Zum Inhalt springen

Unterwegs in die Zukunft - GRÜNE-Landtagsfraktion besucht innovative Projekte in Sachsen

Tourbus der GRÜNEN-Fraktion

Sachsen hat den Ruf, zahlreiche kluge Köpfe zu haben und Erfinderland zu sein. Doch erst bestaunt, dann belächelt und am Ende ignoriert - Innovationen haben es oft schwer, sich durchzusetzen. Im Zweifel setzen wir auf das Althergebrachte. Aber Sachsen braucht dringend Innovation - für mehr Klimaschutz, bessere Kreislaufwirtschaft, für gemeinsames Lernen, für gutes Zusammenleben in der Gesellschaft, für unser Gesundheit oder Pflege und nicht zuletzt für mehr Demokratie. Stillstand blockiert, Stillstand kann sich Sachsen nicht länger leisten. Innovationen eröffnen neue Perspektiven für Einzelne sowie Zukunftschancen für das ganze Land.

Wir wollen diese Chancen ganz konkret ergründen und für Sachsen nutzen: Von der Stromtankstelle über das erste Integrationshotel in Leipzig, die erste Tagespflege speziell für Frühchen bis hin zu neuen Ideen für verpackungsloses Einkaufen, Stadtentwicklung oder Aquaponik. Um Neues zu entdecken und bekannter zu machen, reiste die GRÜNE-Landtagsfraktion im Juni und Juli durch Sachsen und informierte sich vor Ort über innovative Ideen.
Mit den Akteuren besprachen wir, welche Bedingungen sie für ihre Projekte und Innovationen benötigen und wie sie besser gefördert und unterstützt werden können.

Mit einem Platz auf dem GRÜNEN SOFA luden wir auf Marktplätzen der besuchten Regionen zum Gespräch mit Volkmar Zschocke, dem Chef der GRÜNEN-Landtagsfraktion.

Im Landtag machen wir uns dafür stark, dass innovative Ideen optimale Voraussetzungen in Sachsen erhalten.

Die Reise in die Zukunft führte uns durch ganz Sachsen: von Kamenz, nach Zwickau, Leipzig, Dresden, Görlitz, Freiberg bis nach Chemnitz.

Tourtermine und Stationen:

» 12.06.: Auftakt in Dresden
» 15.06.: Kamenz
» 16.06.: Zwickau
» 24.06.: Leipzig
» 25.06.: Görlitz
» 29.06.: Dresden
» 30.06.: Freiberg
» 03.07.: Chemnitz

» 06.07.: Leipzig

Während der Tour schrieben wir zu unserer Reise ein kleines Tour-Tagebuch mit Texten und Bildern – zum Lesen und Entdecken nach unten Scrollen oder Einzeltermine anklicken.
Und zur » Bildergalerie geht's hier entlang ...

12.6.: Auftakt in Dresden

Volkmar Zschocke im neuen Tourbus.
Gerd Lippold (r.i.B.) begleitete den Fraktionschef zu einem Gespräch mit der Wirtschaftsförderung Sachsen.
Eine gute Gesprächsgrundlage? Viele Fahrräder vor dem Gebäude...
 

Die Innovationstour startete am 12. Juni mit einem Besuch der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH. Mit dabei: der GRÜNE Tourbus.

Im Erfinderland Sachsen entstehen viele neue Ideen und zukunftsweisende Forschungsergebnisse. Wie sie zu Marktreife, Firmengründung oder Unternehmensansiedlung in Sachsen geführt werden können - darüber sprachen wir mit Peter Nothnagel, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS).

Innovationspolitik wird an Bedeutung gewinnen, bietet doch gerade der ökologische Umbau von Industrie und Gesellschaft vielfältige Chancen für neuartige Produkte, Änderung der Produktionsverfahren einschließlich neuer ressourceneffizienter Methoden. Wer hier die Nase vorn hat, wird die Chancen weltweiter Zukunftsmärkte besser nutzen können - sei es bei Umwelttechnologie, Energiespeicherung, Kreislaufwirtschaft, bei E-Mobilität, digitaler Kommunikation oder auch in der Gesundheitstechnik.

