Zum Inhalt springen
Pressemitteilung | 11.05.15

GRÜNE verwundert über Bildungsempfehlungen für Schuljahr 2015/2016: Deutliche Unterschiede zwischen Landkreisen

(2015-166) "Die Vergabe von Bildungsempfehlungen für das Schuljahr 2015/2016 wirft Fragen auf. Wird die verpflichtende Empfehlung nach Klasse 4 zur Wahl der weiterführenden Schule zu einem Steuerungsinstrument für die Kultusbürokratie?", fragt Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Fraktion. Sie hatte zu diesem Thema eine Kleine Anfrage an die Staatsregierung gerichtet. Die Antwort wirft weitere Fragen auf.

"Grundsätzlich dient die Bildungsempfehlung dem Aufzeigen des bestmöglichen Bildungswegs für das einzelne Kind. Allein mit dem Wahlverhalten der Eltern sind die Unterschiede innerhalb Sachsens jedoch nicht zu erklären. Diese legen eher den Verdacht nahe, dass hier entsprechend der regionalen Angebote und Kapazitäten Schülerströme gelenkt werden. Das ist nicht Sinn und Zweck der Sache."

Für das Schuljahr 2015/2016 erhielten in Sachsen 46,5 Prozent der Viertklässler eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium und 52,6 Prozent eine Empfehlung für die Oberschule. In der Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur (SBA) Dresden wurde in 53,4 Prozent der Fälle eine Empfehlung fürs Gymnasium erteilt, in der SBA-Regionalstelle Bautzen hingegen nur in 41,4 Prozent. Die wenigsten Empfehlungen für den Besuch der Oberschule wurden in der SBA-Regionalstelle Dresden erteilt (46 Prozent), in der SBA-Regionalstelle Zwickau waren es hingegen 57,2 Prozent.

Bei den Landkreisen zeigen sich nochmals größere Spannweiten. So erhielten in der Landeshauptstadt Dresden 58,8 Prozent der Kinder eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium, hingegen nur 40,6 Prozent für die Oberschule. Im Landkreis Görlitz dreht sich das Verhältnis um: 40,7 Prozent der Viertklässler wird hier der Besuch des Gymnasiums empfohlen, 57,4 Prozent empfiehlt man, den Bildungsweg an einer Oberschule fortzusetzen.

Die Disparitäten setzen sich bei der 2. Bildungsempfehlung nach Klasse 6 fort. Für das Schuljahr 2015/2016 wurde 9,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Klasse 6 an Oberschulen der Besuch des Gymnasiums empfohlen: 7,2 Prozent in der SBA-Regionalstelle Leipzig, 11,7 Prozent in der SBA-Regionalstelle Dresden.

"Auffällig sind auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So erhielten 49,8 Prozent der Schülerinnen in Klasse 4 eine Empfehlung fürs Gymnasium und 49,5 Prozent für die Oberschule. Bei den Jungs lag das Verhältnis hingegen bei 43,3 Prozent zu 55,6 Prozent. In Klasse 6 der Oberschulen erhielten doppelt so viele Mädchen wie Jungen die Empfehlung, den Bildungsweg am Gymnasium fortzusetzen (12,9 Prozent gegenüber 6,5 Prozent)."

"Wir GRÜNE fordern, die Bildungsempfehlung zu einer umfassenden Bildungsberatung für Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern weiterzuentwickeln. Dabei müssen die Fähigkeiten und Interessen der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen. Die freie Wahl der weiterführenden Schule muss gewährleistet bleiben. Das ist ein Gebot der Bildungsgerechtigkeit, das nicht durch die Planung von Schulstandorten, Personaleinsatz und Schülertransport konterkariert werden darf. Die regionalen Unterschiede in den Bildungsverläufen müssen verstärkt in den Fokus gerückt werden, wenn die Werte beim Übergangsverhalten so deutlich variieren. Der Bildungserfolg darf nicht vom Wohnort abhängen."

» Kleine Anfrage "Bildungsempfehlungen und Schulwechsel im Freistaat Sachsen" (Drs. 6/1119)

 

Hintergrund:

Darin aufgelistet sind alle sächsischen Grundschulen (Verhältnis Bildungsempfehlung Gymnasium-Oberschule), alle Mittel-/Oberschulen (die Bildungsempfehlungen fürs Gymnasium in Klasse 5 und 6 erteilt haben), die Anmeldezahlen für die Klasse 5 an öffentlichen Schulen (Stand 06.03.2015) sowie die Anzahl der Schul(art)wechsel in Klasse 6 und 7 zwischen Gymnasien und Mittel-/Oberschulen.

Eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium wird erteilt, wenn der Schüler oder die Schülerin in der Halbjahresinformation oder am Ende des Schuljahres in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht einen Notendurchschnitt von 2,0 oder besser erreicht hat und keines dieser Fächer mit der Note "ausreichend" oder schlechter benotet wurde.

Politikfelder