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Pressemitteilung | 07.11.18

Windenergie in Sachsen droht neuer Rückschlag − Im Jahr 2021 stehen von den aktuell 921 Windenergieanlagen 356 vor dem möglichen Aus

(2018-303) Im Jahr 2021 stehen von den aktuell 921 Windenergieanlagen in Sachsen 356 vor dem möglichen Aus − bis zum Jahr 2031 sogar 730. Bereits bis einschließlich 2025 sind zwei Drittel der heutigen Altanlagen betroffen. Das geht aus der Antwort von Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Dr. Gerd Lippold (GRÜNE) hervor. Grund ist der Wegfall der Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für Anlagen, die älter als 20 Jahre sind.

"Auch wenn moderne Windenergieanlagen durchaus am Strommarkt agieren können, sind die deutlich ertragsärmeren Anlagen älterer Generationen beim Auslaufen der garantierten Einspeisevergütung nach 20 Jahren bedroht, weil sie für die Betreiber oft nicht mehr rentabel sind. Es gibt deshalb eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie vom Netz gehen. Damit sind die ohnehin schon niedrigen Energiewende-Ziele des Freistaates nur noch Schall und Rauch", teilt Dr. Gerd Lippold, energiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag mit. Bereits bis einschließlich 2025 sind davon auch 241 Anlagen betroffen, die noch außerhalb heutiger Eignungs- und Vorranggebiete errichtet wurden. Diese sind am Standort nicht ersetzbar."
"Auch im jetzt laufenden Abstimmungsprozess für ein neues Energie-und Klimaprogramm der Staatsregierung wird der drohende Rückbau nicht hinreichend berücksichtigt. Schon heute hinkt Sachsen bei der Windenergie hinterher und steht mit dem viel kleineren Saarland an letzter Stelle der Flächenbundesländer. Letztes Jahr wurden im Freistaat lediglich 16 neue Anlagen errichtet."

"Durch drohenden Wegfall vieler Altanlagen könnte es sogar geschehen, dass der Anteil sauberen Stroms in Sachsen in den nächsten Jahren erst einmal sinkt, statt wie auch von der regierenden Koalition geplant zu wachsen. Martin Duligs Amtszeit als Wirtschaftsminister droht zum energie- und klimapolitischen Desaster für Sachsen zu werden", befürchtet der Abgeordnete. "Denn die nicht gelöste Ausbaublockade wirkt nun bis weit in eine Zeit hinein, in der alte Anlagen vom Netz gehen werden. Der Energiewende in Sachsen droht somit nach der Blockade sogar der Rückwärtsgang."
"Im Zuge des bevorstehenden Kohleausstiegs würde Sachsen, indem die Braunkohle heute noch einen Anteil von etwa 75 Prozent an der Stromerzeugung hat, seine Rolle als wichtiger Energiestandort verlieren. Nur durch einen echten Kurswechsel kann die wegfallende Kohlestromerzeugung wenigsten zum Teil durch den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie kompensiert werden. Dazu fehlt der Koalition in Sachsen aber erkennbar Wille und Konzept."
 
>> Antwort von Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) auf die Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Dr. Gerd Lippold (GRÜNE) 'Weiterbetrieb von Windanlagen nach 2020 in Sachsen' (Drs 6/14797)

Am heutigen Abend befasst sich der Sächsische Landtag mit dem Antrag der GRÜNEN-Fraktion 'Windenergie: Konflikte lösen, Bürger und Kommunen beteiligen, Ausbau voranbringen' (TOP 11).

>> GRÜNER Antrag 'Windenergie: Konflikte lösen, Bürger und Kommunen beteiligen, Ausbau voranbringen' (Drs 6/12470)

>> Länderstatistiken über den Windkraft-Zubau im Jahr 2017 auf der Seite des Bundesverbandes WindEnergie

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