Wir lernten Konzepte und langjährige Erfahrungen der WFS beim Innovationsmanagement kennen und diskutierten darüber, was Landespolitik für eine breitere Verankerung von Innovationskultur in Sachsen tun kann. Dabei erörterten wir die Idee einer sächsischen Innovationsplattform und gingen auch der Frage nach, wie die Technologie- und Gründerzentren wieder ein starker Partner beim Technologietransfer werden können.

Weiterhin informierten wir uns über die Entwicklung von Ansiedlungsanfragen in Sachsen und tauschten uns darüber aus, wie groß der Einfluss des Images von Städten und Regionen auf eine erfolgreiche Ansiedlungspolitik ist. Vermeintliche Rückständigkeit oder gar Schlagzeilen über Fremdenfeindlichkeit können sich schnell zu Ansiedlungshindernissen entwickeln. Hier gibt es für Landes- und Kommunalpolitik noch einiges zu tun, um Aufgeschlossenheit, Selbstbewusstsein und Weltoffenheit in den sächsischen Regionen zu fördern.

15.6.: Innovationstour in Kamenz

Der Tourbus startet vor dem Landtag - heute geht es nach Kamenz.
Neues Leben für E-Bike-Akkus: Die Innovationstour bei der Firma Liofit
Volkmar Zschocke im Gespräch mit Liofit-Geschäftsführer Ralf Günther (l.) und Jens Bitzka
Volkmar Zschocke im Gespräch mit Anne Hasselbach, Citymanagerin von Kamenz.
Im Gespräch auf dem Grünen Sofa...
Volkmar Zschocke unter dem wohltuenden Grün der Rhododendren.

Ist Kamenz die künftige Akku-Hauptstadt? Ob Liofit, ACCUmotive oder Li-Tec: alle genannten Firmen haben sich auf Akkus spezialisiert und zwar in dem sonst als "Lessingstadt" bekannten Kamenz. 

Am ersten Tour-Tag besuchten wir Liofit, ein Unternehmen mit acht Mitarbeitern, das sich auf Akkus von Pedelecs spezialisiert hat. Gebrauchte Fahrradakkus werden hier geprüft und, so keine chemische Alterung vorliegt, durch eine Einzelladung der Zellen wieder flott gemacht. Für Zellen die sich nicht wieder aufbereiten lassen, hat Liofit auch einen Weg gefunden: Durch Zellentausch werden defekte Zellen durch neue ersetzt. Beides hilft, unnötiges Geld für einen komplett neuen Akku und viel Material zu sparen.
Auf die Frage an den Liofit-Geschäftsführer Ralf Günther, was bzw. wie die Politik ihn bei der Umsetzung seiner Ideen unterstützen könne, kam der Wunsch, für effektivere Nutzungsbedingungen im Umgang mit gebrauchten Akkus und Zellen zu sorgen. Das betrifft zum einen die Rückführung von Inhalten in neue Kreisläufe. Zum anderen wandern bislang noch verwertbare und arbeitsfähige Batterien und Akkubestandteile in den Müll, was eigentlich nicht sein müsste. Hier sieht er dringenden Handlungsbedarf.

Anschließend besuchten wir die Citymanagerin von Kamenz, Anne Hasselbach. Ihr Ziel ist es: Interesse für Kamenz bei den Einwohnerinnen und Einwohnern aber auch jenseits der Stadtgrenzen zu wecken. Mit viel Engagement geht sie dabei voran und erste Erfolge sind in der Innenstadt auch schon sichtbar: ehemalige Geschäfte werden wieder belebt, Rhododendron-Kübel und bunte Sitzkissen, die zum Verweilen einladen, bereichern den Kamenzer Markt. Und es schlummern noch weitere Ideen zur Belebung des Marktes in der Ideenschmiede.

Zum Abschluss lud das GRÜNE SOFA zum Plausch ein.

» www.liofit.com

16.6.: Innovationstour in Zwickau

Energie-Carport der Firma Elektro-Blitz in Kirchberg.
Man kann auf Benzin getrost verzichten mit Elektroauto.
Jörg Eißmann bei der Eröffnung der Stromtankstelle.
Volkmar Zschocke (l.i.B.) und Jörg Eißmann reden über die Nachwuchssorgen im Handwerk.
Anpacken in Zwickau: Das neue GRÜNE SOFA der Tour wird ausgepackt.
Und dann in der Fußgängerzone eines der ersten Gespräche.

