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Ruhm und Ehre allein machen nicht satt! - Frauen in Kunst und Kultur

Zum Fachgespräch „Gleiche Chancen für Frauen in Kunst und Kultur?“ lud die kulturpolitische Sprecherin der GRÜNEN-Fraktion, Claudia Maicher, am 4. März Referentinnen aus Theater, Kunst, Film und Hochschule ein. Mit 25 Teilnehmerinnen loteten sie Fragen aus, wie es um die Gleichstellung von Mann und Frau in Kunst und Kultur in Sachsen bestellt ist. Wo stehen Künstlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen? Wo sind sie benachteiligt? Welche Gründe gibt es dafür? Ob und wie partizipieren Musikerinnen und Musiker, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Künstlerinnen und Künstler der verschiedensten Sparten gleichermaßen an der Kulturförderung des Landes? Welche Einstellungen und Barrieren sind gegebenenfalls für nicht erreichte Gleichstellungsziele verantwortlich?

Die Geschäftsführerin des Künstlerbunds Dresden, Antje Friedrich, verwies in ihrem Input auf die bestehenden Ungerechtigkeiten in der Bildenden Kunst. So erhalten Künstlerinnen geringere Preise für Kunstwerke, haben weniger Einzel- und Gruppenausstellungen und kleinere Ateliers als die männlichen Kollegen. Nur wenige Frauen können allein vom Verkauf ihrer Werke leben und sind auf weitere Einkommen angewiesen. Diese finden sie oftmals in pädagogischen Tätigkeiten wie Kurse an Volkshochschulen, Kunstzirkeln, etc..

Jutta Wille, Geschäftsführerin der AG Kurzfilm, gab einen Überblick über Frauen in Film und Fernsehen. Sie fragte: Wo bleiben all die Studentinnen, die Regie studierten? Im Studium gibt es zwar noch ein fast ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern. Danach wird der Frauenanteil übersichtlich: 22 Prozent aller Filme werden von Frauen gemacht. Während die Männer mit "Kassenschlagern" u.a. in den Genre Action und Komödie größere Aufmerksamkeit und Erfolg erzielen, bevorzugen Frauen die oft weniger Zuschauer anziehenden Genre Dramen und Kinderfilme und bleiben nur allzu oft im Schatten ihrer Kollegen. Sie profitieren so auch weniger von den gut gefüllten Filmfördertöpfen, die teils an erzielte Erfolge vorheriger Filme anknüpfen. Einige Ursachen könnte sie auch konkret benennen: An den Filmhochschulen unterrichten vor allem Professoren, so dass die weiblichen Vorbilder fehlen. Frauen stellen zu wenig Drehbuchanträge und haben folglich auch eine geringere Chance große Budgets zu erhalten.

Heike Hennig, erfolgreiche Theater-Regisseurin und Choreografin, musste mit Blick auf die großen sächsischen Theater- und Opernhäuser in Dresden und Leipzig ernüchtert feststellen, dass diese fast ausschließlich von Intendanten geführt wurden und werden. Auch monierte sie die enormen Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern an deutschen Bühnen, die jedweder Grundlage entbehren. Denn: Frauen machen ihre Arbeit genau so wie ihre männlichen Kollegen.

Katja Schwalenberg, Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule für Grafik und Buchkunst, berichtete aus dem Alltag ihrer Hochschule. Sie sei recht spontan zu ihrer Position gekommen und wünsche sich eine Professionalisierung beim Einsatz für Gleichstellungsbelange. Auch berichtete sie unverstellt aus dem Leben Bildender Künstlerinnen und Künstler und musste konstatieren, dass viele Künstlerinnen (auch Künstler) in prekären Lagen leben würden. Kinder sind leider noch viel zu oft ein Hindernis für eine künstlerische Laufbahn.

Einig waren sich sowohl die Podiumsteilnehmerinnen als auch die Gäste des Fachgesprächs, dass nur eine höhere Präsenz von Frauen sowohl in den Rektoraten, den Fakultätsleitungen, den Intendanzen der Theater sowie den Beiräten und Jurys der Kunst- und Kulturstiftungen, zu einer Gleichberechtigung führen kann. Auch in der Frage, wie man die Präsenz erhöhen kann, waren sich alle einig: mit einer entsprechenden Quote. Nur wenn Kulturbeiräte paritätisch besetzt und Stipendien paritätisch vergeben werden, besteht die Chance die strukturelle Ungleichheit zu überwinden. Ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren bei Jurybewertungen, aber auch bei Professuren war ein weiteres Instrument, dass von einer Teilnehmerin des Fachgesprächs genannt wurde. Was außerdem in Sachsen fehlt, ist ein landesweites professionelles Frauenkulturbüro, das sächsische Künstlerinnen aller Sparten ein Forum bietet, bei der Vernetzung unterstützt, für sie Forderungen und Fördermöglichkeiten entwickelt und nicht zuletzt hilft, strukturelle Verbesserungen für Kultur schaffende Frauen zu erzielen.

» Fotos der Veranstaltung

» GRÜNES Diskussionspapier zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Kunst und Kultur (Februar 2015)

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