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Pressemitteilung | 16.05.18

Insekten-Antrag im Umweltausschuss abgelehnt: Dringender Handlungsbedarf wird ignoriert

(2018-126) Im gestrigen Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft wurde der Antrag der GRÜNEN-Fraktion 'Ursachen des Insektensterbens erforschen und bekämpfen' und der Antrag der Fraktion DIE LINKE 'Ursachen des Insektensterbens in Sachsen untersuchen und Gegenmaßnahmen in die Wege leiten' von den Koalitionsabgeordneten der CDU- und der SPD-Fraktion abgelehnt.
Trotz der einhelligen Meinung der Sachverständigen in der öffentlichen Anhörung des Antrags im Umweltausschuss am Freitag, 2. März, dass sofort wirksame Maßnahmen einzuleiten sind, die dem Insektensterben entgegenwirken, bestreitet die Koalition einen über bereits bestehende Naturschutzprogramme hinausgehenden Handlungsbedarf.

"Wie dramatisch müssen die Auswirkungen erst werden, bevor CDU und SPD das Problem anerkennen und handeln?" fragt sich Wolfram Günther, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag. "Die Entwicklungen der Insektenpopulationen zeigen deutlich, dass die vorhandenen Kleinstmaßnahmen nicht ausreichen. Wir brauchen eine grundlegende Trendwende in der Flächennutzung."
Die Sachverständigen warnten in der Anhörung eindringlich davor, die erforderlichen Maßnahmen weiter auf die lange Bank zu schieben, es sei bereits '5 nach 12'.
Auch im Bundesumweltministerium wird man zunehmend aktiv und versucht, dem Insektenschwund um drei Viertel der Biomasse in den vergangenen Jahren mit den aktuellen Handlungen entgegenzuwirken.

"Wir sind dabei, die ersten Arten für immer zu verlieren", warnt der Abgeordnete. "Die Roten Listen sind seit langem eine eindringliche Warnung vor dem Aussterben mancher Arten. Wir müssen sofort und grundlegend handeln. Sachsen darf hier nicht schlafen."

Andere Bundesländer machen vor, was auch in Sachsen auf der Agenda stehen sollte:
Mecklenburg-Vorpommern bereitet die Auflage einer Insektenschutz-Strategie mit dem Titel 'Mehr Respekt vor dem Insekt!' vor. In Baden-Württemberg will die Landesregierung in den kommenden beiden Jahren rund 30 Millionen Euro in den Erhalt der Artenvielfalt investieren und in Nordrhein-Westfalen macht die CDU Insektenschutzprogramme.

"Ich finde die Reaktion von CDU und SPD hier in Sachsen unverantwortlich", kritisiert Wolfram Günther. "Insekten sind als Nahrungsgrundlage für Tiere und als Bestäuber für Pflanzen das Fundament unseres Lebens. Wenn dieses Fundament zerbröckelt, sollte der an der Spitze der Nahrungspyramide stehende Mensch berechtigt unruhig werden."

In der Anhörung zum Insekten-Antrag bestätigten die Sachverständigen mehrheitlich die große Relevanz der Insekten und die Gefahr, in der sie sich befinden. Sie unterstrichen die Dringlichkeit und zeigten Sofortmaßnahmen auf, wie bspw. die Verringerung des Pestizideinsatzes vor allem in Schutzgebieten aber auch auf landwirtschaftlichen Flächen, die Sicherung und Wiederherstellung eines Mosaiks an Lebensräumen in der Landschaft, Hilfsprogramme für vom Aussterben bedrohte Arten, die Wiedereinrichtung verloren gegangener Lebensräume und eine Reduktion der Lichtverschmutzung.

"Mit der Ablehnung der beiden Anträge wurde in Sachsen die Chance verpasst, eine Trendwende einzuleiten", erklärt Abgeordnete.

» Anhörungsprotokoll vom 2. März 2018

» abgelehnter Antrag der GRÜNEN-Fraktion zum Thema Insektensterben 'Ursachen des Insektensterbens erforschen und bekämpfen' (Drs 6/11192)

» abgelehnter Antrag der LINKEN-Fraktion zum Thema Insektensterben 'Ursachen des Insektensterbens in Sachsen untersuchen und Gegenmaßnahmen in die Wege leiten' (Drs 6/11500)

» Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Suche Stichwort Insekten

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