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Pressemitteilung | 19.06.15

Jahrgangsübergreifender Unterricht ist keine Notlösung, sondern ein erfolgreiches pädagogisches Konzept!

(2015-210) Zum heutigen Interview von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) in der LVZ/DNN erklärt Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

"Wir begrüßen, dass die Kultusministerin jahrgangsübergreifenden Unterricht als innovativen Ansatz sieht. Das wurde im Handeln bisher noch nicht so deutlich, aber besser spät als nie. Allerdings ist diese Form des Unterrichts eben nicht nur eine Möglichkeit >>Schulen auf dem Land zu retten<<, sondern tatsächlich ein erfolgreiches pädagogisches Konzept – egal ob auf dem Land oder in der Stadt."
"Und auch die Frage des Trägers ist nicht entscheidend. Wer aber diese Schulform nur als 'Notlösung' sieht, wird Vorbehalte nicht abbauen und trägt zur Stigmatisierung bei."

Zais hält einige der Vorwürfe der Ministerin für nicht gerechtfertigt:
"Leider können viele staatliche Schulen diesem Ansatz nicht folgen, denn das Kultusministerium sieht keinen Anlass, weitere Modellversuche zuzulassen, wie es auf meine Anfrage (Drs 6/1021) mitteilte. Dabei gibt es erfolgreiche Modellversuche innerhalb des staatlichen Schulsystems, wie das Chemnitzer Schulmodell. Hier besteht aus unserer Sicht dringender Handlungsbedarf seitens des Kultusministeriums, sei es die Zulassung weiterer Modellversuche oder die offensive Information über jahrgangsübergreifenden Unterricht."

"Derzeit haben vier Schulen einen Antrag auf jahrgangsübergreifenden Unterricht gestellt, wie mir auf eine weitere Anfrage (Drs 6/1711) mitgeteilt wurde. Bei allen vier Schulen haben die Schulträger (Gemeinde) und die Schulkonferenz zugestimmt. Was noch fehlt ist die Zustimmung der Schulaufsicht. Es ist daher dringend geboten, dass die Sächsischen Bildungsagenturen (SBA) den Antragstellern schnellstmöglich die nötige fachliche Hilfestellung gibt, insbesondere was den Nachweis und die Bereitstellung von qualifizierten Lehrkräften anbelangt. Das Konzept darf eben nicht daran scheitern, dass die SBA ihren Anteil nicht leistet. Wäre das so, müsste die Ministerin ihr eigenes Haus in den Blick nehmen und nicht die Lehrenden."

"Die Schule in Taura ist im Übrigen ein schlechtes Beispiel für mangelnden Willen zum jahrgangsübergreifenden Unterricht. Denn noch ehe die Schulkonferenz ihr Votum abgeben konnte, hatte sich der Gemeinderat als Schulträger bereits gegen diese Form des Unterrichts entschieden. Als nachvollziehbarer Grund ist hier angegeben, dass die Schülerzahlen im nächsten Jahr wieder steigen und die geforderte Mindestschülerzahl wieder erreicht wird."

» Kleine Anfrage der Abgeordneten  Petra Zais 'Abschluss der wissenschaftlichen Begleitung zum Modellprojekt "Schule mit besonderem pädagogischen Profil/Gemeinschaftsschule"' (Drs 6/1021)

» Kleine Anfrage der Abgeordneten  Petra Zais 'Jahrgangsübergreifender Unterricht an sächsischen Grundschulen' (Drs 6/1711)

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