Heute stand ein besonderer Termin an: Im Beisein des GRÜNEN Fraktionschefs wurde ein Energie-Carport eingeweiht. Was das ist? Es ist eine Garage der Zukunft: Mit eigenproduziertem Strom wird das Elektro-Auto oder E-Bike kostenlos mit Sonnenstrom geladen, das sich im Schutz des Carports befindet. Künftig soll die so entstandene Stromtankstelle am "Sieben-Hügel-Rundwandweg" in Kirchberg allen Wanderern die Möglichkeit geben, kostenlos ihr Elektroauto über die Dauer ihrer Wanderung zu laden, so dass die Heimreise mit voller Energie erfolgen kann.

Der selbst produzierte Strom des Energie-Carports soll noch effektiver genutzt werden? Kein Problem! Mit einem Speicher kann zusätzliche Elektronenergie bezogen werden. Ausgedacht hat sich das System Jörg Eißmann, ein echter Elektro-Tüftler, dessen kleine Firma Elektroblitz ihren Sitz in Kirchberg hat. Und wer nun denkt, das sei alles, was er zu bieten hat, liegt mehr als falsch! Auch in Sachen energetische Sanierung ist der Kirchberger mit einem Patent auf dem Markt, mit dem kostengünstig und effektiv die energetische Qualität von Altbauten erheblich verbessert werden kann. Da es die kleine Firma nicht schafft, den Bedarf persönlich zu decken, sind Module für Selfmade-Häuslebauer geplant. 

Übrigens: Da Jörg Eißmann die Energieverschwendung bei der öffentlichen Beleuchtung in seiner Heimatgemeinde nicht nachvollziehen kann, hat er kurzerhand auf eigene Kosten LEDs in seiner eigenen Straße eingebaut. Die Ersparnisse hat er berechnet. Nun hofft er, dass die Verwaltung von Kirchberg seinem Beispiel folgt.
Um Weichenstellung ging es auch bei einer Forderung in Richtung Landes- und Bundespolitik: Das Handwerk im Allgemeinen und eben auch Jörg Eißmann plagen Nachwuchssorgen. Es fehlt an qualifizierten und interessierten Lehrlingen. Hier sieht man dringenden Handlungsbedarf.

Und noch etwas zeichnete Jörg Eißmann besonders aus: Seine Fähigkeit, Menschen und Ideen miteinander zu vernetzen. Da es heute um E-Mobilität ging, war eine zweite Firma aus Zwickau mit zwei Elektroautos vor Ort. FM future mobility heißt sie und kommt aus Zwickau. Sie bauen derzeit ein Carsharing-Netz in Westsachsen auf, das demnächst auch die großen Städte Chemnitz und Dresden erreichen wird. Wir freuen uns über diese Idee und vor allem über das dahinter stehende Engagement im nicht ganz so einfachen Sektor der E-Mobilität! Eine Testfahrt musste natürlich auch sein: Für viele von uns war die Fahrt mit einem Elektroauto neu. Dennoch haben wir uns geschworen, verstärkt auf Elektrofahrzeuge bei eigenen Terminen zu setzen.

Mit einiger Verspätung erreichten wir am Nachmittag Zwickau. Hier hatte unser neues GRÜNES SOFA Premiere und wurde in der Zwickauer Fußgängerzone Innere Plauenesche Straße aufgebaut.

» www.elektro-blitz.de

» www.fahrmitfm.de

24.6.: Innovationstour in Leipzig

Ankunft auf dem Philippus-Gelände in Leipzig.
Gespräch von Volkmar Zschocke (l.i.B.), Claudia Maicher (Mitte) und Pfarrer Martin Staemmler-Michael (re).
... sowie der beiden anderen Initiatoren des Integrationshotels Wolfgang Menz, Projektleiter Philippus Leipzig und Pfarrer Volker Klein.
Begehung der Philippus-Kirche.
Fraktionschef trifft Geschäftsführer Patrick Schöne von teilAuto.
Am Cospudener See mit Schäferin Kerstin Doppelstein.
Im Gehege am Cospudener See mit Schäferin.
 

