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"GRÜN statt Beton - Flächenfraß in Sachsen stoppen!" in Stollberg

Politik soll Betonflut eindämmen

Stollberg. Jeden Tag werden in Sachsen Böden so groß wie sechs Fußballfelder versiegelt. Angesichts zurückgehender Agrar- und Grünflächen im Freistaat schlagen inzwischen Umweltverbände Alarm. Zudem wurde vor wenigen Wochen eine Petition gestartet. Für die GRÜNEN-Landtagsfraktion um Fraktionschef Wolfram Günther war dies Anlass für einen Diskussionsabend über den Flächenfraß in Sachsen. Rund 20 Interessierte folgten der Einladung in den Stollberger Kulturbahnhof.

Die fortschreitende Flächenversiegelung sei ein politisches Problem, erläuterte Günther in seinem Eingangsstatement. Zwar gebe es auf Bundesebene als auch im Freistaat verschiedene Flächenziele wie die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie und den Landesentwicklungsplan, doch seien diese Flächenverbrauchsziele nie für verbindlich erklärt worden. „Bisher sind all diese Flächenziele nicht das Papier wert gewesen, auf dem sie stehen“, brachte es Günther auf den Punkt. Heiko Reinhold, der über Jahre als Umweltbeauftragter der evangelisch-lutherischen Landeskirche tätig war, nimmt ein wachsendes Problembewusstsein wahr: „Schon vor acht Jahren hat man in der Kohrener Erklärung dargelegt, dass Sachsen ein massives Problem mit dem Flächenfraß durch neue Straßen und Gewerbegebiete hat, obwohl die Einwohnerzahl im Freistaat seit Jahren zurückgeht. Wir haben bei der Betonflut kein Erkenntnisproblem, sondern ein erhebliches Umsetzungsproblem in Sachsen.“ Die Kirche, so Reinhold, hat sich bereits früh mit dem Flächenfraß auseinandergesetzt, da sie auch als Landeigentümer regelmäßig direkt von Neubauprojekten betroffen sei. GRÜNEN-Kreisrätin Ulrike Kahl stellte als Mitglied des Planungsverbandes der Region Chemnitz dar, dass auch im Erzgebirgskreis einzelne Kommunen mit überdimensionierten Bauprojekten versuchen würden, die Leitziele der Landesplanung zu unterlaufen. Wolfram Günther schlug daher ein Flächenzertifikatesystem vor, mit dem wachsende Städte neuen Wohnraum unbürokratisch schaffen und im Gegenzug schrumpfende Kommunen finanziell profitieren könnten, würden diese Flächen entsiegelt. „Entscheidend ist, dass die Politik nicht kopflos die Zersiedelung auf der grünen Wiese fördert, sondern Wachstum und Schrumpfung so ausbalanciert, sodass unsere Natur und Landwirtschaft nicht beeinträchtigt wird.“ Aus dem Publikum wurden umstrittene Bauprojekte in Lugau in Jahnsdorf angesprochen und nachgehakt, wie überdimensionierte Planungen eingedämmt werden könnten. Günther erläuterte, dass die Planungshoheit zwar bei den Kommunen liegt, aber auch die Nachbargemeinden Einfluss auf aktuelle Planvorhaben ausüben könnten, wenn diese die Durchgangsstraßen stärker belasten. „Die Betonflut in Sachsen ist aber ein politisches Problem. Die Förderprogramme in Sachsen heizen das Bauen auf der grünen Wiese an und lassen den Erhalt der Kulturlandschaft hinfällig werden. Mancherorts verfallen alte Straßenzüge, während dahinter ein nagelneues Neubaugebiet auf der grünen Wiese entsteht“, so Günther. Diese Betonflut müsse man gesetzlich eindämmen, damit die Flächenziele verbindlich werden. Wenn Brachen wieder bebaut und Ortskerne so attraktiver würden, könnte man auch die Kaufkraft in den Orten halten, so der GRÜNEN-Fraktionsvorsitzende abschließend.

weiterführende Links:
» Die Petition „GRÜN statt Beton - Flächenfraß in Sachsen stoppen“ wurde von Mitgliedern des BUND initiiert und läuft bis Frühjahr 2019.

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