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Leserbrief zum Beitrag in der LVZ: „Aigner genehmigt Anbau von Genkartoffel Amflora“, 27. April 2009

Ich beobachte die aktuelle Diskussion um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft mit Fassungslosigkeit. Und dabei sind die Unstimmigkeiten und der Zick-Zack-Kurs der Koalition wohl noch das kleinste Ärgernis.

Begrüßenswert fand ich das Verbot der Aussaat der Maissorte MON 810. Was als Futter- und Lebensmittel genutzt werden soll, kann und darf nicht aufgrund des Argumentes freigegeben werden, eine Beeinträchtigung oder gar Gefährdung für Mensch und Umwelt könne noch nicht nachgewiesen werden.

Meiner Ansicht nach muss die Argumentation genau andersherum verlaufen: Erst die Unbedenklichkeit nachweisen, dann für Forschung und Anbau freigeben. Das aber wird wohl kaum gelingen können.

„Von dieser Freisetzung geht keine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt aus“, stellte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner selbstbewusst und scheinbar sorglos fest. Der einzige Punkt, der in dem einen Fall für, in dem anderen gegen eine Zulassung sprach, war die Frage nach der Nutzung der Pflanzen.

Die Genkartoffel Amflora darf mit der Begründung angebaut werden, dass es sich – anders als bei der Genmaisorte MON 810 – nicht um ein verzehrbares Lebensmittel, sondern um eine für industrielle Zwecke gezüchtete Pflanze handle. Dieses Argument, zumal ethisch fragwürdig, hebt jedoch verbleibende und berechtigte Zweifel keinesfalls auf. Es greift schlichtweg zu kurz. Denn bereits durch die Freisetzung der Genkartoffel, sei es auf geplanten 150 oder wie jetzt beschlossen „nur auf einer verkleinerten Versuchsfläche“ von 20 Hektar, besteht die Gefahr, dass das gentechnisch veränderte Saatgut in den Lebens- und Futtermittelkreislauf gerät. Auch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, wie vom Chemiekonzern BASF angekündigt,  können dies wohl kaum verhindern. Ein überwachter Windschutzzaun um die Versuchsfläche wird angrenzende Flächen nicht zweifelsfrei schützen können.

Zudem wies Renate Künast in einem Interview kürzlich berechtigterweise darauf hin, dass es seit 2001 eine EU-Richtlinie gibt, derzufolge Freilandversuche von Produkten, die Resistenzen gegen Antibiotika enthalten, auslaufen müssen. Warum also nun, im Jahre 2009, die Zulassung für die Genkartoffel Amflora? Mit der Einschätzung, dass die Kritik am Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einseitig dem Druck der Verbraucher geschuldet sei, machen es sich die Befürworter etwas zu einfach.
Wenn BASF in dieser Entscheidung seinen „Beitrag zur Entspannung der derzeit stark emotional geführten Diskussion zur grünen Gentechnik“ sieht, so hätte ich auf diesen Beitrag gerne verzichtet.

Mehr Informationen:
» Häufig gestellte Fragen zum Verbot von MON810-Mais in Deutschland

Leserbrief zum Beitrag in der Sächsischen Zeitung: "Es geht nicht ohne gentechnisch veränderte Saat", 16. April 2009

Professor von Witzkes Argumente für die Agro-Gentechnik erinnern an das Märchen vom Schlaraffenland. Er verspricht zwar keine Puddingberge und gebratene Hühner, wohl aber das Ende des Hungers in der Welt. Angesichts der 100.000 Menschen (Vereinte Nationen), die weltweit täglich an Unterernährung sterben, wäre dies schön. Mit genetisch veränderten Organismen wird dieses Ziel jedoch nicht erreicht.

