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GRÜNE Wind-Tour 2018 - Quo vadis, Sachsen?

GRÜNE Wind-Tour 2018. Foto: pixabay.com

Im Koalitionsvertrag haben CDU/SPD bereits 2014 vereinbart, die Ausbauziele für Erneuerbare Energien(EE) an die Ziele des Bundes anzugleichen. Das hieße 35-40 Prozent EE-Anteil am Stromverbrauch statt der geplanten 28 Prozent bis 2023. Trotz mehrfacher Ankündigung hat Wirtschaftsminister Martin Dulig die notwendige Überarbeitung des alten CDU/FDP-Energie-und Klimaprogramms von 2012 nicht durchgesetzt. Deshalb arbeitet die Regionalplanung aktuell weiter mit dieser ideologisch geprägten Ausbaubremse. Eine zweite wichtige Ankündigung im Koalitionsvertrag war die Windenergie nicht weiter zu blockieren.

Heute verzettelt sich der zuständige Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) in Potenzialstudien und Weißbuch-Prozessen.

Einziger umgesetzter Punkt: Auf einen pauschalen Mindestabstand (10H) wurde tatsächlich verzichtet. Dafür wurde mit dem äußerst schwammigen Winderlass die politische Verantwortung für Mindestabstände auf die Ebene der Regionalplanung abgeschoben. Jetzt finden sich dort teils unsinnige Vorgaben.

Dr. Gerd Lippold, energiepolitischer Sprecher der GRÜNEN-Landtagsfraktion Sachsen, will die Staatsregierung an ihren Taten messen. Er will wissen: Wie viele Windenergieanlagen werden jetzt im Jahr gebaut? Wird die modernste Technologie eingesetzt? Wie wird eine Balance zwischen Naturschutz und Windenergie erreicht? Wie läuft der Genehmigungsprozess? Welche Chancen haben sächsische Projekte in den bundesweiten Ausschreibungen? Wie viele Kommunen sind beteiligt und wo gibt es Bürgerwindparks?

Die  Antworten sucht er vor Ort in den sächsischen Windparks. Er wird alle Anlagen besichtigen, die 2017 an das Netz angeschlossen wurden. Tourstart ist im Windpark Sohland in der Lausitz. Enden wird die Reise in Erfurt. Von Thüringen wollen wir erfahren,  was in einer Legislatur mit echtem politischen Willen möglich ist.

Hintergrund:

» Grüner Antrag: Windenergie: Konflikte lösen, Bürger und Kommunen beteiligen, Ausbau voranbringen (Drs 6/12470)

» In Sachsen wurden 2017 nur 16 neue Windkraftanlagen errichtet, weniger als ein Prozent aller Anlagen in der Bundesrepublik (Pressemitteilung, 06.04.2018)

 

» Bericht vom Tag 1 der Wind-Tour 2018

» Bericht vom Tag 2 der Wind-Tour 2018

» Hier gibt´s Bilder unserer GRÜNEN Wind-Tour 2018

 

Die Stationen der GRÜNEN Wind-Tour 2018:

Mittwoch, 04.04.2018:
- Windkraftanlage Sohland (bei Löbau, Lkr. Görlitz)
- Windkraftanlage Rechenberg-Bienenmühle (Lkr. Mittelsachen)
- Windkraftanlage Mohorn (OT von Wilsdruff, Lkr. Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
- Windkraftanlage Streumen (bei Riesa)
- Windkraftanlage Naundorf (bei Oschatz)
- Windkraftanlage Großbardau (OT von Grimma)

Donnerstag, 05.04.2018:
- Windkraftanlage Gersdorf (bei Hohenstein-Ernstthal)
- Windkraftanlage Vielau (OT von Reinsdorf, bei Zwickau)
- Erfurt, Gespräch mit der Leiterin der Servicestelle Windenergie der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA)

     

Wind-Tour 2018: Tag 1: enttäuschende Bilanz

Unsere Windtour 2018 beginnt in Sohlland. Hier steht eine der gerade mal 16 in Sachsen im Jahr 2017 ans Netz gegangenen Anlagen. Dafür wurde eine alte Anlage abgebaut.