Es ist ein ambitioniertes Ziel: Ein Hotel (teils) für und (teils) mit Menschen mit Behinderung mitten im Leipziger Westen auf dem Gelände der Philippus-Gemeinde aufzubauen. Heute trafen wir uns mit den Initiatoren des ersten Leipziger 'Integrationshotels' Wolfgang Menz, Projektleiter Philippus Leipzig, Pfarrer Volker Klein und Pfarrer Martin Staemmler-Michael der Kirchgemeinde Lindenau-Plagwitz. Kaum saßen wir mit ihnen in einer Runde, kam sofort das Gefühl auf, dass da drei Menschen mit dem Engagement, Ideenreichtum und der Neugierde von mindestens 20 Menschen vor einem sitzen. Sie brennen für ihr Projekt, das - noch steht das noch ambitioniertere Datum - bis zum 11.11.2016 eröffnet werden soll. Noch ist auf dem Philippus-Gelände nicht viel davon zu sehen aber zu spüren! Der Rundgang durch das Gebäude-Ensemble war so eindrücklich, das wir den Restaurant- und Gaststätten-Betrieb förmlich schon vor uns sehen konnten. Denn: Die Integration fängt nicht erst mit dem 'Integrationshotel' an. Sie wird jetzt schon gelebt. Ob Schülerinnen und Schüler, Nachbarinnen und Nachbarn, Musikerinnen und Musiker - alle sind jetzt schon herzlich willkommen und machen bereits rege Gebrauch davon.

Der Funke der Initiatoren ist übergesprungen: Wir werden wieder kommen, denn es werden auch Veranstaltungsräume zur Verfügung gestellt. Und natürlich möchten wir gern (wieder) Gäste dieses einladenden und einnehmenden Hauses sein.

Ab 12.00 Uhr wurde es etwas ungastlicher: zumindest, was das Wetter anbetraf. Das GRÜNE SOFA lud bis 14.00 Uhr alle Leipzigerinnen und Leipziger zum Gespräch mit Fraktionschef Volkmar Zschocke. Premiere: Heute kam der erste geladene Promi-Couch-Gast: Patrick Schöne, Geschäftsführer des Carsharing-Unternehmens teilAuto. 

Am Nachmittag ging es an den Cospudener See. Ein Treffen mit 'Großstadtschäferin' Kerstin Doppelstein und  Stadtförster Andreas Sickert standen an. Beide sind für ein wohl einmaliges Projekt zusammengekommen, von dem - zumindest aktuell noch - beide Seiten profitieren. Die Schäferin beweidet mit mehreren Herden Flächen rund um den Cospudener See mit Schafen, Ziegen und Yaks. Ihre Tiere werden gezielt eingesetzt, um die Flächen naturnah zu bewirtschaften und ungeliebte Pflanzenarten zu fressen, deren ungezügelter Wuchs seltene Tierarten, die sich hier angesiedelt haben, über die Zeit vertreiben würden. Die Stadt Leipzig wiederum profitiert von der kostengünstigen Bewirtschaftung ihrer Flächen. Doch es gibt Sorgen: Zahlreiche Städter machen es der Schäferin nicht gerade leicht: Sie zerstören Tiergehege, richten ihre Hunde an den Gehegen ab und setzen sowohl Hütehunde als auch Schafe völlig unnötigem Stress aus. Der für das Gebiet geltende Leinenzwang für Hunde scheint für viele Hundebesitzerinnen und -besitzer ein Fremdwort zu sein. Sie gefährden damit ein seit Jahren erfolgreich laufendes Projekt. Doch noch größere Sorge bereitet der Schäferin der Wolf: Der Raum um Markkleeberg ist ein so genanntes Wolferwartungsgebiet. Wenn sich der Wolf ansiedelt, steht für sie fest: Sie hört auf, da sie ihre Tiere nicht schützen können wird - trotz geförderter Schutzmaßnahmen.

» www.philippus-leipzig.de

» www.teilauto.net

» Beitrag des MDR zu Leipzigs Großstadtschäferin (12. Juni 2015)

25.6.: Innovationstour in Görlitz

Gespräch mit der IHK Görlitz.
Gespräch mit dem Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, Prof. Albrecht.
Volkmar Zschocke im Gespräch mit Teichwirt Karsten Ringpfeil.
 

