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Annekathrin Giegengack

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Lehrermangel in Sachsen

(c) flickr.com (Jens-Olaf)

Über die Hälfte aller sächsischen Lehrerinnen und Lehrer sind 50 Jahre und älter.  Das hat zur Folge, dass bis 2030 über 80 Prozent der jetzt im Schuldienst tätigen Lehrerinnen und Lehrer in Rente gehen werden. Bei wieder ansteigenden Schülerzahlen steuert Sachsen nun auf einen eklatanten Lehrermangel zu, dem nicht rechtzeitig mit der Einstellung junger Lehrerinnen und Lehrern begegnet worden ist.
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Lehrermangel in Sachsen - heute, morgen, in den nächsten Jahren...

Die Schülerzahlen an allgemeinbildenden Schulen in Sachsen haben sich innerhalb der letzten 20 Jahre halbiert (1992/93 – 615.637 Schüler / 2010/11 – 283.921 Schüler). Über befristete Teilzeitregelungen hat man es vermeiden können, Lehrerinnen und Lehrer in Größenordnungen entlassen zu müssen (Bestand 1992/93 - 40.919 Lehrerinnen und Lehrer). Allerdings wurden aufgrund des fehlenden Bedarfs in den letzten Jahren nur wenige junge Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Das hat zur Folge, dass bis 2030 nun über 80 Prozent der jetzt im Schuldienst tätigen Lehrerinnen und Lehrer in Rente gehen werden. Erschwerend kommen die wieder ansteigenden Schülerzahlen hinzu (bis 2020 um ca. 15.000 auf 387.000 Schüler).

>> Lehrermangel heute

>> Lehrermangel in den nächsten Jahren

>> Was die Staatsregierung gegen Lehrermangel unternimmt

Der Lehrermangel ist ein komplexes Problem, für das es keine einfache Lösung gibt. Die GRÜNE-Landtagsfraktion versucht daher an mehreren Stellen, dem Lehrermangel entgegen zu wirken. Hier die wichtigsten parlamentarischen Initiativen auf einen Blick:

>> Alle Zahlen und Fakten auf den Tisch

>> Umstellung der Lehrerausbildung

>> Gerechte und faire Bezahlung aller Lehrerinnen und Lehrer

>> Seiteneinsteigerprogramm

>> Einführung der Gemeinschaftsschule

>> Finanzielle Absicherung des Lehrerbedarfs

 

Lehrermangel heute

Trotz der statistisch gesehen noch vergleichsweise guten Lehrerausstattung in Sachsen (in den westlichen Flächenländern kommen 16,1 Schüler auf einen Lehrer, in Sachsen 13,8) kann der Unterricht schon jetzt nicht mehr ausreichend abgesichert werden.

Ein Grund hierfür ist die Altersstruktur der Lehrer. Während in den westdeutschen Flächenländern der Anteil der unter 40-jährigen Lehrer bei 31 Prozent liegt, beträgt dieser Anteil in Sachsen lediglich 11 Prozent. Dafür sind aber über die Hälfte der Lehrer 50 Jahre und älter. Ältere Mitarbeiter werden laut Statistik nicht häufiger krank als die jüngeren Kollegen, dafür aber länger. Fachleute weisen auch darauf hin, dass der Krankenstand nicht nur mit dem Alter, sondern auch mit der Atmosphäre und der Arbeitsbelastung an der jeweiligen Schule zusammenhängt. Die Anzahl der langzeitkranken Lehrer ist in den letzten Schuljahren von 322  (2009/10) auf  351 (2011/12) gestiegen.
Hinzu kommen die Auswirkungen der Altersteilzeitregelungen (ATZ)1. In den letzten drei Jahren der ATZ, der sogenannten Ruhephase, sind die Lehrer nicht mehr im Schuldienst tätig, besetzen jedoch eine halbe Stelle. Im Schuljahr 2011/12 betrifft dies rund 800 Lehrerstellen.
Der Lehrerberuf ist inzwischen auch zu einem Frauenberuf geworden. Rund ¾ der sächsischen Lehrer sind Frauen. Viele junge Lehrerinnen gehen nach ein paar Jahren im Schuldienst in Mutterschutz / Elternzeit. Diese zeitweise nicht besetzten Stellen müssen kompensiert werden. Ein Drittel der Zugänge bei den Lehrpersonen kommt aus dem Mutterschutz / der Elternzeit zurück.

