserten Pflanzenschutzmöglichkeiten.

Eine noch weitgehend offene Flanke ist die ökologische Tierzucht.

Im Bereich des ökologischen Landbaus gibt es bislang keine eigenen flächendeckenden Strukturen für die Tierzucht, obwohl der Ökolandbau Zuchtstrategien verfolgt, die sich einerseits von den Zielsetzungen (Zuchtziele) und andererseits von den Zuchtmethoden (inklusive der Anwendungen von Reproduktionstechniken) zum Teil deutlich von den herkömmlichen Zuchten unterscheiden. Darum müssen bei der Bereitstellung und Weiterentwicklung von Zuchtprogrammen die Bedürfnisse und Erfordernisse des ökologischen Landbaus berücksichtigt werden, sodass Tiere verfügbar sind, die nicht mit inakzeptablen Zucht- und Reproduktionstechniken gezüchtet wurden.

Meine Damen und Herren, um diese Ziele zu erreichen, wollen wir eine Professur für ökologische Tierzucht in Sachsen. Diese ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Investition in die Stärkung des Ökolandbaus ist jedoch gut angelegtes Geld, denn neben vermehrter Wertschöpfung im ländlichen Raum und der Schaffung neuer Arbeitsplätze dort, schützt die ökologische Landwirtschaft Ressourcen und Klima. Dies sind viele gute Gründe, unserem Änderungsantrag zuzustimmen.


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