Nach Komplettsperrung der Autobahn vor den Königshainer Bergen ging es dann doch in Richtung Görlitz. Mit einiger Verspätung kamen wir bei der IHK Görlitz an. Hier trafen wir Geschäftsstellenleiter Christian Puppe und seinen baldigen Nachfolger. Wir wollten mit ihnen über die Perspektiven der Lausitz sprechen. Eine gemeinsame Vermarktung der Lausitz als Wirtschaftsregion sehe Puppe jedoch nicht. Die Menschen vor Ort fühlen sich eher als Oberlausitzer oder Niederschlesier, nicht als Lausitzer. Dies sei historisch gewachsen und nicht wegzudiskutieren, auch wenn eine gemeinsame Vermarktung der Region und eine gebündelte Lobbyarbeit durchaus sinnvoll wäre.
Zudem hemmten eine mangelhafte Infrastruktur und der drohende Fachkräftemangel die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Puppe präsentierte aber auch innovative Projekte, mit denen versucht wird, mit diesen Problemen fertig zu werden. Wirtschaftswachstum ist für den IHK-Chef vor allem mit den bestehenden Unternehmen zu machen, nämlich wenn diese wachsen können. Große Industrieansiedlungen habe es in den letzten Jahren nur wenige gegeben. Dies sei auch die Folge der Leuchtturmpolitik der Staatsregierung, die zwar zur Entwicklung der Ballungsräume beigetragen habe, allerdings auf Kosten der ländlichen Räume.
Für die Zeit nach der Braunkohle fehlten jenseits des Tourismus auch Puppe die Ideen. Er plädiert für die Bewahrung des Status Quo, denn über die direkten Arbeitsplätze hinaus seien etliche regionale Mittelständler von der Kohleförderung abhängig. Wir verstehen die Befürchtungen, meinen jedoch, dass die IHK als Vertretung der Wirtschaft ihren Teil dazu beitragen muss, den notwendigen Strukturwandel von Anbeginn zu begleiten.

Das GRÜNE SOFA blieb heute leider im Wagen. Dafür improvisierten wir einen Termin mit dem Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, Prof. Albrecht. Er sollte eigentlich heute unser Couch-Promi werden. Doch in Ermangelung eines gemütlichen Sofa-Plätzchens nahmen wir in der Mensa Platz und kamen ins Gespräch. Die Hochschule ist zweifellos ein Motor für Innovationen in der Region. An ihren Standorten in Zittau und Görlitz studieren vor allem junge Menschen aus der Lausitz. Der Rektor gibt sich damit nicht zufrieden. Er möchte mehr Studierende aus Tschechien und Polen oder aus anderen Teilen Deutschlands für "seine" Hochschule in Ostsachsen begeistern. Dies sei auch notwendig, denn der demografische Wandel führt zum Rückgang der Bewerberzahlen. Diese sind derzeit allerdings nicht schlecht, was auch an der inhaltlichen Bandbreite der Hochschule liegt, denn neben den klassischen Ingenieursstudiengängen sorgen auch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften für ein postives Image.
Albrecht sieht die Zukunft des Standortes in der vertieften Kooperation mit Tschechien und Polen, deren unmittelbare Nähe Alleinstellungsmerkmal und Chance für "seine Hochschule" ist. Um als innovativer Partner regionaler Unternehmen bestehen zu können, müsse  "die Politik" jedoch auch dafür sorgen, dass Fördermaßnahmen verstetigt werden, so dass gutes Personal längerfristig gebunden werden kann indem man die notwendige Planungssicherheit gewährleistet, so der Wunsch und Arbeitsauftrag auch an uns.

Auf dem Weg zurück in Richtung Dresden machten wir noch einen Abstecher in Deutschlands größte Teichlandschaft: die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Bei Königswartha besuchten wir die Teichwirtschaft von Karsten Ringpfeil. Mit 400 Hektar Teich ist er nicht gerade ein kleiner "Fisch" unter den Teichwirten. In einigen seiner Teichen setzt er auf Bio. Aber nicht in allen: Es lohnt sich einfach nicht. Er beklagte bürokratische Hürden, mangelnde Förderung und Unterstützung seitens des Freistaates, zusätzliche Kosten und eine geringe Bereitschaft von Verbraucherinnen und Verbraucher, auf regionalen Bio-Fisch zu setzen. Nach einem Ausflug in die Teichlandschaft kauften wir im zugehörigen Hofladen ein. Was soll man sagen? Köstlich!