Der außerplanmäßige Unterrichtsausfall nahm über die letzten Schuljahre kontinuierlich zu. Im letzten Schuljahr musste an den sächsischen Gymnasien und Mittelschulen jede zehnte Unterrichtsstunde vertreten werden bzw. fiel ganz aus. An den Gymnasien gab es mit einer Vertretungsquote von im Durchschnitt 65 Prozent den geringsten Unterrichtsausfall. Aufgrund der großen Lehrerkollegien gelang es hier vergleichsweise gut, den nicht planmäßig stattfindenden Unterricht fachgerecht zu vertreten. Nur in Ethik, Musik und Sport fiel über die Hälfte des nicht planmäßig stattfindenden Unterrichts tatsächlich aus. An Mittelschulen fiel erheblich mehr Unterricht aus als an Gymnasien. Insbesondere in Chemie, Ethik, Gemeinschaftskunde, Musik, Sport, WTH und zweiter Fremdsprache wurde noch nicht einmal die Hälfte der Stunden vertreten, wenn der entsprechende Fachlehrer krank war oder z.B. mit anderen Schülern auf Klassenfahrt ging. Da die Lehrerkollegien in der Regel kleiner sind als an Gymnasien erfolgte die Unterrichtsvertretung an Mittelschulen häufiger in einem anderen Fach. Auch die Grundschulen hatten zu kämpfen. Während die Fächer Mathe, Deutsch und Sachkunde überwiegend und fachgerecht vertreten wurden, fiel hingegen der Unterricht in Englisch, Ethik, Kunst, Musik und Werken zur Hälfte aus, wenn der entsprechende Fachlehrer nicht da war. Erschreckend hoch war der Unterrichtsausfall an den Förderschulen. Über die Hälfte des Unterrichts, der wegen Krankheit der Lehrkraft oder aus anderen Gründen nicht planmäßig stattfinden konnte, fiel hier aus. Aufgrund des Lehrermangels an Förderschulen wurde im letzten Schuljahr in den Fächern Gemeinschaftskunde und Ethik von vornherein Unterrichtsausfall eingeplant. Tatsächlich fiel in diesen beiden Fächern bis Schuljahresende mehr als doppelt so viel Unterricht aus wie geplant, 16 Prozent des Gemeinschaftskundeunterrichts und 18 Prozent des Ethikunterrichts. Nur in Mathe, Deutsch, Hauswirtschaft und Technik wurden in den Förderschulen Vertretungsquoten erreicht, wie sie an anderen Schultypen üblich sind.

Kleine Anfragen zum Thema:

  • Lehrkräfteversorung an der Grundschule Connewitz (Drs 5/3890)
  • Neueinstellung/ Abordnung von Lehrkräften an Mittelschulen (Drs 5/6090)
  • Neueinstellung/Abordnung von Lehrkräften an Grundschulen (Drs 5/6091)
  • Lehramstausbildung an der Technischen Universität Dresden und der Universität Leipzig (Drs 5/1355)

Lehrermangel in den nächsten Jahren

Bis 2020 scheiden ca.  9.000 Lehrer aus dem Schuldienst aus, insgesamt werden ca. 8.250 Lehrerstellen frei. Bis 2016/17 werden durchschnittlich pro Jahr über 500 Lehrerstellen frei, ab 2017/18 sind es jährlich ca. 1.500 Lehrerstellen. Der zukünftige Lehrerbedarf kann nicht adäquat abgesichert werden