Landwirte, denen dieses Heilsversprechen zu abstrakt ist, werden mit angeblichen Vorteilen der Genpflanzen geködert. Weniger Pflanzenschutzmittel und höhere Erträge werden versprochen, ebenso Toleranzen gegenüber Trockenheit, Kälte oder Hitze.
Nicht zuletzt neue Arbeitsplätze soll die Agro-Gentechnik in Deutschland bringen. Mit diesem Versprechen hat von Witzke in den Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten sicher Erfolg. Der Wahrheit entspricht dies jedoch leider nicht.

Neben dem Imageschaden und dem drohenden Verlust von Handelspartnern wächst die wirtschaftliche Abhängigkeit der Bauern von wenigen, weltweit agierenden Großkonzernen.
Das Saatgut ist teuer. Weitere Zusatzkosten entstehen, da es Saatgut und „passendes“ Herbizid meist nur im Paket gibt. Der freie Wettbewerb ist gefährdet, denn nur fünf Unternehmen besitzen 90 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen und kontrollieren den Markt.
Nicht zu vergessen der Wertverlust von kontaminierten Anbauflächen, die Kosten für Versicherung, Analysen und Kontrollen.

Nicht besser sieht es mit den arbeitsmarktpolitischen Effekten der Agro-Gentechnik aus. Die Bundesregierung gab bekannt, dass sich 2007 lediglich 19 kleine und mittlere Unternehmen mit der Zucht gentechnisch veränderten Pflanzen beschäftigten. 19 weitere wendeten biotechnologische Verfahren an. Gleichzeitig heißt es, dass diese Unternehmen „vom Trend zur Globalisierung und Unternehmenskonzentration betroffen“ seien. Auch hier werden künftig nur Großkonzerne profitieren.

Die Verbraucher hingegen profitieren nicht von genmanipulierten Nahrungsmitteln. Ganz im Gegenteil: Zu offensichtlich sind die Risiken und Gefahren des Anbaus transgener Pflanzen im Freiland. Die Sicherheit der Produkte kann nicht garantiert werden. Es gibt gegenwärtig keine ausreichenden wissenschaftlichen Methoden, um die Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln zuverlässig zu testen.  Mit der Größe und der Anzahl der Anbauflächen wächst der Unmut der Verbraucher. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Greenpeace sind über 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. Die ablehnende Haltung resultiert nicht, wie oft fälschlich behauptet wird, aus einer allgemeinen Technikfeindlichkeit, diffusen Ängsten oder aus mangelndem Wissen über die Gentechnik. Vielmehr ist nach mehreren Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahre das Risikobewusstsein in der Gesellschaft geschärft worden. Negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit können nicht widerlegt werden. Vermehrt auftretende Allergien durch neue Fremdproteine und Resistenzen gegen Antibiotika sind auch Folge der Verarbeitung genetisch veränderter Pflanzen in Lebensmitteln.

Wie kann also Herr Professor von Witzke allen Ernstes die Agro-Gentechnik als Allheilmittel propagieren, wo doch weder Landwirtschaft noch Verbraucher wirklich von ihr profitieren können? Auch seine zur Schau gestellte Sorge um die Versorgung der Entwicklungsländer kann ich nicht ernst nehmen. Im Weltagrarbericht (IAASTD) der UNESCO wird deutlich, dass die Priorität auf dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und einer Ressourcen schonenden Ökologisierung der Landwirtschaft liegen muss und nicht auf der von der Agroindustrie vorangetriebenen Visionen einer chemischen und gentechnischen Intensivierung, auf deren Risiken der Bericht deutlich hinweist. Der Rat warnt aber auch vor den Gefahren der Biotechnologie - etwa in Form genmanipulierter Pflanzen - für die Entwicklungsländer. Dadurch würden lokale Anbaupraktiken, die die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung und die Wirtschaft sicherten, unterwandert. Durch Patente der Konzerne stiegen zudem die Kosten, was Bauern vor Ort in den Ruin treiben würde.

Mein Fazit: Wäre ich nicht fest davon überzeugt, dass Wissenschaft und Lehre unabhängig ist, würde ich vermuten, Professor von Witzke verträte einseitig die Interessen der Agroindustrie.

