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Wie prekäre Beschäftigung an sächsischen Hochschulen zur Regel wird

Das Befristungsunwesen an den sächsischen Hochschulen greift immer stärker um sich. Dies ergab eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Karl-Heinz Gerstenberg (GRÜNE).

War im Jahr 2009 zumindest noch fast jede dritte Stelle unbefristet, so konnte 2012 nur noch jeder Fünfte im wissenschaftlichen Mittelbau ein unbefristetes Arbeitsverhältnis sein Eigen nennen. An den Universitäten finden sich nunmehr nur noch 10 Prozent unbefristete Stellen.

Befristungen als solche sind kein Teufelszeug. Es kann dafür durchaus gute Gründe geben, etwa für Projekte mit kurzer Laufzeit oder für Qualifikationsphasen. Beunruhigend ist jedoch, dass die Balance zwischen unbefristeten und Zeitverträgen verloren gegangen ist. Hinzu kommt, dass immer häufiger Kettenverträge mit Laufzeiten von unter sechs Monaten vergeben werden. Wiesen 2009 noch 21 Prozent der befristeten Stellen eine Laufzeit von unter sechs Monaten auf, waren es 2012 bereits 24 Prozent. Dabei belegen die Universitäten mit einem Anteil der Kurzzeitbefristeten von 30 Prozent einen traurigen Spitzenplatz, gefolgt von den Fachhochschulen mit 25 Prozent.

Die gern von der Landesregierung gebrauchte Argumentation, dass es im wissenschaftlichen Mittelbau nun einmal häufiger zeitlich begrenzte Aufgabengebiete gebe, überzeugt angesichts dieser Zahlen nicht. Daueraufgaben wie Laborbetreuungen und Lehre benötigen keine befristeten Arbeitsverhältnisse und erst recht keine mit äußerst knapp bemessenen Laufzeiten.

Wer jungen AkademikerInnen solche Arbeitsverhältnisse zumutet, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie Sachsen den Rücken kehren. Denn wer kann und will es sich und seiner Familie auf Dauer zumuten, über Jahre ohne verlässliche Perspektive zu arbeiten?

Die GRÜNE-Landtagsfraktion fordert angesichts dieser Entwicklung, dem Befristungsunwesen durch das Wissen­schaftszeitvertragsgesetz ein Ende zu setzen und Mindestanteile unbefristeter Beschäftigungs­verhältnisse festzusetzen. Vor allem müssen die Hochschulen für ihre wachsenden Aufgaben in Lehre und Forschung eine ausreichende Grundfinanzierung erhalten.

» Kleine Anfrage "Beschäftigungssituation des wissenschaftlichen Nachwuchses an sächsischen Hochschulen" (Drs. 5/11262)

» Rede des Landtagsabgeordneten Dr. Karl-Heinz Gerstenberg zu besseren Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs am 21. Mai 2014 im Sächsischen Landtag

» GRÜNER Antrag "Besser Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs - zukunftsfähige Personalstrukturen an den Hochschulen schaffen" (Drs. 5/5694)

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