Grund eins: fehlender Nachwuchs
Da es in den letzten Jahren keinen großen Bedarf an jungen Lehrern gab, ging auch die Zahl der Lehramtsstudenten in Sachsen seit 2005 um ca. 1.000 auf insgesamt 7.071 zurück. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren die Lehramtsausbildung zweimal komplett umgestellt wurde. So wurde im Zuge der Umsetzung des Bolognia Prozesses die Staatsexamensausbildung 2006/07 durch eine Bachelor/Masterausbildung abgelöst und 2011/12 wieder zur Staatsexamensausbildung zurückgekehrt. Das hat die Attraktivität des Lehramtsstudiums nicht gestärkt.
In den vergangenen Jahren begannen pro Jahr ca. 1.000 Studierende ein Lehramtsstudium, die Erfolgsquote lag bei ca. 65 Prozent. 2009 legten 563 Lehramtsabsolventen ihre zweite Staatsprüfung ab,  davon traten rund 400 im Schuljahr 2009/10 in den Schuldienst ein. Der zukünftige Bedarf an Lehrern kann angesichts der momentanen Studierendenzahlen nicht mehr gedeckt werden. Die geplante Erhöhung der Studienkapazitäten auf 1.700 Studienanfänger pro Jahr ist von den Universitäten kaum umsetzbar, da ihnen die Mittel für zusätzliches Lehrpersonal fehlen. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Schulabgänger mit Hochschulreife seit 2005 halbiert hat (2005 – 16.631, 2012 – 8.549) und sich in den nächsten Jahren bei 12.300 einpendeln wird. Das bedeutet, es müssen mehr Schüler für das Lehramtsstudium gewonnen werden bei weniger Abiturienten insgesamt. Dies wird nur zu bewältigen sein, wenn es gelingt, mehr Studierende - auch aus anderen Bundesländern - zu einem Lehramtsstudium in Sachsen zu bewegen, indem das Studium attraktiver gestaltet und bundesdeutsche Standards umgesetzt werden.

Grund zwei: bevorzugtes Lehramt / Fächer entsprechen nicht dem Bedarf
Ein weiteres Problem ist das von den Studierenden gewählte Lehramt. Von 563 Lehramtsabsolventen mit zweiter Staatsprüfung 2009 waren 47 Prozent LA Gymnasien, 28 Prozent LA Grundschulen, 14 Prozent LA berufsbildende Schulen, 6 Prozent LA Mittelschulen und 5 Prozent LA Förderschulen. Der Gesamtbedarf für die Schularten Grund- und Mittelschule sowie Gymnasium ist mit jeweils einem Viertel aller zu besetzenden Stellen gleich hoch, im Moment studieren jedoch 60 Prozent der Lehramtsstudenten Lehramt Gymnasium und nur jeweils 10 Prozent Lehramt Grund- und Mittelschule.
Hinzu kommt, dass die von den Lehramtsstudenten bevorzugten Fächer nicht unbedingt den Mangelfächern an unseren Schulen entsprechen. Die Schwerpunktfächer mit dem größten Einstellungserfordernis werden sein Englisch (25 Prozent), Mathematik (20 Prozent) , Deutsch (16 Prozent), Französisch als zweite Fremdsprache und WTH an den Mittelschulen sowie Englisch (17 Prozent), Mathematik (17 Prozent), Französisch (11 Prozent) und Deutsch an den Gymnasien. Bei den Förderschullehrern wird der gefragteste Förderschwerpunk Lernen sein (63 Prozent). Bei den berufsbildenden Schulen besteht der größte Bedarf im Schwerpunkt Maschinen- und Metalltechnik sowie Elektrotechnik.

Grund drei: schlechte Einkommensbedingungen und keine Verbeamtung
Neben Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist Sachsen das dritte Bundesland, dass Lehrer nicht verbeamtet. In der Einkommensgruppen E11 (Mittelschule) verdienen sächsische Lehrer mit 2.889 € brutto im Durchschnitt 200 € weniger als in Bundesländern die verbeamten. In der Einkommensgruppe E13 (Gymnasium) verdienen sie mit 3.403 € so viel wie im Durchschnitt beamtete Lehrer in den anderen Bundesländern. Im Beamtenverhältnis  sind jedoch die Sozialabgaben nicht so hoch wie im Angestelltenverhältnis, d.h. die verbeamteten Lehrer haben ein höheres  Nettoeinkommen und sie haben Anspruch auf eine Pension. Auch wenn in der Kultusministerkonferenz verabredet wurde, dass jedes Bundesland seine Lehrerinnen und Lehrer selbst ausbildet, ist es grundsätzlich möglich, bei der Einstellung von Lehrern auch Bewerber aus anderen Bundesländern zu berücksichtigen. So wird z.B. für Bayern prognostiziert, dass in den Studiengängen LA Realschule (vergleichbar mit unserer Mittelschule) und LA Gymnasium weit mehr Lehramtsstudenten ausgebildet als zukünftig tatsächlich gebraucht werden. Da aber Bayern Lehrer verbeamtet, ist es fraglich, ob bayrische Lehramtsabsolventen nach ihrem Studium den Weg nach Sachsen finden.