» In Verbindung stehende Nachrichten:
PM 2009-091: GRÜNE fordern nach dem Anbauverbot für Genmais Umdenken bei Staatsregierung

Offener Brief an Agrarminister Kupfer

Leipzig, 28.04.2009

Sehr geehrter Herr Agrarminister Kupfer,

ich wende mich an Sie, unsicher, ob mein Schreiben Sie überhaupt persönlich erreicht. Ich will es dennoch nicht unversucht lassen. Ich nehme Bezug auf Ihre Aussagen in der Sächsischen Zeitung unter der Überschrift "An grüner Gentechnik führt kein Weg vorbei".

Ich persönlich lehne Genforschung nicht allgemein ab. Ich bin der Ansicht, dass die streng kontrollierte Rote Gentechnik in geschützten Laboren zur Gewinnung sinnvoller Medikamente segenbringend für die Menschen sein kann. Jedoch bin ich der Überzeugung, dass gentechnisch veränderte Organismen nicht ohne weiteres in die Nahrungskette des Menschen geraten dürfen.

Diese Gefahr sehe ich bei der derzeitigen agrarpolitischen Entwicklung in Sachsen, Deutschland und der Welt.

In Ihrer Funktion als Agrarminister haben Sie sich sicherlich eingehend mit der Thematik auseinandergesetzt. Dabei ist Ihnen nicht entgangen, dass die Mehrzahl der Verbraucher weder direkt noch indirekt gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere konsumieren möchte.

Sie sprechen von Angst und Hysterie. Ich halte Ihren Vergleich von Gentechnik und Eisenbahn für fragwürdig. Ich kann keine Analogie erkennen. Eine Eisenbahn kreuzt nicht unkontrolliert in andere Verkehrsmittel ein und fährt ungefragt über Grenzen hinweg in Orte und Länder, in denen sie nicht erwünscht ist. Eine Eisenbahn kann man steuern und anhalten, in einen Lokschuppen fahren, demontieren, verschrotten. Gentechnisch veränderte Organismen lassen sich, einmal in der Natur freigesetzt, nicht mehr kontrollieren, geschweige denn zurückholen.

Nach meinem Dafürhalten handelt es sich nicht allein um das Äußern von Ängsten und Bedenken, sondern um fundierte Erkenntnisse anerkannter Wissenschaftler. Ich nehme an, dass Ihnen die kritischen Aussagen von Prof. Dr. Martin Heisenberg, Dr. Cesare Gessler, Prof. Gilles-Eric Seralini, Prof. Manuela Malatesta und vielen anderen zum Thema Grüne Gentechnik bekannt sind. Einen entsprechenden Reader sende ich Ihnen gerne zu.

Im Augenblick geht es vordergründig um den gentechnisch veränderten Mais MON810. Sie wissen in welcher Situation sich die amerikanische Landwirtschaft befindet und welch gewichtige Rolle das Unternehmen Monsanto dabei spielt. Ökologischer Landbau ist dort so gut wie nicht mehr möglich.

Selbst um den konventionellen gentechnikfreien Landbau ist es nicht gut bestellt. Sie können nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, diesen Zuständen in unserem Land politisch den Boden zu bereiten.

Ihnen kann nicht entgangen sein, welches Gebaren Monsanto in der Vergangenheit an den Tag gelegt hat. Um die kritische Seite des Diskurses besser verstehen zu können, habe ich dieses Buch gelesen.

ROBIN, M.-M.: Mit Gift und Genen. Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert. DVA, 2009 (ISBN: 978-3-421-04392-4)

Wie beurteilen Sie dieses Buch? Wie ist Ihre Meinung zu Monsanto?

Ihrer Internetseite entnehme ich, dass Sie evangelischer Christ sind. 