» www.oberlausitzer-biokarpfen.de

 

 

29.6.: Innovationstour in Dresden

Volkmar Zschocke bei Montanu - Tagespflege für Frühchen.
Unser erster Gast am Infostand in Dresden.
Unser zweiter Gast auf dem Sofa: Eva Jähnigen (auf Sofa li)
Anschließend ging Volkmar Zschocke einkaufen.
Individuelle Mengen können im ersten verpackungsfreien Geschäft zusammengestellt werden.
Das dauert zwar aber für den guten Zweck...

Wenn Kinder zu früh zur Welt kommen, geht das oft einher mit Defiziten oder Verzögerungen ihrer Entwicklung. Das reicht von motorischen Störungen, über Aufmerksamkeitsdefizite bis hin zu Überempfindlichkeiten gegenüber Reizen der Umwelt. Doch was ist, wenn die Eltern zurück in die Beschäftigung gehen (müssen) und für ihren Nachwuchs einen Krippenplatz benötigen? Wir besuchten heute Matthias Nutsch, diplomierter Montessoripädagoge, der sich als Tagesvater mit einem bislang einmaligen Projekt um Frühchen in Dresden kümmert.

Bevor die Eltern von Frühchen an Kita denken, haben sie allerdings einen oft mühsamen Weg vor sich. Matthias Nutsch lobte die medizinischen, psychologischen und sozialen Nachsorge- und Betreuungsangebote in Dresden. Er stimmte mit Fraktionschef Volkmar Zschocke überein, dass es solche Angebote für Leipzig und vor allem auch den westsächsischen Raum geben müsse, um Eltern von Frühchen möglichst in Wohnortnähe aufzufangen.

Von 11.00 - 13.30 Uhr stand das GRÜNE SOFA am Dr.-Külz-Ring (Höhe Eingang Altmarktgalerie) in Dresden. Neben Fraktionschef Volkmar Zschocke erwartete auch Eva Jähnigen alle Interessierte zum Gespräch.

Verpackungslos einkaufen: seit 1. April gibt es das auch in Dresden. Die Innovationstour war der angemessene Rahmen, dies endlich einmal auszuprobieren. Berit Heller, Inhaberin des Tante Emma-Ladens "Lose" in der Dresdner Neustadt, kann sich über mangelndes Interesse nicht beklagen. Aus allen möglichen Ecken Deutschlands gibt es Anfragen, wie das Konzept funktioniere. 'Gut', kann sie nach einem Vierteljahr antworten. Neben Spontaneinkäufern und Neugierigen kommen rund 40 Kunden mittlerweile regelmäßig. Dabei war die Ladeneröffnung wirklich ein Sprung ins kalte Wasser: über 20 Jahre hatte Berit Heller in einer völlig anderen Branche als Angestellte gearbeitet. Doch zufrieden war sie nicht mehr. Nach langen Recherchen im Internet stand für sie fest, dass sie die Idee eines verpackungslosen Ladens überzeugt.

Irgendwo muss man beim Umweltschutz ja anfangen, sagt Heller. Und einen sehr angenehmen Nebeneffekt hat das verpackungslose Einkaufen auch: Weil man nicht so schnell durch Supermarktgänge hetzt und das Abfüllen mehr Zeit braucht als der schnelle Griff ins Regal, kommt man viel leichter miteinander ins Gespräch. Die Kunden untereinander und sie mit ihnen. Das soll sich keinesfalls ändern. "Mein Geschäft ist kein Supermarkt und ich will auch keine Filialen", erklärt sie bestimmt. Im Gegenteil, wenn andere die Idee des verpackungslosen Einkaufens mit eigenen Geschäftsgründungen weitertragen, freut sie sich, den Anstoß für eine sinnvolle Idee geliefert zu haben.

» www.montanu.de

» www.lose-dresden.de

30.6.: Innovationstour in Freiberg

Im Gespräch: Volkmar Zschocke mit Prof. Möller und Dr. Friedrich von Fraunhofer THM Freiberg.
Wir besichtigen den Materialforschungsbereich.
Jetzt wird es haptisch: Wir begutachten einen Wafer.
Wir erwarten auf dem Freiberger Obermarkt Couch-Gäste.
Promi-Couch-Gast war heute Freibergs künftiger OB Sven Krüger.
Zum Schluss ging es ins GRÜNE, in die Freigärten Freiberg.

