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Kinder- und Jugendbeteiligung lebt von Vielfalt

GRIBS-Verleihung
GRIBS-Verleihung

Das Thema Kinderrechte ist Gesetz(t)!
Seit 1992 verpflichtet die UN-Kinderrechtskonvention die Bundesländer in Deutschland zur Umsetzung von Entwicklungs-, Schutz- und Beteiligungsrechten für Kinder und Jugendliche. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag setzt sich immer wieder dafür ein, Kinderrechten mehr Gewicht zu verleihen, zum Beispiel durch den Gesetzentwurf „Gesetz zur Stärkung der Rechte von Kindern und Jugendlichen im Freistaat Sachsen (Sächsisches Kinder- und Jugendrechtsgesetz – SächsKJRG)“, welches insbesondere die Beteiligungsrechte verstärken will.
Um die Einschätzung von Fachleuten aus der Praxis zu erfahren und somit die Anwendbarkeit des Gesetzentwurfes der GRÜNEN und auch eines Entwurfes der LINKEN zu evaluieren, haben Elke Herrmann (Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Annekatrin Klepsch (Fraktion DIE LINKE) zum Fachgespräch „Mitbestimmung mitBestimmen – Freiräume für eine selbstbestimmte Kinder- und Jugendbeteiligung schaffen“, am 23. Mai 2013 in den Sächsischen Landtag eingeladen.

Beteiligung verbindlich regeln

Die rege Diskussion mit engagierten Beteiligungsexpertinnen und -experten führte deutlich vor Augen, dass die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Sachsen noch nicht ernst genommen werden und deshalb ein Gesetz zur Festschreibung der Kinderrechte dringend notwendig ist. Dabei sind die Möglichkeiten der Umsetzung von Beteiligung so vielfältig wie die Erfahrungen und Persönlichkeiten der Kinder selbst. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche die Gelegenheit bekommen, selbstständig Erfahrungen zu machen und so demokratische Prozesse verstehen lernen. Damit sich alle Kinder und Jugendlichen mit ihren Wünschen, Bedürfnissen, Grenzen und Erfahrungen in gemeinsame Projekte und gesellschaftliche Gestaltungsprozesse einbringen können, muss die verwendete Sprache für alle verständlich sein. Beteiligung muss niedrigschwellig erreichbar und flexibel sowie inklusiv sein und darf niemanden ausschließen.

Interessen ernst nehmen

Ob in der Familie, in der Freizeit, in der Politik oder der Schule: Beteiligung darf nicht nur eine symbolische Geste sein. Schülerinnen und Schüler sind zurecht unzufrieden, wenn ihre Ideen und Vorschläge nicht ernst genommen werden. Oftmals scheitern sie bereits vor der Einbringung eines Themas in die Schulkonferenz, ohne dass Gründe für sie nachvollziehbar dargestellt werden. Standpunkte und Entscheidungen der Lehrerschaft oder der Verwaltung müssen transparent und verständlich sein. Nur so können Schülerinnen und Schüler ermutigt werden, ihre Interessen weiterhin motiviert und engagiert zu vertreten.

Eine offene Haltung

Deshalb müssen methodische Kenntnisse und eine Offenheit gegenüber der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bereits in der Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften und von Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern vermittelt werden. Nur ein Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche gehört und ernst genommen werden, kann dazu ermuntern mitzumachen.

Beteiligung muss sichtbar sein

Auch eines muss Beteiligung vor allem sein: sichtbar. Wenn Ergebnisse erfolgreicher Beteiligungsprozesse präsentiert werden, können alle sehen, dass die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen sinnvoll ist und Wirkung zeigt. Auch bunte Plätze und Kirchen gehören zur Teilhabe an der Gesellschaft. Allen Kindern und Jugendlichen muss Raum zugestanden werden, den sie gestalten können und an dem sie sich ausprobieren können. Auch außerhalb der Schule muss es Gelegenheit geben, sich auszutauschen und gemeinsam Ideen zu entwickeln – ob im Jugendklub, im Park um die Ecke oder auf dem nächsten Bolzplatz.

Information, Koordination und Vernetzung an einer Stelle

Außerdem brauchen Kinder und Jugendliche einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin, wenn sie meinen, dass Ihre Rechte verletzt werden und beispielsweise Beteiligung verwehrt bleibt. Damit die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen alltäglich und selbstverständlich wird, müssen Anreize geschaffen werden, die Beachtung von Beteiligungsrechten fördern. Eine landesweite Koordinierungs- oder Servicestelle, die beispielsweise Moderatoren für Beteiligungsprozesse vermittelt oder bereichsübergreifend vernetzt, könnte bei der Entwicklung einer offenen Beteiligungskultur helfen.

Herausforderungen und Chancen

Bis jetzt mangelt es jedoch vielerorts an Ressourcen für die Kinder- und Jugendarbeit, was die Fachleute vor besondere Herausforderungen stellt und die Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche spürbar verringert. Ein lebendiges, dynamisches und demokratisches Miteinander trägt zahlreiche Früchte, wenn Offenheit und Engagement der Beteiligten gewürdigt und unterstützt werden.

Kinder sind Zukunft

Elke Herrmann betonte, dass für die eine demokratische und gerechte Gesellschaft, die Rechte von Kindern und Jugendlichen endlich von allen als das Thema der Zukunft begriffen werden müssen. 

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