Das bin ich auch. Wie sind Ihre Ansichten bezüglich Grüner Gentechnik mit Ihrem Glauben vereinbar? 

Ihre Partei heißt Christlich Demokratische Union. Wie deckt sich Gentechnik in der Landwirtschaft und die Vorgehensweise des Unternehmens Monsanto mit den christlich-ethischen Werten, die Ihre Partei als Grundsätze hat?

Es entzieht sich ebenso meiner Vorstellungskraft, dass Sie es als gewählter Vertreter des Volkes billigend in Kauf nehmen, dass im Namen der Forschung, gegen den Willen der Mehrheit der Verbraucher, zu Gunsten einzelner Konzerne entschieden werden soll. 

Das alles kann nicht Weg und Ziel einer christlich-ethisch motivierten Forschung sein.

Sie argumentieren in besagtem SZ-Artikel, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch Grüne Gentechnik verringert wird. Die Mehrzahl der gentechnisch veränderten Nutzpflanzen sind durch Herbizid- bzw. Pestizidresistenzen gekennzeichnet oder entwickeln selbst Bt-Toxin. Leider scheinen die Versprechen deshalb weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen auf Dauer nicht haltbar zu sein. Eine 2005 veröffentlichte Studie von Dr. Charles Benbrook, Agrarwissenschaftler und Leitender Direktor des Landwirtschaftsausschusses der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA, belegt, dass bei gentechnisch veränderten Soja-Pflanzen in der Anbausaison 2003/2004 bis zu 58 Prozent mehr des karzinogenen Totalherbizids Glyphosat pro Hektar ausgebracht werden mussten als im ersten Anbaujahr 1996/1997. Auch in den USA ist die Einsatzmenge an Pflanzenschutzmitteln gestiegen, wie die Daten der US- Landwirtschaftsbehörde USDA belegen.

Anfängliche Nutzen haben sich nachweislich ins Gegenteil gekehrt.

Die Natur wird sich immer wieder anpassen, das haben 500 Millionen Jahre Evolution gezeigt. Wir werden durch die gentechnisch geschaffenen Resistenzen Superunkräuter heranzüchten, die nur mit mehr Spritzmitteln handhabbar sein werden. Das wird sich langfristig in Böden und Lebensmitteln niederschlagen. Wie beurteilen Sie diese Gefahren?

Eine der maßgeblich herangezogenen Studien zu MON810 ist eine Fütterungsstudie der TU Weihenstephan ist. Eine Studie, die hauptsächlich durch die Milchwirtschaft finanziert wurde. Diese Untersuchung gerät nun in die Kritik, seit bekannt wurde, dass 36 der

54 Versuchskühe während des laufenden Versuchs ausgetauscht wurden und dass der verfütterte Mais zum Teil unter Druck erhitzt wurde.

Die Grüne Gentechnik wird sehr gern als Zukunftstechnologie bezeichnet. Ich möchte die Frage stellen, in welche Zukunft uns diese Technologie führen wird. Ethische und moralische Werte sowie der Erhalt der Natur sollten, nach meinem Dafürhalten, immer über wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aspekten stehen. Auf diesen Wertvorstellungen begründet sich die Bundesrepublik seit 1949.

Die Forschungslage bezüglich MON810 halte ich leider immer noch für ungenügend. Fest steht allerdings, dass gentechnisch veränderter Mais gentechnikfreie Nachbarfelder kontaminieren kann.

Sie als Agrarminister wissen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen, die einmal in unser Ökosystem eingeschleust sind, nicht mehr rückholbar sind. Das allein sollte Grund genug sein, die Gentechnik aus der freien Natur zu verbannen.

In o.g. Artikel benennen Sie Feldabstände von 150 bzw. 300 Metern. 

Untersuchungen belegen, dass Maispollen durch Insekten und Wind deutlich weitere Strecken zurücklegen können. Unter günstigen Bedingungen werden Maispollen mehrere Kilometer weit getragen. Zudem sind sie 24 Stunden lang fruchtbar. Bienen haben einen Flugradius von bis zu sechs Kilometern. 

