Zum Inhalt springen

Braunkohle-Abbau in der Lausitz: Was nach den Baggern kommt...

Was nach den Kohlebaggern bleibt? Sperrgebiete wie hier am Bergener See.
Foto: www.ideengruen.de | Dipl.-Ing. Markus Pichlmaier

Sperrbereich – Betreten verboten. Lebensgefahr. Wir sind am Bergener See in der Lausitz. 2010 kam es hier, im ehemaligen Tagebau Spreetal, zu einer großflächigen Rutschung. Eine Flutwelle riss einige Schafe in den Tod. Seitdem ist die Region weitläufig abgesperrt. Dieses Schicksal teilt der Bergener See mit 100 anderen Seen und Teichen im Lausitzer Seenland, die teilweise oder ganz gesperrt sind. Andere Gewässer sind zwar zugänglich, haben aber mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen. Es fehlt an Flusswasser für ihre Flutung. Seen müssen gekalkt werden, um die im Seewasser entstehende Schwefelsäure zu neutralisieren. Trotz aller Bemühungen kommt es immer wieder zu rätselhaftem Fischsterben: Im November 2013 verendeten Tausende Fische im Scheibesee. Erst im Mai 2014 verendeten massenhaft Fische im Schwarzen Graben in Hoyerswerda (OT Knappenrode) mit bis heute ungeklärter Ursache. Im April 2014 wurde der mit großem Tamtam erst im Juni 2013 von Sachsens Ministerpräsidenten eröffnete Koschener Kanal zwischen Senftenberger und Geierswalder See aufgrund eines massenhaften Fischsterbens geschlossen. Bereits 2013 hatten Erholungssuchende über massiven Schlamm und braune Flocken im sächsischen Geierswalder See geklagt. Interessante Randnotiz: Der Kanal kostete statt den veranschlagten 6,5 Mio. Euro satte 51 Mio. Euro!

Knapp 35.000 Hektar der gesamten Lausitz sind gesperrte Flächen. Das entspricht 49.000 Fußballfeldern. Etwa ein Drittel dieser Flächen ist längerfristig nicht mehr nutzbar. Straßen queren Niemandsland. Radwege enden im Nirgendwo.

Wer kennt sie nicht: die Bilder der 'Braunen Spree'? Währenddessen Brandenburg parteiübergreifend auf rasches Handeln setzt, duckt sich Sachsens Staatsregierung weg. Die Erweiterung des Tagebaus Nochten (Nochten II) in Sachsen würde sogar die Verockerungs- und Versauerungsprobleme der Spree weiter verschärfen, wenn die Staatsregierung nicht auf Vorsorgemaßnahmen drängt. Das tut sie aber bislang nicht, so dass die Sulfatbelastung mit Tagebaubeginn zunehmen dürfte, die Ausspülung des roten Eisenhydroxids nach dem Ende des Tagebaubetriebs.

Doch nicht nur das Wasser an der Oberfläche ist durch die Kohleförderung verunreinigt, auch das Grundwasser in der Region. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Trinkwasserversorgung! Die Stadt Weißwasser ist bereits auf eine Fernwasserversorgung angewiesen. Mit Nochten II droht auch der Stadt Spremberg wie zahlreichen Dörfern ringsum der Verlust aller Trinkwassereinzugsgebiete. Doch was passiert, wenn die Fernwasserversorgung ausfällt? Wer bezahlt die steigenden Preise der Trinkwasserversorgung?

Weg vom Wasser – hin zu den Menschen: Durch den Braunkohletagebau verloren in den vergangenen 80 Jahren mehr als 78.000 Menschen in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier ihre Heimat. 261 Orte verschwanden ganz oder teilweise. Weitere Abbaggerungen von 20 Dörfern mit 4.300 Einwohnern sind bereits geplant. In Sachsen sollen dem Tagebau Nochten die Dörfer Rohne, Mulkwitz, Mühlrose und Klein-Trebendorf mit insgesamt 1.600 Einwohnern weichen. Außerdem hat die MIBRAG die Erweiterung ihres Tagebaus Vereinigtes Schleenhain beantragt, wodurch die Existenz des Ortes Kieritzsch mit 300 Einwohnern auf dem Spiel steht. Wenn Menschen Tagebauen weichen müssen, verlieren sie ihre Heimat. Für viele ist eine Umsiedlung einer der schwierigsten Prozesse ihres Lebens.

Angesichts der Schilderungen müsste man nun meinen, dass die Staatsregierung ein gesteigertes Interesse an einem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung haben sollte. Wir GRÜNEN meinen: Ein vollständiger Ausstieg aus der Braunkohleverstromung kann schrittweise mit dem Auslaufen der bereits genehmigten Tagebaue erfolgen. Damit kommt es zu keinem plötzlichen Wegbrechen von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen. Noch ist genügend Zeit, jetzt den geordneten Ausstieg zu planen und eine Strategie zu erarbeiten, wie unter den sich verändernden Rahmenbedingungen Menschen für frei werdende Stellen in anderen Berufsfeldern qualifiziert und zugleich neue Jobs in den Braunkohleregionen geschaffen werden können. Im Zeitraum 2020 bis 2030 könnte der Braunkohlestrom komplett aus Erneuerbaren Energien ersetzt werden. Damit schützen wir Zukunftschancen, Heimat und die Freiheitsrechte sehr vieler Menschen. Das ist keine technische oder ökonomische Frage, sondern allein eine Frage des politischen Willens. Und an dem fehlt es CDU und FDP.

» Mitmachen! Anti-Kohle-Menschenkette am 23. August zwischen Kerkwitz (D) und Grabice (PL)

» GRÜNE gehen Verockerung der Spree auf den Grund

» Pressemitteilung zur Bekämpfung der Braunen Spree durch Brandenburg und Sachsen vom 4. April 2014

» Rede des Landtagsabgeordneten Johannes Lichdi zum GRÜNEN Antrag "Keine neuen Tagebaue - Raus aus der Braunkohle" am 16. Oktober 2013

» GRÜNER Antrag "Keine neuen Tagebaue - Raus aus der Braunkohle" (Drs. 5/11855)

Politikfelder