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Internationaler Frauentag – Fachgespräch und Empfang zum Thema "Frauen in der Wissenschaft"

Am 7. März 2019 lud Dr. Claudia Maicher, hochschulpolitische Sprecherin der GRÜNEN- Landtagsfraktion, anlässlich des internationalen Frauentages, zum Thema „Frauen in der Wissenschaft" in den Sächsischen Landtag ein.

Den Anfang machte ein Fachgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Gleichstellungsarbeit, Hochschullehrenden, Mitgliedern der Hochschulleitungen, der Studierendenvertretung und allgemein Interessierten. Wir hatten drei Referentinnen gebeten, uns Ihre Sicht auf den Stand der Chancengleichheit an Hochschulen darzulegen.

Dipl.-Psych. Anika Ihmels von der TU Dresden brachte zunächst die wissenschaftlichen Fakten auf den Tisch. Auf jeder Karrierestufe nimmt der Frauenanteil nach wie vor drastisch ab. Gründe dafür finden sich – wissenschaftlich bestätigt - in Geschlechtsstereotypen, die noch immer Frauen als nicht passend für männlich dominierte Tätigkeitsfelder, wie die Wissenschaft, erscheinen lassen. Diese Geschlechtsstereotypen führen bei den Beurteilungen von Anträgen, Publikationen und Einstellungen zu erheblichen Verzerrungen und machen es für Frauen schwieriger, in die männlich dominierten Netzwerke aufgenommen zu werden. Eine größere Sensibilität für diese geschlechtsspezifischen Stereotypen und ihre Wirkung wäre aus ihrer Einschätzung Grundlage dafür, dass Maßnahmen wie Quoten auf breitere Akzeptanz stoßen würden und somit der Schlüssel zur Lösung der Ungleichbehandlung.

Nathalie Schmidt, ebenfalls von der TU Dresden, brachte anschließend ihre Erfahrungen als studentische Gleichstellungsbeauftragte ein. Besonders der studentische Status macht es ihr zufolge bisweilen sehr schwer, auf die nötige Akzeptanz zu stoßen. Gründe für die Unterrepräsentanz von Frauen in bestimmten Studiengängen sah sie aber auch bereits in der Schulzeit. Außerdem ging sie darauf ein, wieso es für Frauen sehr abschreckend sein kann, sich auf männlich dominierte Studiengänge einzulassen. Die Unterrepräsentanz kann beispielsweise auch Selbstzweifel in Bezug auf ein ausreichendes Können befördern. Darüber hinaus machte sie anhand der Ergebnisse von Studierendenbefragungen deutlich, dass Studentinnen das Studium als belastender wahrnehmen. Das gilt insbesondere dann, wenn sie gleichzeitig Eltern sind, denn nach wie vor ruht die Hauptlast der Familienbetreuung auf den Frauen. Die verfügbaren Studienmodelle berücksichtigen dies aber nicht ausreichend.

Den hochschulübergreifenden Blick brachte anschließend Diana Hillebrand von der Koordinierungsstelle für Chancengleichheit. Sie erinnerte noch einmal daran, dass der Zugang von Frauen zu deutschen Hochschulen eine recht junge Neuerung ist. Entsprechend ist das System Hochschulen auch heute noch weitgehend auf männliche Biografien ausgerichtet. Allerdings gab sie auch Grund zur Hoffnung: Der Anteil von Frauen in MINT-Studienfächern hat sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren wenigstens verdoppelt. Das dürfe natürlich kein Anlass sein, auf gleichstellungsfördernde Maßnahmen zu verzichten, sondern zeige vielmehr, dass sich solche Maßnahmen lohnen. Dennoch ist der Weg noch weit, wie zum Beispiel der sehr geringe Anteil von Frauen bei den Professuren zeigt.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden müssten, um Gleichstellung im Wissenschaftsbereich voranzubringen. Dabei wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten sehr wichtig und ihre Stärkung wünschenswert sei. Allerdings würde zum Beispiel ein Anspruch auf Freistellung für diese Tätigkeit nichts an der Tatsache ändern, dass Gleichstellungsbeauftragte eben auch sehr oft selbst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind, deren akademische Karriere davon abhängt, dass sie forschen und publizieren.

Die GRÜNE-Landtagsabgeordnete Dr. Claudia Maicher (rechts) und Diana Hillebrand (M.A.) von der Koordinierungstelle zur Förderung der Chancengleichheit an sächsischen Universitäten und Hochschulen (links).
Dipl. Psych. Anika Ihmels (rechts) und Natalie Schmidt, Referat für Gleichstellungspolitik des Studentenrat der TU Dresden (links).

Nach diesem, durchaus auch kontrovers geführten, Austausch war es Zeit für den entspannten Teil des Abends – dem Fraktionsempfang mit den GRÜNEN-Abgeordneten Dr. Claudia Maicher und Katja Meier. Die Poetry-Slam-Künstlerin Kaddi Cutz lieferte einen humorvoll-bissigen Beitrag, passend zum Thema des Abends. Es ging unter anderem darum, welche unterschiedlichen Erwartungen an Frauen und Männer bereits in der frühen Kindheit gestellt werden und sich dann durch das gesamte Leben ziehen.

Für die musikalische Untermalung des Abends sorgte die Sängerin Ines Herrmann. Mit einer prachtvollen Stimme sorgte sie für genau die richtige Atmosphäre, um den Abend bei gutem Essen und tollen Gesprächen ausklingen zu lassen.

Landtagsabgeordnete Dr. Claudia Maicher
Landtagsabgeordnete Katja Meier
Poetry Slam Künstlerin Kaddi Cutz
Sängerin Ines Herrmann

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