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Fish-Bowl Diskussion zum Gesetzentwurf Lehrerbildungsgesetz am 4. Juli in Chemnitz

Unter den wachsamen Augen des "Nischels" fand am 04. Juli unsere zweite Fish-Bowl Diskussion zum GRÜNEN Lehrerbildungsgesetz in Chemnitz statt.
 
Unsere hochschulpolitische Sprecherin, Dr. Claudia Maicher, konnte wieder mit sehr fachkundigen Gästen das Pro und Contra des Gesetzentwurfs intensiv und durchaus auch kontrovers diskutieren. Auf dem Podium waren dabei: Nathalie Schmidt (Referentin für Lehramt der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften); David Jugel (Stellvertretender Vorsitzender Hochschule und Forschung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen) und Jun.-Prof. Dr. Meike Breuer (Zentrum für Lehrerbildung TU Chemnitz). Besonders hat uns gefreut, dass auch Lehramtsstudierende aus Chemnitz ihren Weg zu uns gefunden und aktiv mitdiskutiert haben.
 
Die versammelte Runde war sich schnell einig, dass unterschiedliche Ausbildungslängen für die verschiedenen Lehrämter keinen Sinn ergibt und abgeschafft gehören. Bei den Abschlüssen gab es dann aber sehr unterschiedliche Auffassungen. Einige Teilnehmende sahen im Staatsexamen den besseren Abschluss auch wenn die Prüfungslast höher wäre. Andere präferierten das Bachelor/Master-System oder sprachen sich gar für ein grundständiges Masterstudium aus, auch wenn ein solches in Deutschland (noch) nicht vorgesehen ist. Auf keinen Fall dürfe es dazu kommen, dass in Zeiten akuten Lehrkräftemangels am Ende Bachelorabsolventinnen und -absolventen in den Klassenzimmern "verheizt" würden. Die Regelung im GRÜNEN Gesetzentwurf, dass das Lehramtsstudium zwingend den Master vorsieht wurde zwar zur Kenntnis genommen, das Misstrauen der Praktikerinnen und Praktiker gegenüber der Kultusbürokratie war aber größer. Immerhin werden ja bereits heute Seiteneinsteigende ohne pädagogische Vorbildung in den Klassen eingesetzt, was vor allem die anwesenden Lehramtsstudierenden heftig kritisierten. Seiteneinsteigende brauchen ein Mindestmaß an Qualifizierung, weshalb unser Aufbaumasterstudiengang, den wir genau zu diesem Zweck im Gesetz vorsehen, auf ein positives Echo stieß.
 
Unsere Idee, in Zukunft nicht mehr nach Schularten wie Gymnasium oder Oberschule auszubilden, sondern nach Altersstufen der Schülerinnen und Schüler, wurde begrüßt. Allerdings verwiesen die Teilnehmenden darauf, dass hier auch eine Gefahr stecke. Wenn das Schulsystem nicht geändert wird, könnte es für solch breit ausgebildete – und damit flexibler einsetzbare – Lehrerinnen und Lehrer bedeuten, dass sie schnell als "Lückenfüller" und "Springer" dienen müssten, je nachdem an welchen Schulen es gerade besonders mangelt.
Das war auch der rote Faden, der sich durch die gesamte Veranstaltung zog und an mehreren Punkten zur Sprache kam: die Lehramtsausbildung zu modernisieren kann nur der erste Schritt sein. Es muss sich auch viel beim sächsischen Schulsystem mit seiner Undurchlässigkeit und fehlenden Wertschätzung des Lehramtsberufes ändern.
 
Bei der Frage, ob es tatsächlich mehr Praxis im Lehramtsstudium braucht, traten interessante Unterschiede zwischen den Hochschulstandorten zutage. Einige Lehramtsstudierende plädierten für mehr Praxiselemente, vor allem die Chemnitzerinnen und Chemnitzer waren hingegen der Auffassung, dass es so, wie sie es derzeit in Chemnitz machen, am besten sei. Aber jenseits der Frage der Quantität waren sich alle einig, dass es bei jeder Art von Praxis unbedingt einer guten Betreuung durch die Hochschule bräuchte und Praxis wenig Nutzen bringt, wenn der oder die Studierende keine Möglichkeit erhält, das praktisch erlebte auch in der Hochschulausbildung auszuwerten und zu reflektieren.
 
Werden die angehenden Lehrerinnen und Lehrer ausreichend auf den Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer vorbereitet und was nützen unsere Vorschläge im Gesetz? Wieder schieden sich die Geister. Während einige meinten, dass es dringend mehr inklusionspädagogische Elemente im Studium geben müsse, weil es heute möglich ist, ein ganzes Lehramtsstudium zu absolvieren, ohne mit dem Thema Vielfalt ein einziges Mal in Berührung zu kommen, fanden andere, dass es ausreicht, wie es ist. Ein eigenes Lehramt für Inklusionspädagogik, als Weiterentwicklung des Förderschullehramtes, wurde als sinnvoll erachtet. Denn wenn ein inklusives Schulsystem Realität werden soll, braucht es Förderschullehrer in neuen Kontexten.
 
Den Abschluss des Abend stellte treffenderweise der Themenbereich, der auch das Ende der Lehramtsausbildung darstellt – der Vorbereitungsdienst. Wie lang sollte er idealerweise sein? Einige Stimmen meinten, dass 12 Monate reichen, andere plädierten für 18 Monate. Und wieder andere stellten die Sinnhaftigkeit des Vorbereitungsdienstes als Ganzes in Frage und sprachen sich stattdessen für eine verlängerte Berufseinstiegsphase aus. Ein spannendes Thema, das wir hoffentlich bei unserem Fachgespräch mit LehrerInnen, Eltern- und Schülervertretern sowie Interessenvertretungen im August noch vertiefen können.

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