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Pressemitteilung | 05.03.13

PM 2013-61: Sachsens 'Waldstrategie 2050' ist eine einzige Mogelpackung - Kupfer erteilt sich Fristverlängerung

"Die heute vorgestellte 'Waldstrategie 2050' von Umweltminister Frank Kupfer CDU ist eine einzige Mogelpackung", kritisiert Gisela Kallenbach, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag. "Weil der Waldumbau in Sachsen nicht entscheidend vorankommt, erteilt sich der Minister selbst eine Fristverlängerung bis zum Jahr 2050."
 
"Schon laut Landesentwicklungsplan 2003 sollte der sächsische Waldanteil auf 30 Prozent anwachsen. Doch im Jahr 2011 lag Sachsens Anteil nur bei 28,4 Prozent. Wie Minister Kupfer auf meine Kleine Anfrage bestätigte, stieg der Waldanteil von 28,3 Prozent im Jahr 2007 bis zum Jahr 2011 nur um 0,1 Prozent", so die Abgeordnete. In seiner Antwort im März 2012 hieß es: >>Eine genaue Prognose, zu welchem Zeitpunkt der Freistaat eine Bewaldung von 30 Prozent seiner Landesfläche aufweisen wird, ist nicht hinreichend genau bestimmbar.<<

Der EU-Report der deutschen Rechnungshöfe vom Januar 2013 bescheinigt Sachsen ein ineffizientes Förderprogramm zur Erstaufforstung. Danach wuchs in 17 Jahren Förderung der Wald im Freistaat um ganze 0,7 Prozent (Zeitraum 1991 bis 2008). Dies kostete fast 29 Millionen Euro. Weitere 11,2 Millionen Euro sind für die Folgejahre bereits gebunden. Die EU-Prüfer haben in über 40 Prozent der Förderfälle festgestellt, dass die aufgeforsteten Baumarten nicht oder nur teilweise vorhanden waren.

"Der Minister sollte die Fördermittelverwendung strenger kontrollieren und Tempo machen. Fördermittel sind zurückzufordern, wenn keine Bäume gepflanzt wurden", fordert Kallenbach. "Die Verlängerung des 30-Prozent-Ziels bis zum Jahr 2050 bedeutet, dass nur 200 Hektar jährlich an Waldfläche in Sachsen dazukommen sollen. Das ist so viel Fläche, wie in Sachsen allein in einem Monat neuversiegelt wird."

"Jede Erweiterung von Braunkohletagebauen, jede neue Straße, Infrastruktur-, Gewerbe- und Industrieansiedlungen fressen Fläche – ein großer Teil davon sind Waldflächen. Wenn man versucht, mit der einen Hand etwas aufzubauen, darf man es nicht mit der anderen wieder einreißen", weist Kallenbach auf das Dilemma des mangelnden Waldzuwachses in Sachsen hin.

Seit dem Jahr 2000 ist die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Sachsen um über zehn Prozent gestiegen.

"Dringend zu verstärken ist außerdem der Waldumbau. Auf der Hälfte der rund 200.000 Hektar Landeswald wachsen Fichten in Monokultur. Diese sind besonders anfällig gegen Trockenheit und Schädlingsbefall. Die Waldumbaufläche liegt bei nur rund 1.500 Hektar pro Jahr. Geht es in dem Tempo weiter, braucht es noch 100 Jahre, um den Wald für den Klimawandel fit zu machen."

Die Klimaschutzbilanz von Fichtenwäldern fällt im Vergleich zu Laub- und Mischwäldern deutlich schlechter aus. Im Unterschied zu Nadelwäldern wird in Laubwäldern der Kohlenstoff stärker in den unteren Bodenschichten gespeichert. Der Umbau von Kiefernwäldern hin zu Laubwäldern kann deshalb die Speicherkapazität der Böden für Kohlenstoff verdoppeln.


Hintergrund:
» EU-Report 'Förderung der Erstaufforstung' (S. 109ff.)

» Die Grundlage des EU-Reports ist der entsprechende Bericht des Sächsischen Landesrechnungshofes

» Sachsens Waldanteil beträgt derzeit 28,4 Prozent der Landesfläche (523.782 ha). Auf jeden Einwohner entfallen im Durchschnitt 0,127 ha Wald.
GRÜNE Kleine Anfrage zum Waldanteil in Sachsen (Drs. 5/8441)
 
» Verantwortlich für das Programm ist das Sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Die Förderung erfolgt bisher weitgehend aus EU-Mitteln des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum (EPLER)
            

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