Kleine Anfragen zum Thema:

  • Gewinnung von Lehramtsabsolventen aus anderen Bundesländern (Drs 5/7593)
  • Ausscheidende Lehrkräfte bis 2020 (Drs 5/8074)
  • Entwicklung der Studierendenzahlen in der Lehramtsausbildung (Drs 5/3840)
  • Lehramtsausbidung an sächsischen Hochschulen (Drs 5/7513)

Alle Zahlen und Fakten auf den Tisch!

Bis jetzt liegen keine verlässlichen Angaben über ausscheidende Lehrkräfte und den notwendigen Stellenbedarf vor. Erst am 25.4.2012 wurden auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) und des Finanzministers Georg Unland (CDU) alle bisher veröffentlichten Zahlen grundsätzlich wieder in Frage gestellt. Das zeigt: Das Kultusministerium hat in den letzten Monaten komplett den Überblick verloren. Es ist ein eklatantes Versagen sowohl von Kultus- und Finanzminister als auch von Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) selbst, dass in einem zentralen Bereich wie der Bildungspolitik seit über einem Jahr offenbar die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Leider ist auch jetzt nicht garantiert, dass die nun veröffentlichten Zahlen der Realität entsprechen, denn die Kultusministerin konnte bislang auf viele Detailfragen nicht antworten. Auch ist bis jetzt ungeklärt, wo die 23,5 Mio. Euro herkommen sollen, die im Haushalt 2013/14 für das überarbeitete Bildungspaket zu Buche schlagen. Dieser Zustand ist unhaltbar. Der Lehrermangel muss transparent gemacht werden, denn nur so können verlässliche Lösungen entwickelt werden.

Zur Transparenz zählt auch eine adäquate Erfassung des Unterrichtsausfalls. Noch immer lügt sich die Staatsregierung durch unsachgerechte Regelungen selbst in die Tasche. Die GRÜNE-Fraktion hat im März 2012 mit einem Antrag die Staatsregierung aufgefordert, die Festlegungen zum Unterrichtsausfall zu reformieren. So soll Stillbeschäftigung nicht mehr als fachgerechte Vertretung gewertet, die Zusammenlegung von Klassen zahlenmäßig und zeitlich begrenzt, der Ausfall von Förderunterricht und Integrationsstunden erfasst und der fächerspezifische Unterrichtsausfall je Schulart halbjährlich veröffentlicht werden. Darüber hinaus sollen die Elternvertretung einer Schule zwingend in die Erarbeitung eines Maßnahmeplans einbezogen werden, sobald der Unterrichtsausfall in einem Fach oder bei einer Klasse 10 Prozent des Gesamtstundensolls überschreitet und die Schulen sollen ein Budget erhalten, mit dem sie kurzfristig Vertretungsbedarf organisieren können.

Antrag "Regelungen zum Unterrichtsausfall reformieren" (Drs. 5/7945)

Was die Staatsregierung gegen Lehrermangel unternimmt

Viel zu lange hat die Staatsregierung jedoch das absehbare Problem des zukünftigen Lehrermangels ignoriert und keine Vorsorge getroffen. Erst nach massiver Intervention der Oppositionsfraktionen im Landtag, später sogar der CDU-Fraktion selbst, legte das Kultusministerium Zahlen über ausscheidende Lehrkräfte und Bedarfsprognosen für Neueinstellungen vor, die sich jedoch als nicht belastbar erwiesen. So musste auch das im Dezember 2011 von Ex-Kultusminister Roland Wöller (CDU) und Finanzminister Georg Unland (CDU) geschnürte „Bildungspaket 2020“ im April 2012, dann unter Federführung der neuen Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos), massiv nachgebessert werden.