Eine Maispflanze produziert zirka 50 Millionen Pollenkörner. Es ist anzunehmen, dass starke Winde die Verdrift begünstigen. Auch in höheren Luftschichten kann befruchtungsfähiger Maispollen nachgewiesen werden. Mais ist bekanntlich sehr empfänglich für Einkreuzungen. Die Fremdbefruchtungsraten liegen zwischen 85 und 99 Prozent. Landwirte halten zwischen Zuckermais und Futtermais Abstände von einem Kilometer ein. Ich halte die Koexistenz für risikoreich und den Abstand von 300 Metern, selbst mit Mantelsaat, für zu gering. Wie stellen Sie sich konkret einen wirksamen Schutz vor Kontamination vor?

Die Bemessungsgrenze für gentechnikfreie Landwirtschaft liegt bei 0,9 Prozent. Auf einem Quadratmeter werden ungefähr 400 Weizensamen ausgesät. Das würde bedeuten, dass auf einem Quadratmeter Ackerland vier gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen dürfen, ohne dass es kennzeichnungspflichtig wird. Beim Mais werden ungefähr 10 Samen pro Quadratmeter verdrillt, das heißt auf zehn Quadratmetern steht eine Bt-Mais Pflanze, die wiederum 50 Millionen Pollenkörner entwickelt. Was damit vorprogrammiert ist, liegt auf der Hand. Halten Sie das für in Ordnung?Möchten Sie die Verantwortung mit tragen an unwiderruflichen Veränderungen der Natur, die unkontrollierbar sind und unabsehbare Risiken bergen?

Ich möchte auch in Zukunft frei entscheiden können, wie ich lebe und wovon ich mich ernähre. Ich wünsche mir weiterhin die Freiheit meiner Person und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Ich sehe durch den vermehrten Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft Artikel 2 des Grundgesetzes bedroht. Wie beurteilen Sie das?

Ich möchte mir erlauben, an Ihr ethisches Empfinden, an Ihre Moral, an die christlichen Werte Ihrer Partei, an Ihren wissenschaftlichen Sachverstand, an Ihren Glauben und an Ihre Verpflichtung, für das Wohl unseres Volkes einzustehen, zu appellieren und Sie bitten, sich noch einmal unter diesen Gesichtspunkten diesem sensiblen Thema anzunähern und umzudenken. Ich bitte Sie, sich politisch dafür zu engagieren, klare Kennzeichnungen der Produkte durchzusetzen, so dass der Verbraucher leichter entscheiden kann, wofür und wem er sein Geld gibt. Ich möchte Sie herzlich bitten, sich für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen stark zu machen.

Ich selber habe, seit ich wahlberechtigt bin, immer Ihre Partei gewählt, in der Annahme, dass meine Wertvorstellungen in der CDU am ehesten repräsentiert werden. Ich hoffe, dass es wieder so werden wird.

Eine abschließende Frage habe ich noch: Wieso wird, obwohl keine Zulassung vorliegt, in der Gemeinde Zabeltitz auf fast 3000 Quadratmetern ein herbizidresistenter GV-Mais der Firma Pioneer angebaut werden? Was geschieht mit dem Ertrag? Wird er, auch wenn keine EU-Zulassung besteht, in die Nahrungskette gelangen?

In der Hoffnung auf eine baldige Antwort auf meine Fragen verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

 

Christoph Walther

» Leserbrief zum Beitrag in der Sächsischen Zeitung: "Es geht nicht ohne gentechnisch veränderte Saat", 16. April 2009

Mehr Informationen:
» Häufig gestellte Fragen zum Verbot von MON810-Mais in Deutschland

Ist damit jeder Anbau von MON810 in Deutschland verboten - also sowohl kommerzieller Anbau, Sortenprüfungen durch das Bundessortenamt und Freisetzungsexperimente?

