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Rede | 18.03.20

Fachregierungserklärung Coronavirus – Kuhfuß: Solidarität ist das Gebot der Stunde! Die Hilfe und Unterstützung durch junge Menschen ist wichtig für andere!

Auszug aus der Rede der Abgeordneten Kathleen Kuhfuß (BÜNDNISGRÜNE) zur Fachregierungserklärung ‚Coronavirus SARS CoV-2 gemeinsam in Sachsen bekämpfen - besonnenes Handeln statt Hysterie!‘
7. Sitzung des 7. Sächsischen Landtags, Mittwoch, 18. März, TOP 1
 
- Es gilt das gesprochene Wort -
 
Sehr geehrter Präsident,
sehr geehrte Ministerinnen und Minister,
liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen,
liebe Sächsinnen und Sachsen,
 
es geht jetzt darum das Coronavirus gemeinsam in Sachsen zu bekämpfen, ohne in Hysterie zu verfallen. Das Handeln der Staatsregierung ist besonnen und entschlossen zugleich. Alle Demokratinnen und Demokraten stehen jetzt zusammen.
 
Ich danke der Staatsministerin Köpping und ihrem Haus ganz besonders. Das Ministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt hat mit dem CORONA-Krisenstab in Abstimmung mit den sächsischen Gesundheitsämtern in den letzten Tagen hervorragende Arbeit geleistet.
 
Das Verhalten der AfD ist hysterisch, unverantwortlich und gemeingefährlich. Sie instrumentalisieren die Krise für ihre Zwecke. Sie wollen eine Politshow daraus machen und um jeden Preis den Katastrophenfall vom Rednerpult des Landtages ausrufen. Sie, und zwar nur Sie, haben die Absage der Plenarsitzung verhindert und Sie haben zu verantworten, dass Abgeordnete, Mitarbeiter/innen und Plenardienst aus ganz Sachsen heute hier in einer Größenordnung zusammenkommen müssen, die vom Freistaat längst untersagt ist.
Die Gefahr, dass sich unbemerkt Infizierte begegnen steigt. Und die Gefahr, dass das Virus durch die heutige Sitzung in andere Regionen Sachsens getragen oder durch die An- und Abreise verbreitet wird, besteht. Ich muss es so zynisch sagen, die Rechtspopulisten der AfD zwingen uns ihre Corona-Party auf und bringen andere damit in Gefahr.
 
 
Liebe Sächsinnen und Sachsen,
 
die Lage ist ernst und wir reagieren darauf. Die politischen Entscheidungen auf Bundesebene und in Sachsen, das alltägliche Leben – so wie wir es gewohnt sind – zu unterbrechen, verlangen uns allen viel ab. Auch bitte ich sie, die sächsischen Bürgerinnen und Bürger, um Verständnis dafür. Wir machen das, um unsere Gemeinschaft, auch ihr persönliches Umfeld davor zu schützen, schwer an Covid 19 zu erkranken. Wir möchten damit unser Gesundheitssystem stabil halten. Das gelingt nur, wenn nicht zu viele Menschen auf einmal krank werden.
 
Bitte bewahren Sie Ruhe, in dieser herausfordernden Situation. Solidarität ist das Gebot der Stunde! Wenn Sie jung sind und nicht zu einer Risikogruppe gehören, dann ist die Wahrscheinlichkeit für Sie deutlich geringer, schwer zu erkranken. Ihre Hilfe und Unterstützung ist wichtig für andere!
Auch unsere sächsische Trägerlandschaft organisiert sich, um digital Hilfe, Vernetzung und Anregungen mit möglichst wenig sozialen Kontakten auf die Beine zu stellen. Schauen sie in den nächsten Tagen mal bei zeitfuerjugend.de vorbei, dort können sich Menschen ehrenamtlich nützlich machen. Und das ist wichtig, denn unsere demokratische Gesellschaft lebt von einer starken Zivilgesellschaft und einem solidarischen Miteinander.
 
Verantwortung tragen aber auch die Menschen, die besonders gefährdet sind, vor allem ältere Menschen. Bitte meiden Sie den direkten Kontakt mit anderen! Verschieben Sie die gewohnte Rommé- oder Schach-Runde, das gemeinsame Kaffeetrinken. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass der Besuch im ‚Betreuten Wohnen‘ derzeit eingeschränkt wird oder (was noch besser ist) ganz ausfällt. Das alles dient Ihrem Schutz. Die Gesellschaft zeigt sich jetzt solidarisch mit Ihnen. Was sich vielleicht schmerzlich nach Einsamkeit anfühlt, dient Ihrer Gesundheit. Aber wir werden alles dafür tun, dass Sie nicht allein gelassen fühlen. Ein gutes Miteinander hilft uns allen am besten durch diese Krise. Telefonieren Sie mit ihren engsten Vertrauten, versuchen Sie, wo möglich, Mut zu machen.
 
Die neue Situation lässt Menschen ungewohnt viel Zeit miteinander verbringen. Für die einen fühlt sich so viel Zeit mit der Familie vielleicht wie ein Geschenk an, sozusagen Familienqualitätszeit.
Für die, denen das Zusammenleben schon vorher schwergefallen ist, kann die viele Zeit zusammen und auf engem Raum zur Herausforderung werden. Häusliche Konflikte und Übergriffe können die Folgen sein. Hier appelliere ich an die Verantwortlichen in Kommunen und Landkreisen, die telefonische Erreichbarkeit von Beratungsstellen sicher zu stellen und Einrichtungen der Krisenintervention, wie Frauenhäuser und Notdienste zu unterstützen.
Kindeswohl ist auch in Krisenzeiten ein hohes GUT, das unser aller Aufmerksamkeit bedarf. Lassen sie uns auch in der Krise aufeinander und auf die Kleinsten in unserer Gesellschaft achtgeben.
 
 
Liebe Sächsinnen und Sachsen,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Ministerinnen und Minister,
sehr geehrte Herr Präsident,
 
lassen Sie uns auch weiterhin so koordiniert und so überlegt an die gemeinsame Bewältigung dieser Krise herangehen.
Ich wünsche Ihnen und uns Gesundheit, Kraft und Mut für die nächsten Wochen. Lassen sie uns das zusammen schaffen!
 
Vielen Dank!

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