Bereits in der 4. Legislatur (2004-2009) hätte eine massive Erhöhung der Studienplatzkapazitäten im Bereich Lehramt erfolgen müssen (ein Lehramtsstudium dauert im Durchschnitt 7 Jahre), um in den Folgejahren ausreichend Lehramtsabsolventen zur Verfügung zu haben. Nach aktuellen Informationen sind für das Schuljahr 2012/13 insgesamt 650 Neueinstellungen geplant, allerdings werden nur rund 600 Studenten in diesem Jahr ihr Lehramtsstudium abschließen. Berücksichtigt man ferner, dass sowohl das gewählte Lehramt der Absolventen als auch die entsprechende Fächerkombination nicht in jedem Fall dem Bedarf an sächsischen Schulen entspricht und auch andere Bundesländer Lehramtsabsolventen suchen, ist es fraglich, ob die vorgesehenen 650 Neueinstellungen auch tatsächlich erfolgen können. Besonders prekär ist die Situation in den Grundschulen. Hier stehen momentan 90 Absolventen 300 freien Stellen gegenüber.
Darüber hinaus gibt es für die allgemeinbildenden Schulen keine Seiteneinsteigerregelungen. Das heißt, im Moment ist es kaum möglich Absolventen anderer Studienrichtungen unter bestimmten Auflagen in den Schuldienst zu übernehmen. Damit wird eine große Chance vertan, insbesondere weitere Lehrer für Mangelfächer wie z.B. Englisch oder Mathematik zu gewinnen.  

Auch gibt es keine Pläne, die Verdienstmöglichkeiten der sächsischen Lehrerinnen und Lehrer dem bundesdeutschen Durchschnitt anzupassen. Zum einen sind die sächsischen Lehrerinnen und Lehrer nach Schularten gestaffelt eingruppiert, was insbesondere das Studium der nichtgymnasialen Lehrämter weniger attraktiv macht und zum anderen sind die sächsischen Lehrerinnen und Lehrer aufgrund der Nichtverbeamtung generell finanziell schlechter gestellt als die Lehrer in anderen Bundesländern. Damit wird es in Zukunft sehr schwierig sein, insbesondere für Grund- und Mittelschulen genügend Bewerber zu finden.

Ein besonderes Problem stellt die fehlende Bereitschaft der Staatsregierung dar, dem Bildungsbereich politisch oberste Priorität einzuräumen. Die Unterfinanzierung des Bildungsbereichs wird nicht in die Haushaltsrechnung als entgangenes Wirtschaftswachstum eingepreist und somit auch nicht als immaterielle Schulden der Zukunft begriffen. Es wird nicht danach gefragt, was den Einzelnen und uns als Gesellschaft unzureichende Bildung tatsächlich langfristig kostet. Das ist fatal.

Kleine Anfragen zum Thema:

Umstellung der Lehrerausbildung

Die GRÜNE-Fraktion will das Lehramtsstudium wieder attraktiv machen und junge Menschen für den Lehrerberuf gewinnen. Das Studium soll praxisorientierter werden. Wir wollen die Lehramtsausbildung auf ein Stufenmodell (Primarstufe – Grundschule, Sekundarstufe – Mittelschule/Gymnasium) mit gleicher Qualität und Dauer umstellen. Wir halten die Unterscheidung der Lehrämter nach verschiedenen Schularten nicht nur fachlich für überholt sondern auch hinsichtlich der zukünftigen Einsatzmöglichkeiten für problematisch. Eine stufenbezogene Ausbildung erhöht nicht nur die Vielseitigkeit des Lehramtsstudiums sondern auch die Einsatzmöglichkeiten bei der späteren Lehrtätigkeit und trägt zur Überwindung tradierter kultureller Deutungsmuster bei, die mit der Schulartdifferenzierung verbunden sind. Darüber hinaus wollen wir auch eine Gleichstellung des Lehramtes Grundschulen (Primarstufe) mit den übrigen Lehrämtern. Angesichts der Schlüsselfunktion der Grundschule kommt den pädagogischen und didaktischen Kompetenzen von Lehrkräften in der Grundschule eine besondere Bedeutung zu, weshalb wir uns auch für eine deutliche Stärkung der bil­dungswissenschaftlichen Anteile in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern für die Primarstufe (Grundschule) einsetzen. Wir möchten weiter die inklusive Pädagogik verbindlich im Lehramtsstudium verankern. Infolge der UN-Behindertenrechtskonvention müssen alle Lehrer umfassende Kompetenzen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen entwickeln. Dementsprechend ist es sinn­voll, dass die Lehramtsausbildung für alle Lehrämter Pflichtmodule in inklusiver Päda­gogik vorsieht. Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern muss klar und verbindlich geregelt werden. Hierfür ist ein Lehrerbildungsgesetz notwendig.