Das ist nicht klar. Der Erlass, den das BVL an Monsanto schicken muss, ist nicht bekannt. Laut ihrer Pressemitteilung hat sie die „Schutzklausel nach Paragraf 20 Absatz 3 Gentechnikgesetz und Artikel 23 der Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG verhängt".

Nur leider gibt es im Gentechnikgesetz keinen § 20 Absatz 3 - schon hier zeigt sich übrigens, dass die Experten in Aigners Ministerium „geschlampt" haben. § 20 Absatz 2 würde ein Ruhen der Inverkehrbringensgenehmigung bedeuten - d.h. zunächst einmal nur, dass Monsanto sein Saatgut nicht mehr verkaufen darf (was Monsanto zu diesem Zeitpunkt wenig stören dürfte, denn für die Anbausaison 2009 hat Monsanto sein Saatgut ja bereits verkauft und der Verkauf für die Anbausaison 2010 beginnt erst wieder im Herbst). Das würde auch ein nationales Einfuhrverbot von Mon810 bedeuten.

Unklar ist, ob sich das Anbauverbot auch auf Sortenprüfungen mit MON810 durch das Bundessortenamt bezieht. Die Probleme, die z.B. der Imker Bablok in Bayern hatte, waren durch Wertprüfungen durch das Bundessortenamt mit MON810 verursacht worden. Von daher müsste Aigner das Bundessortenamt anweisen, keine Sortenprüfungen mehr mit MON810 durchzuführen. Zumal es aus grüner Sicht sowieso unverständlich ist, warum noch Sortenprüfungen mit MON810 stattfinden müssen, da Aigners Vorgänger Seehofer den MON810 ja bereits als Saatgut zugelassen hat.

Freisetzungsexperimente mit MON810 dürfen nach meiner Einschätzung höchstwahrscheinlich weiter durchgeführt werden. Freisetzungsexperimente können zwar nicht grundsätzlich untersagt werden - aber es muss aus grüner Sicht sichergestellt sein, dass Mensch und Umwelt entsprechend dem Vorsorgeprinzip nicht gefährdet werden, d.h. es muss zum Beispiel durch Sicherheitsauflagen gewährleistet sein, dass bei Genmais-Experimenten nicht Pollen in Honig oder sich ausbreiten kann (z.B. in Naturschutzgebiete). Und: Freisetzungsexperimente sollten der Risiko- und Sicherheitsforschung dienen.

Ist der Anbau von MON810 in diesem Jahr wirklich gestoppt?

Auch das ist unklar. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Braunschweig aus dem Jahre 2007 hat der Bund keine weiteren Verbotskompetenzen (z.B. Anbau verbieten), wenn das Saatgut verkauft ist - was es ja für 2009 bereits ist.

Für einen tatsächlichen Anbaustopp ist Aigner also auf die einzelnen Bundesländer angewiesen. Bayern wird sicherlich freudig die MON810-Aussaat stoppen - aber wie sieht es in Sachsen oder Sachsen-Anhalt aus? Zumal die Länder derzeit noch gar nicht handeln können, denn selbst wenn die zuständigen Behörden handeln wollen - sie kennen - genau wie Monsanto oder alle anderen Interessierten - den konkreten Erlass von Aigner bzw. vom BVL noch nicht.

(Sabine Riewenherm, Referentin für Biotechnologie und Bioethik)

Welche neuen Risiken werden von Aigner für die Begründung des MON810-Verbots angeführt?

Ein Teil der nun von Aigner für ihr MON810-Verbot angeführten Risikostudien sind schon lange bekannt - unter anderem haben BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN diese Studien schon 2006 in einem Gutachten zusammentragen lassen und auf dieser Basis in einem Antrag ein Anbaustopp für MON810 gefordert.