Für knapp zwei Stunden tauchten wir am Vormittag in die Forschungswelt von Fraunhofer Technologiezentrum Halbleitermaterialien (THM) in Freiberg. Wir trafen Geschäftsführer Prof. Hans Joachim Müller und Dr. Jochen Friedrich. Beide stellten das Institut kurz vor, das mittlerweile 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt. Fraunhofer THM forscht im Bereich der Material- und Waferherstellung sowie der Charakterisierung von Materialeigenschaften. Mit der TU Bergakademie arbeitet das Technologiezentrum eng zusammen. Auch besteht ein guter Draht zur lokalen Industrie wie Solarworld AG, Siltronic AG oder FCM GmbH. Als problematisch wurde die Zusammenarbeit mit kleinen innovativen Unternehmen beschrieben: Nicht, weil die Ideen nicht gut wären. THM und dem jeweiligen Unternehmen wurden in mehreren Fällen keine Gelder bewilligt, da dem Unternehmen nicht zugetraut wurde, die Idee in Geld umzusetzen. Die Folge: Gute Ideen made in germany wurden ans Ausland verkauft.
Noch größere Sorgen bereitet THM offensichtlich das Wegbrechen des deutschen Solar- und Photovoltaikmarktes. Sie, als Forscher auf diesem Gebiet, sind unmittelbar davon betroffen. Natürlich gibt es schon Konzepte, wie man künftig weitermachen kann und wird aber können wir verantworten, dass die Forschung im Photovoltaikbereich in Deutschland erlahmt? Wir meinen: Nein!

Von 12.00 bis 14.00 Uhr stad das GRÜNE SOFA auf dem Obermarkt in Freiberg. Als Promi-Couch-Gast nahm sich Freibergs frisch gewählter Oberbürgermeister Sven Krüger die Zeit, um neben Volkmar Zschocke Platz zu nehmen.

Ab 15.00 Uhr besuchten wir die 'Freigärten Freiberg'. Am Rand einer Kleinspartenanlage haben sich verschiedene Menschen - von Studierenden bis hin zum Ingenieur - zusammengetan und bewirtschaften einen Garten. Je nach eigenem Geschmack kann man hier sein eigenes Beet gestalten und bepflanzen. Aber es gibt auch gemeinsame Projekte: So entstand im letzten Jahr ein Teich im Grundstück und es wird jährlich eine Pflanzentauschbörse organisiert. Verstärkt soll künftig auf Bildungsarbeit gesetzt werden: Freiberger Schülerinnen und Schüler aber auch Kita-Knirpse sollen künftig die Natur im Garten zum Fassen, Greifen und Begreifen erleben können.

» Website THM Freiberg

» Website Freigärten Freiberg

3.7.: Innovationstour in Chemnitz

Im Chemnitzer Brennpunkt-Stadtteil Sonnenberg zeigt "Aquaponik", wie Fischzucht und Gemüsebau mitten in der Stadt funktioniert.
Das im Rahmen der Karpfenzucht anfallende Wasser versorgt in Gurken-, Paprika-, Tomaten- und Erdbeerpflanzen mit Nährstoffen.
Angelika Scheuerl (r.), Initiatorin des Auqaponik-Projektes erklärt Volkmar Zschocke (l.) das innovative Verfahren.
In einem Teil eines Gebäudes an der Peterstraße soll ein gläserner Aquaponik-Turm entstehen.

Fischzucht und Gemüsebau mitten in der Stadt? Das geht: Und zwar sehr gut! Im Fachjargon heißt das 'Aquaponik'. Das Prinzip der Versuchsanlage: Das im Rahmen der Karpfenzucht anfallende, mit Ausscheidungen versetzte Wasser versorgt in einem benachbarten Gewächshaus, Gurken-, Paprika-, Tomaten- und Erdbeerpflanzen mit Nährstoffen. Hat das Wasser die zum Teil in Plastikrohren eingesetzten Pflanzen passiert, fließt es als Quasi-Frischwasser wieder zurück in den Fischbottich - und der Kreislauf beginnt von vorn. Damit werden bis zu 80 Prozent an Wasser gegenüber herkömmlicher Fischzucht und Landwirtschaft gespart.

