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Onlinewelten mit Suchtpotenzial

Soziale Netzwerke, Onlinespiele, Videoportale – Onlinemedien sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Neben den positiven Möglichkeiten für die Gestaltung von Privat- und Berufsleben birgt der Medienumgang jedoch auch Risiken. So gelten aktuellen Studien zufolge zwischen 1 bis 6 Prozent aller Internetnutzerinnen und -nutzer als internetabhängig und zwischen 4 und 10 Prozent als abhängigkeitsgefährdet. Eltern und pädagogische Fachkräfte fürchten die Gefahren von World of Warcraft oder Facebook für Kinder und Jugendliche, kennen sich jedoch teilweise auch wenig in deren Medienwelten aus.

Welche Unterstützung erhalten diejenigen Menschen, die mit Medienabhängigkeit zu kämpfen haben oder eine Beratung suchen? Was wird präventiv in Schule, Kinder- und Jugendarbeit und Familienbildung getan? Im Fachgespräch der Landtagsfraktion GRÜNE am 2. Februar 2012 wurde die aktuelle Situation und der Handlungsbedarf in Sachsen diskutiert. Unserer Einladung waren ca. 20 Vertreterinnen und Vertretern der Suchtberatung, Medienbildung, Jugendhilfe und Fachkliniken gefolgt. Eine ausführliche Dokumentation des Fachgesprächs finden Sie hier...

Vier Referentinnen und Referenten schilderten zu Beginn ihre Erfahrungen:

Julian Kulasza arbeitete beim Medienkulturzentrum Dresden e.V. und ist Koordinator von Projekten zur Medienqualifizierung für Erzieher/innen in Berlin. Er stellte medienpädagogische Projekte vor, die die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema und den selbstbestimmten und kritischen Umgang mit digitalen Medien fördern und damit eine präventive Funktion haben. Er machte deutlich, dass Prävention nur als gemeinschaftliche Aufgabe von Pädagogik, Jugendhilfe und Suchthilfe gelingen kann.

Gabriele Güldenstern und Petra Fürstenberg von der Suchtberatungsstelle der GESOP gGmbH in Dresden berichteten über Angebote für Ratsuchende und Betroffene und zeigten, wo die Suchthilfe gegenwärtig beim Thema Medienabhängigkeit an Grenzen stößt. So melden sich immer mehr Angehörige, um abzuklären, ob überhaupt eine Sucht vorliegt. Dabei ist das Krankheitsbild immer noch nicht klar definiert. Betroffene werden außerdem immer jünger, was spezifische Konzepte erfordert. Es wurde deutlich, dass auch eine bessere Vernetzung der Anbieter notwendig ist, um den steigenden Bedarf decken zu können.

Uwe Majewski, Geschäftsführer des Aktion Jugendschutz Sachsen e.V., verwies auf die Aufgabe des Kinder- und Jugendschutzes, Aktivitäten gegen Medienabhängigkeit zu koordinieren und zu vernetzen. Durch den Abbau von Strukten der Jugendhilfe und fehlende Kompetenzen kann diese Aufgabe jedoch kaum erfüllt werden. Außerdem müsste das Thema in der Ausbildung von Psycholog/innen und Pädagog/innen verankert werden. Eine ressortübergreifende Strategie zum Jugendschutz sei erforderlich.

Die zentralen Erkenntnisse des Gesprächs wurden in der anschließenden Diskussion weiter vertieft: Die Unterstützungsangebote für Betroffene und Ratsuchende reichen momentan nicht aus. Es ist eine dringliche Aufgabe der Landespolitik, die Arbeit der Hilfs- und Behandlungsangebote abzusichern und eine bessere Kooperation aller Partner zu unterstützen. Auch die medienpädagogischen Präventionsmaßnahmen müssen deutlich ausgebaut werden. Zwar gibt es viele funktionierende Konzepte und Projekte, diese sind aber noch lange nicht flächendeckend und als selbstverständlicher Bestandteil in den verschiedenen Bildungsbereichen, einsetzend bereits in der Kita und der Familienarbeit, verankert.

Elke Herrmann, sozial- und jugendpolitische Sprecherin der GRÜNEN-Fraktion betonte: "Das Erlernen des Umgangs mit Gefahren und Möglichkeiten des Internet ist wichtig. Darüber hinaus ist Präventionsarbeit aber vor allem Jugendarbeit, die Kinder und Jugendliche stärkt, sie ernst nimmt und ihnen die Chance eröffnet, ihr eigenes Leben zu gestalten. Wenn ich im 'wirklichen' Leben aktiv sein kann und mir etwas zutraue, werde ich mein Leben nicht ins Internet verschieben müssen und dort meine Erfolge suchen."

Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, Parlamentarischer Geschäftsführer und medienpolitischer Sprecher der GRÜNEN-Fraktion, kündigte an: "Die GRÜNE-Landtagsfraktion wird nun über parlamentarische Initiativen beraten, um auch über diesen Weg eine Verbesserung der Situation in Sachsen zu erreichen."

Weitere Informationen und Materialien:

  • Eine kurze Erläuterung des Begriffs 'Medienabhängigkeit' und des Angebots der Suchtberatungsstelle der GESOP in Dresden finden Sie unter: www.enter-dein-leben.de
  • Der aktuelle Stand an Tipps für Eltern und pädagogische Fachkräfte findet sich im Flyer "Internet- und Computerspielabhängigkeit" von klicksafe (November 2011): www.klicksafe.de

 

  

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