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Pressemitteilung | 25.08.17

GRÜNES Positionspapier: Die zweite Chance der Solarindustrie nutzen

(2017-195) Der GRÜNEN-Landtagsabgeordnete Dr. Gerd Lippold sieht eine zweite Chance für die Solarindustrie in Deutschland und Europa. Allerdings könne man sich dafür nach dem Neustart der SolarWorld Industries GmbH in Freiberg und Arnstadt nicht zufrieden zurücklehnen, so Lippold in einem vorgelegten Positionspapier.

Lippold, der energie- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag ist, geht es um die Chancen für eine ganze Industrie, nicht nur um ein einzelnes Unternehmen. Er mahnt eine Veränderung der Rahmenbedingungen an. Das könne weder das Unternehmen, noch die verbliebene Solarforschungslandschaft in Deutschland allein leisten. Der Abgeordnete sieht es als Aufgabe der Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene.

Lippold plädiert dafür, die Erfahrungen aus der Mikroelektronik zu nutzen. Wie schon in dieser Branche sei die Aufgabe zu groß, um sie allein mit den Instrumenten des Freistaates angehen zu wollen. Engste Zusammenarbeit aller potenziellen Partner auf europäischer Ebene sei erforderlich. Er appelliert an die Sächsische Staatsregierung, die Erfahrungen, die in der Mikroelektronik bei der Etablierung einer strategisch ausgerichteten Partnerschaft mit Bund und EU-Kommission erarbeitet worden sind, zu nutzen. Das Thema Solarindustrie verdiene angesichts seiner gigantischen globalen Perspektiven und seiner Schlüsselrolle bei der Transformation der weltweiten Energieversorgung das gleiche Engagement.

Für Lippold sind die Synergien zwischen den Halbleitertechnologien in der Mikroelektronik und in der Photovoltaik unübersehbar. Es wäre sträflich, diese für die Zukunftschancen des Standorts Sachsen nicht maximal zu nutzen. Aus den überlebenden Kompetenzzentren und Unternehmen könnten starke, kooperierende Cluster wachsen. Damit ließe sich der Boden bereiten, damit die Innovationssaat aus neuen Solarindustrie-Anschubprogrammen der EU, des Bundes und der Länder in ähnlicher Dimension wie derzeit in der Mikroelektronik auch in einer neuen Generation wettbewerbsfähiger, industrieller Photovoltaikinvestitionen aufgehen und künftig Früchte tragen kann.

Lippold warnt in seinem Papier vor schon eingetretenen Fehlentwicklungen:
"Ohne eine gemeinsame Kraftanstrengung in der Schlüsselbranche Solarindustrie können selbst die innovativsten Hersteller und Installateure von Solarmodulen und -Anlagen hier bei uns künftig nur so wettbewerbsfähig sein wie die beste Solarzelle, die ihnen ein asiatischer Zulieferer zu verkaufen bereit ist. Verlöre Europa die vor allem in Sachsen und Thüringen noch vorhandene industrielle Innovationsfähigkeit auf diesem Gebiet, so wären Abwanderungstendenzen auch beim heute noch in Europa führenden Industrieanlagenbau für die Solarindustrie die Folge. Weitere Dominosteine würden fallen: welcher junge Wissenschaftler würde noch zu Solartechnologie-Innovationen promovieren, wenn es dafür in Europa keinen einzigen Industriejob mehr gäbe? Die Abwärtsspirale in der Forschungslandschaft würde jeder Chance auf einen Neustart schließlich und endgültig den Garaus machen."
Umso wichtiger sei es jetzt, die noch vorhandene Entwicklungskompetenz in den einstweilen nicht mehr abgebildeten Wertschöpfungsstufen – Kristallisation und Waferfertigung – nicht zu verlieren. Eine starke, breit aufgestellte Entwicklungsgesellschaft, die aus fortführbaren Aktivitäten der Solarworld Innovations GmbH hervorgehen muss, habe im Interesse des Freistaates Sachsen zu liegen.

Eine eigenständige Entwicklungsgesellschaft böte nach Meinung des Abgeordneten die Chance, das industriellem Know-How, mit Schutzrechten und neuen Ideen und damit das eigentliche Zukunftspotenzial in Europa, in Sachsen zu sichern. Dazu müsse sie mit starken Partnern gesellschaftsrechtlich aus der Kollateralschadenszone um potenziell immer gefährdeter Produktionsgesellschaften heraus geholt und heraus gehalten werden.
"Wir fordern die Staatsregierung auf, an dieser Stelle nach besten Kräften mitzuwirken, damit in Partnerschaft mit bedeutenden Forschungsgesellschaften und Institutionen ein starker Entwicklungsdienstleiter entstehen kann. Durch Nutzung von Synergien mit den sächsischen Mikroelektronik-Initiativen kann und muss die Fähigkeit entwickelt werden, zur Keimzelle eines wettbewerbsfähigen Neustarts, eines echten „PV 2.0“ Aufbruchs in Europa zu werden. Auch und vor allem hier in Sachsen, dem Land der Ingenieure."
"Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Der Weggang von Schlüsselindustrien und-Kompetenzen nach Asien ist nicht unausweichlich", erklärt Lippold.

» Positionspapier des Landtagsabgeordneten Dr. Gerd Lippold (GRÜNE): 'Die zweite Chance für die Solarindustrie nutzen'

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