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Pressemitteilung | 12.10.18

Hitzesommer 2018: Die Staatsregierung darf die Gesundheitsrisiken nicht länger ignorieren

(2018-274) Welche Konsequenzen zieht die Staatsregierung aus dem Hitzesommer 2018 für den künftigen Gesundheits- und Bevölkerungsschutz in Sachsen? Volkmar Zschocke, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, hatte dazu Kleine Anfragen eingereicht.

"Mit Blick auf die Gesundheitsrisiken durch den Klimawandel bleibt die Staatsregierung weitgehend inaktiv", fasst Zschocke die Antworten von Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) auf seine Anfragen zusammen. "Risikogebiete für gesundheitliche Hitzebelastung werden nicht systematisch erfasst, Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit bei Hitzewellen nicht zentral koordiniert."

"Die Staatsregierung darf die mit dem Klimawandel verbundene Gesundheitsrisiken nicht länger ignorieren. Anhaltende Hitze belastet den menschlichen Organismus von Säuglingen, Kleinkindern, chronisch Kranken und älteren Menschen erheblich. Dazu kommen Gesundheitsrisiken durch UV-Strahlung und erhöhte Luftbelastung. So lag laut Auskunft der Staatsregierung die Ozonbelastung in diesem Sommer an deutlich mehr Tagen als in den Vorjahren über dem Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit."

"Die nächste extreme Hitze kommt bestimmt. Es ist notwendig, jetzt Maßnahmen einzuleiten", erklärt der Abgeordnete. Deshalb hat die GRÜNE-Fraktion ein Aktionsprogramm 'Klimaschutz und Extremwetteranpassung' für Sachsen vorgelegt.

"Darin schlagen wir u.a. ein Landesprogramm 'Grüne Kommunen' vor, mit dem Bäume, begrünte Fassaden und Dächer sowie Parks gefördert werden sollen. Pflanzen und Bäume reinigen die Luft, bieten Schatten und senken die Temperaturen. Mit einem Trinkbrunnenförderprogramm für Kommunen soll die Einrichtung von fest installierten Trinkwasserspendern im öffentlichen Raum vorangebracht werden."

"Es gibt zudem sehr konkrete Handlungsempfehlungen für Hitzeaktionspläne zum Schutz der menschlichen Gesundheit, die auch in Sachsen umgesetzt werden können. So kann es in besonders stark aufgeheizten Innenstadtbereichen helfen, wenn anfälligen Personengruppen zur Hitzeentlastung der Aufenthalt in klimatisierten Räume von Behörden, Bibliotheken, Einkaufspassagen oder Bahnhöfen ermöglicht wird."

"Der Klimawandel muss insgesamt als wichtige Herausforderung für den Gesundheits-, Pflege- und Katastrophenschutzsektor anerkannt werden. Klimaschutz ist Gesundheitsschutz. Das gilt global und zunehmend auch in Sachsen", betont Zschocke.
 
>> Antwort von Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) auf die Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke 'Konsequenzen aus dem Hitzesommer 2018 für den künftigen Gesundheits- und Bevölkerungsschutz in Sachsen' (Drs 6/14474)

>> Antwort von Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) auf die Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke 'Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit im Freistaat Sachsen' (Drs 6/14475)

>> GRÜNES Aktionsprogramm 'Klimaschutz und Extremwetteranpassung' (August 2018) 
 
Hintergrund:
Die GRÜNE-Landtagsfraktion hatte bereits im Jahr 2016 in einem Antrag gefordert, dass Sachsens Staatsregierung die im Jahr 2008 im 'Aktionsplan Energie und Klima' beschlossenen Klimaanpassungsmaßnahmen endlich umsetzten muss. Der Freistaat war nicht in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur gesundheitlichen Anpassung an die Folgen des Klimawandels vertreten, die unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Umwelt bereits damals einen Handlungsleitfaden für Hitzeaktionspläne entwickelt hatte.

>> GRÜNER Antrag 'Gesundheitsfolgen durch den Klimawandel ernst nehmen – im Aktionsplan Klima und Energie angekündigte Maßnahmen endlich umsetzen' (Drs 6/4502) mit Stellungnahme der Staatsregierung
 
Die Stadt Dresden hat aktuelle Zahlen veröffentlicht, wonach die Stadt den heißesten und trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt hat. Das Melderegister, d.h. die kommunale Statistikstelle, hat den Monatsdurchschnitt aus den vergangenen zehn Jahren errechnet. Im August 2018 sind 517 Menschen gestorben. Das sind 112 Todesfälle mehr als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

>> Quelle: Sächsische Zeitung, Lokalteil Dresden, 22.9.2018

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