Einige Risikostudien liegen jedoch auch erst seit kurzem vor - wie zum Beispiel eine Studie aus der Schweiz, bei der eine erhöhte Sterblichkeit bei Wasserflöhen und Zweipunkt-Marienkäfern durch Gentech-Mais nachgewiesen wurde. Diese Studie wurde auch von Luxemburg als Begründung angeführt für sein nationales Einfuhrverbot.

(Sabine Riewenherm, Referentin für Biotechnologie und Bioethik)

Warum hat die rot-grüne Bundesregierung nicht schon ein Anbauverbot zu MON810 wie Aigner jetzt erlassen?

Unter Rot-Grün war ein Anbauverbot von MON810 in Deutschland nicht nötig, weil der Mais nicht als Sorte zugelassen war. Das hat Renate Künast verhindert. Mit einer gewissen Häme wird aber immer wieder darauf verwiesen, dass unter rot-grün Sortenprüfungen mit MON810 oder anderen Gentech-Pflanzen stattfanden.

Das stimmt. MON810 erhielt bereits 1997/1998 von der EU-Kommission die gentechnikrechtliche Zulassung, also vor über zehn Jahren. Wenn diese gentechnikrechtliche Genehmigung der EU-Kommission vorliegt, können Agro-Gentechnik-Firmen wie zum Beispiel Monsanto oder Pioneer die Zulassung von Sorten aus diesen Linien beim Bundessortenamt veranlassen, das dann daraufhin verpflichtet ist, die Zulassung der Sorten zu prüfen. Die endgültige Zulassung der Sorten aus MON810 wurde dann aber von Renate Künast gestoppt - gegen den erbitterten Widerstand von Monsanto und von unserem damaligen Koalitionspartner SPD.

(Sabine Riewenherm, Referentin für Biotechnologie und Bioethik)

Wird die EU-Kommission das Verbot von MON810 in Deutschland akzeptieren?

Voraussichtlich nicht. Aber Deutschland befindet sich in guter Gesellschaft auf EU-Ebene. Die Schutzklausel haben bereits andere EU-Länder-Frankreich, Österreich, Ungarn, Griechenland und Luxemburg - für ein MON810-Verbot herangezogen. Mit ihr können Mitgliedsstaaten aufgrund neuer oder zusätzlicher Informationen, die sie seit dem Tag der Zulassung einer Gentech-Pflanze auf EU-Ebene erhalten haben, auf nationaler Ebene Gentech-Pflanzen verbieten, selbst wenn diese eine EU-rechtliche Zulassung haben. Die EU-Kommission versucht zwar regelmäßig, die nationalen Einfuhrverbote zu kippen, scheitert aber immer wieder im EU-Ministerrat.

Was ist von dem „Runden Tisch zur Agro-Gentechnik" zu halten, den Forschungsministerin Annette Schavan angekündigt hat?

Der Umwelt, den Verbrauchern, Landwirten und Imkern nützt es nichts, wenn bei dem von Schavan angekündigten "Runden Tisch" ausgewählten Wissenschaftler, Behörden- und Industrievertreter sitzen, die regelmäßig sagen, dass "alles sicher" sei und die Gentechnik vorantreiben wollen.

Es darf m.E. zu Recht vermutet werden, dass es sich um einen neuen „Filz-Tisch" handelt, um die Agro-Gentechnik zu befördern. Den Filz zwischen den Gentechnikexpertinnen der Regierung und der Agrogentechniklobby macht ein Gutachten von Christoph Then und Antje Lorch deutlich, das die grüne Gentechnikexpertin Ulrike Höfken in Auftrag gegeben hat.

Fakt ist: Risikostudien wurden in den letzten Jahren von Aigners nachgeordneten Behörden und der Union - auch dem Forschungsministerium - regelmäßig ignoriert oder als „unseriös"bezeichnet. Wenn so ein „Runder Tisch" unbedingt eingerichtet werden soll, müssten wenigstens kritische Wissenschaftler wie z.B. von den Concerned Scientists, Vertreter des
Umweltministeriums und der nachgeordneten Behörden sowie Experten von
Umweltverbänden sowie gentechnikfreien Land- und Lebensmittelwirtschaft einbezogen werden.

