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Pressemitteilung | 22.09.14

Vattenfall gibt CCS-Technologie endgültig auf - GRÜNE: Keine Überraschung - Sächsische CDU muss ihre Träume aufgeben

(2014-222) Zur heute bekannt gewordenen Entscheidung von Vattenfall, die Testanlage zur Abscheidung von Kohlendioxid in Schwarze Pumpe abzubauen, erklärt der energiepolitische Sprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, Gerd Lippold:

"Diese Entscheidung ist keineswegs eine Überraschung, auch wenn Vattenfall den Testbetrieb der CCS-Anlage in Schwarze Pumpe in der Vergangenheit immer wieder als Erfolg verkaufen wollte. Bereits im Mai 2014 hatte sich Vattenfall zu großen Teilen aus der Forschung an der CCS-Technologie verabschiedet, bei der es um Abtrennung und Speicherung des klimaschädlichen CO2 im Boden geht. Zugleich vertrat der Vorstandschef von Vattenfall Europe Mining & Generation, Hartmuth Zeiß, aber noch die Meinung, ein neues Braunkohlekraftwerk müsse CCS haben und dafür habe man noch ein Zeitfenster von fünf bis zehn Jahren."

"Die sächsische CDU muss endlich ihre Träume von rettenden technologischen Lösungen für ihre Braunkohlestrategie aufgeben. Alle Hoffnungen, damit ohne einen grundlegenden Strategiewechsel dennoch Klimaschutzziele ansteuern zu können, sind gescheitert. Entweder Sachsen steigt mittelfristig aktiv und selbstbestimmt aus der Braunkohle aus, oder Sachsen wird durch Betreiber und Rahmenbedingungen aus der Braunkohle ausgestiegen."
"BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben konstruktive Vorschläge für einen solchen Plan unterbreitet. Koalitionsverhandlungen mit der CDU sind vor allem deshalb nicht möglich geworden, weil die CDU in Sachsen in der Energiepolitik ihre Augen vor den Realitäten des Jahres 2014 leider noch immer fest verschließt."

"Nun verkündet Vattenfall, die Technologie habe sich nicht durchsetzen können. Nach der eigenen Vattenfall-Logik sind damit auch Träume von neuen Braunkohlekraftwerken geplatzt. CCS ist, obwohl verfahrenstechnisch prinzipiell machbar, wirtschaftlich klar gescheitert. Die enormen Kostensenkungserfolge der erneuerbaren Energien haben die Rahmenbedingungen in der Energiewirtschaft schneller geändert, als es dauerte, eine CCS-Pilotphase zu Ende zu führen."

"Jene, die den Fortbestand der Braunkohleverstromung auch im Zeitalter weltweiter Klimaschutzanstrengungen und rasant wachsender Marktanteile erneuerbarer Energien festschreiben wollen, setzen ihre Hoffnung vor allem auf ingenieurtechnische Lösungen. Ihr wichtigstes Argument, man könne die Braunkohle auch ohne Klimazerstörung verbrennen, ist nun offensichtlich ein gewaltiges Stück weit unrealistischer geworden."
"Die richtige Lösung ist meist die, die am einfachsten ist. Die einfachste Lösung zur Vermeidung der immensen Folgeschäden der Kohleverstromung ist der schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung. Anstatt viele Millionen Euro in aussichtslose Umgehungsversuche dieser einfachen Lösung zu stecken, sollte Vattenfall das Geld zukunftssicher in die nachhaltige Energieversorgung von morgen investieren, die längst kostengünstig und wettbewerbsfähig machbar geworden ist."

 

Hintergrund:

Ziel der CCS-Technik (Carbon Capture & Storage) war die Verringerung der bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehenden Kohlendioxid-Emissionen durch ein Abscheideverfahren mit anschließender unterirdischer Lagerung. Die Testanlage von Vattenfall in Schwarze Pumpe war vor sechs Jahren in Betrieb gegangen.
Die Sächsische Staatsregierung und das Unternehmen lobten die Pilotanlage zwischenzeitlich in den höchsten Tönen und stellten eine Entwicklung bis zur Serienreife in Aussicht.

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