Antrag "Weiterentwicklung der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern" ( Drs. 5/ 3942)

Gerechte und faire Bezahlung aller Lehrerinnen und Lehrer

Die GRÜNE-Fraktion strebt eine gleiche Bezahlung aller Lehrerinnen und Lehrer an. Es ist nicht nachvollziehbar, wieso Lehrerinnen und Lehrer, nur weil sie an unterschiedlichen Schularten unterrichten, unterschiedlich entlohnt werden.

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Seiteneinsteigerprogramm

Angesichts des sich abzeichnenden Lehrkräftemangels sollten alle Möglichkeiten zur Gewinnung von Lehrernachwuchs ausgeschöpft werden. Die berufli­chen Schulen haben gezeigt, dass die Einbindung von Seiteneinsteigern eine realisti­sche Strategie zur Lösung des Problems sein kann. Angesichts der stärkeren pädagogischen Herausforderungen im Bereich der allgemeinbildenden Schulen ist es jedoch unerläss­lich, die Möglichkeit des Seiteneinstieges an ein umfassendes pädagogisches Studium zu koppeln. Deshalb wollen wir die Universitäten mit der Entwicklung eines eigenständigen Masterstudienganges für Seiteneinsteiger beauftra­gen.

Antrag "Weiterentwicklung der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern" (Drs. 5/ 3942)

Einführung der Gemeinschaftsschule

Um trotz der derzeit schwierigen Bedingungen im Bildungsbereich - Lehrermangel und heterogene Entwicklung der Schülerzahlen sowie rückläufige Einnahmen in Land und Kommunen - förderliche Lernvoraussetzungen für alle Kinder zu erreichen, setzen wir uns für die Weiterentwicklung der Mittelschule zu einer Schule für alle ein. Die aus der Mittelschule hervorgehende Gemeinschaftsschule soll jedem Kind offen stehen und alle Abschlüsse bis zum Abitur anbieten. Dafür sollen die Gemeinschaftsschulen bei entsprechender Größe eine eigene gymnasiale Oberstufe etablieren oder eine verbindliche Kooperation mit Oberstufen anderer Schulen eingehen. Mit der Gemeinschaftsschule wollen wir die Schülerzahlen vor Ort stabilisieren, die Schulnetzplanung - eine wesentliche Voraussetzung der Investitionsförderung für den Schulhausbau - berechenbarer machen und einer weiteren Zergliederung und Ausdünnung des Schulsystems im ländlichen Raum aufgrund des Lehrermangels entgegenwirken. Wir wollen den Gemeinschaftsschulen umfassende pädagogische und personelle, finanzielle und organisatorische Freiheiten geben, um ihren Bildungsauftrag besser umzusetzen zu können. Insbesondere die Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, die starre und zentrale Steuerung von oben hat versagt. Wir unterstützen regionale Verbünde und Kooperationen von Schulen und setzen auf das Wissen und die Erfahrung vor Ort.

Finanzielle Absicherung des Lehrerbedarfs

Die Personalausgaben für Lehrer betragen gemäß Haushaltsplan 2011/12 rund 1,75 Mrd. Euro pro Jahr bei einem Gesamthaushaltsvolumen von rund 16 Mrd. Euro. Allein durch das Auslaufen des Solidarpakts bis 2019, die zurückgehenden Zuweisungen im Rahmen des Länderfinanzausgleichs aufgrund des Bevölkerungsrückgangs und die rückläufigen EU-Fördermittel in der neuen Förderperiode ab 2014 -2020 werden die Einnahmen des Freistaates um rund 3 Milliarden sinken. Dies ist auch bei einer sehr positiven Entwicklung des Wirtschaftswachstums nicht zu kompensieren. Die finanziellen Herausforderungen zur Absicherung des Lehrerbedarfs bis 2020 sind vor diesem Hintergrund groß. Insbesondere wenn nicht nur der Unterricht durch genügend Lehrerinnen und Lehrer abgesichert werden soll, sondern diese Lehrerinnen und Lehrer auch angemessen und gleich entlohnt werden sollen. Unsere Fraktion geht von einem zusätzlichen Finanzbedarf in dreistelliger Millionenhöhe aus. Dies erfordert eine klare Prioritätensetzung bei der Aufstellung der kommenden Landeshaushalte. Dieser Aufgabe wird sich unsere Fraktion stellen.