Kindertagespflege - Bildung braucht Vertrauen
Vom 1. August 2013 an muss für jedes Kind ab einem Jahr ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen – so steht es im so genannten Tagesausbaubetreuungsgesetzt des Bundes.
Das dies nur durch Ausbau von Kita und Kindertagespflege zu schaffen sein wird, ist vielen Beteiligten klar. Das aber gerade in der Kindertagespflege vielfach Unterstützungsleistungen fehlen, wird selten ausgesprochen.
Der Bereich der Kindertagespflege in Sachsen ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen. Fast 4000 Kinder werden hier mittlerweile von engagierten Tagesmüttern und Tagesvätern betreut. Dabei sind die Bedingungen unter denen sie arbeiten vielfach schwierig.
Damit Tagesmütter und Tagesväter ihre Arbeit weiterhin mit viel Motivation und Kompetenz leisten können, brauchen sie Unterstützung. Wir fordern eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Tagesmütter und Tagesväter. Kindertagespflege darf nicht zum Billigangebot der Kommunen werden. Kindertagespflege ist ein Lernort für Kinder, bei dem familiennahe Betreuung zu einem attraktiven Angebot frühkindlicher Bildung gestaltet wird. Mit dem Positionspapier "Bildung braucht Vertrauen" möchte die GRÜNE-Fraktion die Kindertagespflege in die Debatte um frühkindliche Bildungsorte einbeziehen.
weitere Informationen:
- Hintergrundpapier der Fraktion GRÜNE "Qualität in der Kindertagespflege ist der Schlüssel für frühkindliche Bildung", Stand: Dezember 2008
KITA 2020 - Hochschulausbildung für Erzieherinnen und Erzieher
Sachsen droht sich unter Sozialministerin Orosz vom selbsternannten Vorreiter höherer Bildungsqualität in KITAs zu einem Nachzügler zu entwickeln. Mit dem Konzept „KITA 2020“ will die GRÜNE-Fraktion die Diskussion um die Qualität von Kindertagesstätten und die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern vorantreiben.
Dass die frühen Jahre eines Kindes entscheidende Weichen für das spätere Leben stellen, hat sich mittlerweile bis zur Staatsregierung herumgesprochen. In der Lebensspanne zwischen Kreißsaal und Zuckertüte entwickeln sich emotionale und soziale Fähigkeiten, werden Neugier und Lernbereitschaft ausgebildet – für viele Kinder ist die KITA die einzige Chance, diese prägenden Bildungserlebnissen zu kommen.
Die frühkindliche Bildung fehlt in keiner Sonntagsrede mehr: KITAs sollen bilden, statt lediglich zu betreuen und auch die Ausbildung muss den veränderten Anforderungen angepasst werden. Rhetorisch immer vorneweg ist die zuständige sächsische Sozialministerin Helma Orosz (CDU). Im Frühjahr 2005 verkündete sie, dass Sachsen zum Vorreiter bei der Akademisierung der ErzieherInnenbildung werden müsse.
Die Realität im Herbst 2007: ein einziger berufsbegleitender Studiengang mit jährlich 25 Studierenden für Elementar- und Hortpädagogik. Zum Vergleich: im gesamten Bundesgebiet existieren mittlerweile 28 Studiengänge, die vorwiegend ein Erststudium anbieten – mit steigender Tendenz. Diese Beispiele verbaler Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre von Frau Orosz lassen sich beim Bildungsplan für Kindertagesstätten fortsetzen. Zwar stehen auf über 100 Seiten viele richtige Dinge zur frühkindlichen Bildung – um deren tatsächliche Umsetzung kümmert sich die Ministerin jedoch nicht. Der Bildungsplan ist weder verbindlicher Bestandteil der Fortbildung, noch gibt es zeitliche und personelle Ressourcen in den KITAs, sich ernsthaft mit dem Bildungsplan zu beschäftigen.
