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Bildung | 19.08.14

GRÜNES Konzept gegen Lehrermangel - Antje Hermenau im Interview

Antje Hermenau im Gespräch.

Antje Hermenau, Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, beantwortet Fragen zum GRÜNEN Konzept gegen Lehrermangel

1. Sachsen belegt beim Bildungsmonitor 2014 wie im Vorjahr den 1. Platz. Also alles in Butter an Sachsens Schulen?

Es scheint zunächst erfreulich, dass Sachsen zum wiederholten Mal seine Spitzenposition beim Bildungsmonitor behaupten konnte. Bei näherer Betrachtung wird aber deutlich, dass dies in vielerlei Hinsicht kein Anlass sein kann, sich zufrieden zurückzulehnen.
Der Bildungsmonitor wird im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln publiziert. Er zeigt lediglich, welchen Beitrag das Bildungssystem eines Bundeslandes zum Wachstum der Wirtschaft leistet. Es ist tollkühn, wenn Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) aufgrund dieser Studie voller Fehlstellen verkündet, Sachsen hätte das beste Bildungssystem in Deutschland.

2. Wo genau liegen denn die Schwachstellen von Sachsens Bildungssystem?

Lehrermangel, Unterrichtsausfall, Fremdsprachenlotterie – die Probleme in den Schulen sind offenkundig aber weitgehend hausgemacht. Bis 2020 werden die Schülerzahlen in Sachsen weiter steigen, aber ein Drittel der Lehrer in Rente gehen. Statt ein fundiertes Personalkonzept zu haben, fährt der Freistaat auf Sicht. Das muss anders werden.
Die Staatsregierung - nicht nur die amtierende - hat es über Jahre versäumt, die Lehrerausbildung in Umfang und Qualität zukunftsfest zu gestalten. Solche Systemfehler sind nicht kurzfristig zu beheben.

3. Was planen denn die GRÜNEN, um hier Abhilfe zu schaffen?

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen haben im Frühjahr ein Lehrerbildungsgesetz in den Sächsischen Landtag eingebracht, um langfristig nachzusteuern und die Qualität der Lehrerausbildung zu sichern.

Denn: Will Sachsen Spitzenplätze in Umfragen halten, brauchen die sächsischen Schulen bis 2020 10.000 neue Lehrerinnen und Lehrer mit guter fachlicher Qualifikation, anstatt immer mehr Assistenz- und Aushilfskräfte. Gerade die hohe fachliche Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer galt lange als Schlüssel für die bisherigen Erfolge. Die Unterscheidung nach Schularten wird aus unserer Sicht jedoch weder dem aktuellen Bedarf gerecht noch ist es sinnvoll. Die Einstellungsverfahren und Arbeitsbedingungen sind für junge Lehrer in Sachsen bisher nicht unbedingt attraktiv. Einstellungsverfahren und Fristen müssen transparent und verlässlich sein und ein Arbeitstisch in der Schule kann nicht zu viel verlangt sein. Der an den Hochschulen vorhandene Lehrernachwuchs wird die entstandenen Lücken alleine jedoch nicht schließen können: Deswegen brauchen wir ein funktionierendes Seiteneinstiegsprogramm.

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» GRÜNES Gesetz zur Reform der Lehrerausbildung im Freistaat Sachsen (Drs. 5/14417)

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