PM 2009-063: Diskussion: "Ein Kunststück?! – Mehr Chancen für Frauen in der Kultur" - GRÜNE fordern paritätische Besetzung von Spitzenpositionen im Kulturbetrieb
Geringe Zahl der Frauen an der Spitze spiegelt nicht reale Zahl der in Kulturberufen ausgebildeten und arbeitenden Frauen wider
Frauen verdienen weniger, nehmen selten Leitungspositionen ein, bekommen weniger Anerkennung – auch im Kulturbetrieb. Dies unterstrich das Fachgespräch "Ein Kunststück?! – Mehr Chancen für Frauen in der Kultur", zu dem die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Donnerstag anlässlich des Frauentags am 8. März eingeladen hatte.
"So lange Frauen in Spitzenpositionen eine Ausnahmeerscheinung sind, brauchen wir eine besondere Frauenförderung", waren sich die geladenen Expertinnen und Karl-Heinz Gerstenberg, kulturpolitischer Sprecher der GRÜNEN einig. Ursula Theißen vom Frauenkulturbüro Nordrhein-Westfalen betonte, dass der Kampf der Frauen um gleiche Teilhabe im Kulturbetrieb Ausdauer sowie zuerst Druck aus der Bevölkerung brauche. "Erst dann bewegen sich Politik und Verwaltung."
"Aus der Analyse der vergangenen 20 Jahre wissen wir, dass eine Förderung, die auf die paritätische Besetzung von Spitzenpositionen abzielt, wahrscheinlich die richtige Lösung ist", erklärte Katja Mieth, die als Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen allein unter Männern in der Kulturverwaltung des Freistaates ist. "Die Erfolge einer solchen Regelung in anderen Ländern geben diesem Weg recht." Nach wie vor sei allein die Möglichkeit, dass Frauen schwanger werden und durch Erziehungszeit ausfallen könnten, in Besetzungsgremien häufig der Grund, sich für einen Mann zu entscheiden.
"Spätestens, wenn sie Mütter werden bekommen Künstlerinnen der verschiedensten Kunstgenres diese mittelbare Zurücksetzung zu spüren", bestätigte Ute Hartwig-Schulz vom Künstlergut Prösitz. "Ein Instrument, hier gegenzusteuern, könnten spezielle Stipendien sein."
Im Künstlergut werden bereits maßgeschneiderte Stipendienaufenthalte für Bildhauerinnen mit Kind angeboten.
"Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, hat aber Modellcharakter, den wir auf vielen weiteren Gebieten durchsetzen", so Karl-Heinz Gerstenberg, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN.
Die GRÜNE-Fraktion hat in einem Antrag die Staatsregierung aufgefordert, in der Kunst- und Kulturförderung sowie den staatlichen Kultureinrichtungen das Sächsische Frauenfördergesetz umzusetzen und auf eine paritätische Besetzung von Gremien und Leitungspositionen zu bestehen.
Download: Antrag "Mehr Chancen für Frauen in der Kultur" (Drs. 4/14357)
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