Zweite Etappe der Tour brachte unseren energiepolitischen Sprecher Gerd Lippold zur Agrargenossenschaft Clausnitz. Die neue Anlage hier bringt soviel Ertrag wie fünf der alten Anlagen. Erneuerbare Energie ist günstig geworden und versorgt das ganze Dorf. Und das könnte überall in Sachsen funktionieren

In Mohorn bei Freiberg hat Gerd Lippold eine weitere Seltenheit in Sachsen entdeckt: Hier ist noch eine von den gerade mal 16 im ganzen Jahr 2017 ans Netz gegangenen Anlagen zu finden.

Station 4 führte zu Sachsens höchster Anlage. Im Windpark Streumen wurde sie als Repowering-Projekt nach Rückbau einer Altanlage errichtet und ging ebenfalls 2017 ans Netz.

In Grossbardau hat Gerd Lippold tatsächlich zwei neue, nicht repowerte Anlagen aus 2017 in Sachsen gefunden! Allerdings dauerte der Planungsmarathon dafür ganze 10 (!) Jahre. Dazu kommentierte terrawatt-Planer Falk Zeuner: "Wenn wir nur in Sachsen aktiv wären, wären wir längst vom Markt."

Im Windpark Naundorf stehen weitere drei Neuanlagen aus dem Jahr2017. Hier wirken Höhenbeschränkungen wie "10H" durch die Hintertür.

Das Fazit des ersten Tour-Tages: Von zehn neuen Windenergieanlagen existieren nur zwei an einem neuen Standort - bis zu deren Errichtung hat es jedoch zehn Jahre gedauert.
Der Rest der Anlagen in bestehenden Windparks ist nur durch Rückbau alter Anlagen erzeugt.
Drei der Windenergieanlagen haben knapp 90 Metern Nabenhöhe bei 120 Metern Rotordurchmesser, dazu kommen noch zwei sehr kleine Anlagen unter 100 Meter Gesamthöhe.

Gerd Lippold, energiepolitischer Sprecher unserer Fraktion, ist von dieser Bilanz enttäuscht.
„Wirtschaftsminister Martin Dulig hat wohl den Griff der Bremse nicht gefunden, die er losen wollte. Ich frage mich ernsthaft, wie Sachsen unter diesen Rahmenbedingungen in Zukunft nach der Braunkohle seinen Strombedarf decken soll.“
Es gibt kaum Flächen, teils unsinnige Höhenbeschränkungen und keine Rückendeckung durch politisch Verantwortliche. Das sind aus Sicht heute besuchten  Betreiber und Projektierer die größten Hindernisse für die Windenergie.

„ Am meisten beeindruckt hat mich, wie unter diesen Bedingungen Pioniere wie die Agrargenossenschaft in Clausnitz dennoch eine regionale Energieversorgung auf Basis von Sonne, Wind und Bioenergie in ihre regionale Wertschöpfungskette intergiert haben.  Wozu wären die sächsischen Tüftler und Ingenieure wohl in der Lage, wenn wir eine mutige Energiepolitiker in der Regierungskoalition hätten“

 

 

Windbundesliga: Hurra - Sachsen schlägt das große Bremen!

Verheerend fällt die Bilanz der Windtour 2018 aus. Nur 15 neue Anlagen wurden im letzten Jahr an das Stromnetz angeschlossen (16 errichtet).Das ist weniger als ein Prozent der knapp 1.800 Neuanlagen  in der Bundesrepublik. Damit sind selbst der Stadtstaat Hamburg (20) und das Saarland (36) an Sachsen vorbeigezogen.

In den etwa gleich großen Ländern ebenfalls dicht besiedelten Ländern Thüringen und Rheinland-Pfalz wurde im letzten Jahr drei bzw. fünf mal soviel installiert.
Im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg stieg der Zubau um 140 Prozent auf 128 Anlagen.

Dazu kommt Sachsens veralteter Anlagenbestand mit durchschnittlich 12,6 Jahren und einem hohen Anteil kleiner Anlagen unter 1 MW (40%). Alles zusammen ergibt für die Zukunft niedrige Erträge.
Damit hat sich Sachsen von der Energiewende in Deutschland ökologisch und ökonomisch endgültig abgekoppelt.

Grün mitregierte Bundesländer wie Thüringen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zeigen dagegen, wie mit landespolitischer Initiative Blockaden der Energiewende gelöst werden können.

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