(Sabine Riewenherm, Referentin für Biotechnologie und Bioethik)

Wissenschaftler behaupten, dass das MON810-Verbot ein Rückschlag für die Pflanzenforschung sei. Stimmt das?

Nein, das ist - salopp formuliert - blanker Unsinn. Die Agro-Gentechnik wurde schon immer völlig überschätzt. Im Gegenteil: Die einseitige Konzentration einiger Wissenschaftler auf die Agro-Gentechnik ist schädlich für die Forschung. Denn sie verhindert, dass Gelder in wichtige andere Forschungsbereiche - z.B. in den ökologischen Landbau - fließen.

Gentechnisch veränderte Pflanzen sind ein Auslaufmodell. Generell geht der Trend in der modernen Pflanzenforschung nicht in die Richtung der Agro-Gentechnik, sondern in eine moderne Form der klassischen Züchtung, das so genannte "Smart Breeding". Dabei wird das genetische Wissen genutzt - zum Beispiel über die genetische Variabilität von Maispflanzen. Ziel dieses neuen Ansatzes ist aber nicht die gentechnische Veränderung der Pflanzen. Aber auch hier gibt es natürlich ein großes Risiko: die Patentierung von biologischen Verfahren. Biopatente auf biologische Verfahren, wie sie derzeit zum Beispiel von Konzernen wie Monsanto vorangetrieben werden, sind hier genauso ein Problem wie bei gentechnisch veränderten Pflanzen und aus grüner Sicht klar abzulehnen.

(Sabine Riewenherm, Referentin für Biotechnologie und Bioethik)

Werden durch ein MON810-Verbot Arbeitsplätze vernichtet, wie einige CDU-Politiker behaupten?

Das ist ein uraltes Argument aus der Mottenkiste. Mit Agro-Gentechnik werden kaum Arbeitsplätze geschaffen, sondern eher vernichtet oder zumindest gefährdet. Zum Beispiel durch die Gefährdung der gentechnikfreien Produktion. Speziell bei der Agro-Gentechnik handelt es sich auf dem Weltmarkt um ein recht kleines ökonomisches Segment – zum Beispiel im Vergleich zum Pharmamarkt.

Die Beschäftigungseffekte werden in diesem Bereich - auch von Experten, die durchaus nicht als Gentechnik-Kritiker gelten - als gering eingeschätzt. So hat z.B. schon 2005 ein Vertreter der Deutschen Bank ausgeführt, dass gerade die Agro-Gentechnik - wegen ihrer Fokussierung auf wenige Großunternehmen -„kaum als Jobmotor dienen kann". Die Übernahme von Aventis Crop Science durch den Bayer-Konzern war mit dem Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen verbunden. Bei den paar wirtschaftlichen Studien, die es zu Arbeitsplätzen in diesem Bereich gibt, wird oft nicht zwischen Agro-Gentechnik und anderen Bereichen der Biotechnologie (Pharmamarkt) unterschieden - weil es auch keine schönen Zahlen gibt, die sich explizit auf die Agro-Gentechnik zurückführen lassen. Dazu kommt noch, dass in der Regel bei den schönen Wirtschaftsstudien der Biotechnologie-Lobbyverbände die negativen Effekte nicht berücksichtigt werden, also wie viele Arbeitsplätze durch den Einsatz der Biotechnik/Gentechnik gestrichen werden (Biotechnologie ist bekanntermaßen eine Rationalisierungsmaßnahme) oder zum Beispiel durch Fusionen der Konzerne etc. gestrichen werden.

(Sabine Riewenherm, Referentin für Biotechnologie und Bioethik)

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Ökologische Landwirtschaft in Sachsen (PDF)

(Faltblatt, 3. Auflage,
Stand: April 2009)

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