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Pressemitteilung | 05.01.16

Sachsen hat mit der MIBRAG-Braunkohle ein besonders großes Quecksilberproblem

(2016-06) Allein das Kraftwerk Lippendorf südlich von Leipzig hat im Jahr 2010 rund 1,2 Tonnen des hoch toxischen Schwermetalls in die Atmosphäre geblasen. Auch wenn seitdem die Emissionen durch technische Maßnahmen zurückgegangen sind, liegen sie auch heute noch weit oberhalb des technisch machbaren, das etwa durch die US-Grenzwerte aufgezeigt wird.

Auch andere von der MIBRAG mit Braunkohle belieferte Kraftwerke haben besonders hohe spezifische Quecksilberemissionen.
Das ist nicht verwunderlich, hat doch die Kohle aus dem mitteldeutschen MIBRAG-Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Leipzig einen acht bis zehnfachen Gehalt an Quecksilber gegenüber der Lausitzer Kohle. Das ergab eine kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Gerd Lippold (Drs 6/835).

Zum Umgang der MIBRAG mit stark quecksilberhaltiger Kohle erklärt Dr. Gerd Lippold, energiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

"Im Wissen, dass die Braunkohle heute in Deutschland für den Großteil der Emission des insbesondere für Föten und Kleinkinder sehr gefährlichen Giftes Quecksilber in unserer Atmosphäre steht, sollte eine hohe Verantwortung bei der Verwendung von Braunkohlenvorkommen mit besonders hohem Quecksilbergehalt selbstverständlich sein."

"Die MIBRAG als bergbautreibendes Unternehmen in Mitteldeutschland liefert jedoch ohne Skrupel die stark quecksilberhaltige Kohle auch an Abnehmer beispielsweise in Chemnitz, nach Schkopau und nach Niedersachsen. Damit nicht genug, hat sie allein im letzten Jahr über 1,2 Mio. Tonnen ins Nachbarland Tschechien exportiert. Damit gelangte diese Kohle auch in Verbrennungsanlagen, die nicht wie Lippendorf hinsichtlich der Quecksilberrückhaltung optimiert worden sind. Handelt so ein geeigneter, verantwortungsvoller Betreiber von Tagebauen im Sinne des Bundesberggesetzes?"

"Dass auch sonstige Finanz- und Geschäftsgebaren des Unternehmens höchst intransparent sind und jüngst sogar Anlass zu staatsanwaltlichen Ermittlungen gegeben haben, verstärkt die Skepsis, was einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt, Gesundheit und Nachhaltigkeitszielen angeht."

Auflagen zur Kontrolle oder Beschränkung der Exportkohle in Anlagen mit schlechteren Möglichkeiten zur Quecksilberreduktion wurden von der Staatsregierung laut Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine weitere Anfrage des Abgeordneten Lippold aber trotzdem nicht erlassen (Drs 6/1098).

Die MIBRAG gehört dem potenziellen Vattenfall-Käufer EPH.
"EPH wird von der Staatsregierung als 'weißer Ritter' zur Rettung ihrer Kohle-Strategie hofiert. Das Streben nach unbedingtem Festhalten an der schmutzigen Energiequellen von gestern scheint so übermächtig, dass erkennbare Risiken wohl gezielt ausgeblendet werden. Dabei ist es offensichtlich, dass ein solcher Kurs Sachsen, seine Bürgerinnen und Bürger sowie seine Umwelt mittelfristig teuer zu stehen kommen wird."

>> Aktuelle Studie 'Quecksilberemissionen aus Kohlekraftwerken'
www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/umwelt/PDF/oekopol-quecksilber-aus-kohlekraftwerken.pdf

>> Studie 'Quecksilberemissionen aus Kohlekraftwerken in Deutschland - Stand der Technik der Emissionsminderung'
oliver-krischer.eu/fileadmin/user_upload/gruene_btf_krischer/2014/Quecksilberemissionen_aus_Kohlekraftwerken_in_Deutschland_final.pdf

>> Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Gerd Lippold (GRÜNE) 'Quecksilbergehalt der sächsischen Braunkohle' (Drs 6/835)
edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx

>> Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Gerd Lippold (GRÜNE) 'Tagebaue Vereinigtes Schleenhain und Kraftwerk Lippendorf - Quecksilberfrachten und Emissionsdaten' (Drs 6/1098)
edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx

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