In einem Teil eines Gebäudes an der Peterstraße soll dafür ein gläserner Aquaponik-Turm entstehen, in dem Fischkultur mit vertikalem und Etagenanbau kombiniert wird. Für den Direktverkauf der Erzeugnisse ist ein Bioladen geplant. Der Rest des Gebäudes soll wohnwirtschaftlich genutzt werden. Volkmar Zschocke findet: „Es ist sehr innovativ in einer Stadt, die einen Überfluss an Fläche zu bieten hat, in die Höhe zu denken“ und fragt nach der Botschaft, die dahinter steht.

Dass das Projekt im Brennpunkt-Stadtteil Sonnenberg realisiert wird, ist kein Zufall. Initiatorin und Leiterin des Sozialen Betreuungsteams DELFIN Angelika Scheuerl will damit einen Beitrag zur Stadtentwicklung und zur sozialen Arbeit auf dem Sonnenberg leisten. „Für Menschen, die nirgens rein passen ist das Projekt wesentlich aktivierender, als irgendwelche abgeschotteten Werkstätten oder Berufsbildungsmaßnahmen“, so Angelika Scheuerl. Die Herausforderungen, vor denen der in besonderem Maße von Leerstand betroffene Stadtteil steht, sieht sie dabei als Chance zum Experimentieren.

» Website Aquaponik Chemnitz

 

 

 

6.7: Innovationstour in Leipzig

Die Neugründung einer lokalen Wochenzeitung allein ist schon Grund zu einem Besuch.
Die Leipziger Zeitung hat den Start geschafft.
Claudia Maicher und Volkmar Zschocke sprachen mit den Machern der Leipziger Zeitung über die Herausforderungen.
 

Die Neugründung einer lokalen Wochenzeitung allein ist schon Grund zu einem Besuch. Einem solchen Wagnis begegnet man heute in der bundesdeutschen Zeitungslandschaft schließlich kaum ein zweites Mal. Die Leipziger Zeitung hat den Start geschafft, in den Redaktionsräumen läuft während unseres Besuchs gerade die Arbeit an Ausgabe 7 auf Hochtouren.

Volkmar Zschocke und Claudia Maicher sprachen mit Moritz Arand, einem der Macher der Leipziger Zeitung, über die Herausforderungen beim Start eines Printmedienunternehmens, über publizistische Grundhaltungen und die Herausforderungen der Zeitungsproduktion.

Die Leipziger Zeitung soll eine Lücke auf dem lokalen Zeitungsmarkt ausfüllen und vertiefte Informationen zu Themen in und für Leipzig liefern, so Arand. Das Unternehmen läuft und soll ausgebaut werden. Ein Kernteam an Redakterinnen und Redakteuren wurde fest angestellt, weitere freie Mitarbeitende sind dazugestoßen.

Volkmar Zschocke bewundert die engagierten Menschen hinter dem Projekt für ihren Mut zu neuen Wegen: „Innovativ ist hier vor allem, dem bestehenden Zeitungsmarkt etwas Neues hinzuzufügen, damit mehr Meinungsvielfalt zu schaffen und die öffentliche Diskussionskultur zu beleben. Aber auch die Beteiligung der Leserschaft an der Gestaltung und Ausrichtung der Zeitung über sogenannte Leser-Konferenzen ist ein gutes Vorbild für andere Medien.“

Claudia Maicher hebt hervor: „Die Leipziger Zeitung hält seit der ersten Ausgabe ein breites inhaltliches Spektrum und schaut auch über den Tellerrand in andere Städte und Regionen. Dass sich für ein solches Angebot nicht wenige Leserinnen und Leser finden lassen, beweist der große Kreis an Menschen, die durch den Vorab-Abschluss eines Abonnements die Finanzierung des Betriebs ermöglicht haben.“

Jetzt wird hart an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit gearbeitet, die vor allem davon abhängt, dass weitere Abonnements abgeschlossen und auch Anzeigenkunden gewonnen werden. Dies wünschen wir der Leipziger Zeitung nach unserem aufschlussreichen Gespräch umso mehr.

» Website Leipziger Zeitung

Politikfelder