Das Stückwerk von Sozialministerin Orosz in der Kita-Politik zeigt, dass ihr eine Konzeption für zukunftsfähige KITAs fehlt. Die GRÜNE-Fraktion legte im Oktober ihr Konzept „KITA 2020“ vor, dessen Dreh- und Angelpunkt die Professionalität der frühkindlichen Bildung und Erziehung ist.
weitere Informationen:
- Konzept der GRÜNEN-Fraktion "KITA 2020", Stand: November 2007
- Eckpunkte zum Konzept der GRÜNEN-Fraktion "KITA 2020"
Kita der Zukunft
Unsere Kita der Zukunft muss allen Kindern offen stehen.
Je jünger Kinder sind, um so mehr können sie lernen. In jungen Jahren werden die Wurzeln gelegt für die Haltung, in der später Wissen angeeignet werden kann: Neugier, Selbstvertrauen und Erfolg durch eigenes Tun. Soziale Kompetenzen, die nicht allein von der Familie und dem sozialen Umfeld zu Hause abhängen – ohne deren Bedeutung gering zu schätzen. Eine gute Kita kann auch Bedürfnisse wecken, die zu Hause nicht so gepflegt werden. Sie ergänzt das familiäre Umfeld entscheidend.
Daher ist es gerade für Kinder, die aufgrund ihres Elternhauses keine so gute Startposition mitbringen um so wichtiger, an diesen Angeboten teilhaben zu können und besonders gut gefördert zu werden.
Eine Kita der Zukunft braucht nicht nur gute Bildungsangebote – sie braucht vor allem auch Erzieherinnen und Erzieher, die psychologisch gut ausgebildet sind und die Kompetenz der ihnen anvertrauten Kinder fördert, statt sie auf ihre Defizite aufmerksam zu machen. Dazu müssen die Erzieherinnen und Erzieher eine gute Ausbildung auf europäischem Niveau haben – eine Hochschulausbildung. In unserer Zeit bedeutet das aber auch, dass Erzieherinnen und Erzieher sich Fort- und Weiterbilden können. Das bedeutet: sie müssen freigestellt werden können und die Träger müssen Geld für Fort- und Weiterbildung planen können. – Aber auch die best ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher brauchen Zeit für die Vor- und Nachbereitung ihrer Betreuungszeit und diese Zeit muss Teil ihrer bezahlten Arbeitszeit sein. 100% Arbeitszeit am Kind – da bleibt der Bildungsauftrag auf der Strecke.
Die Kita der Zukunft muss auch die Eltern in ihren Bedürfnissen einbeziehen. Das betrifft die Betreuungszeiten, das betrifft aber auch die Kommunikation zwischen Eltern, Erzieherinnen und Erziehern und Kindern. Beratung, Veranstaltungen, Bildungsangebote für Eltern: zum Beispiel: welche Funktion haben Märchen für die psychische Entwicklung von Kindern? Oder: Was passiert, wenn Kinder keine Grenzen kennen lernen in den Kindern? Wie kann man Grenzen setzen ohne Gewalt? Was für Folgen hat psychische Gewalt?
Auch hier sind Erzieherinnen und Erzieher mit in der Verantwortung. Das sind viele Stunden Vernetzungsarbeit. Sie müssen wissen, wer in der Kommune ansprechbar ist und wie sie die Qualität der Angebote bewerten können.
weitere Informationen:
- Redebeitrag der Landtagsabgeordneten Elke Herrmann zum schlechten Betreuungsschlüssel in Kitas und Krippen am 19. Juni 2008
- Redebeitrag der Landtagsabgeordneten Elke Herrmann zu Krippenplätzen am 16. März 2007
- Redebeitrag der Landtsabgeordneten Elke Herrmann zu einer Qualitätsoffensive in sächsischen Kitas am 11. Oktober 2006
- Redebeitrag der Landtagsabgeordneten Elke Herrmann zur familienunterstützenden und -ergänzenden Infrastruktur am 26. Januar 2006
- Redebeitrag der Landtagsabgeordneten Elke Herrmann zur Tagesbetreuung am 10. November 2005
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