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Leipziger diskutieren den "energetisch korrekten" Weg in die Zukunft

85 Bürgerinnen und Bürger diskutierten auf der von der GRÜNEN-Landtagsfraktion initiierten kommunalen Klimakonferenz den "energetisch korrekten" Weg Leipzigs in die Zukunft. Schwerpunktthemen war die energetische Gebäudesanierung der zahlreichen Leipziger Altbauten und die Einbindung der kommunalen Energieversorgung in das kommunale Klimaschutzkonzept.

Das größte Potenzial zur Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen liegt im Gebäudebereich. Knapp 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland werden im Gebäudesektor (vor allem für Warmwasser, Raumwärme bzw. für die Gebäudeklimatisierung und -kühlung) verwendet. Ines Gillner, Prokuristin und Leiterin Baukoordinierung der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft, gab einen Überblick über den energetischen Sanierungsstand der ca. 35.000 Wohnungen im Bestand der städtischen Gesellschaft. Sie erklärte die Zwangslage ihrer Gesellschaft, aus Wirtschaftlichkeitsgründen keine energetischen Komplettsanierungen auf Passivhausstandard durchführen zu können, sondern sich eher für die Sanierung in mehreren Teilschritten entscheiden zu müssen. Schnell wurde klar, dass die Vorbildprojekte, wie sie zuvor von dem Ingenieurbüro Naumann und Stahr vorgestellt wurden, massenhaften derzeit kaum umsetzbar seien.
Zwei Probleme wurden dabei wiederholt genannt: Das klassische Nutzer-Investor-Dilemma im deutschen Mietwohnungsbau (die Vermieter wie die LWB dürfen jährlich nur 11% der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen) sowie mangelnde Zuschussfinanzierung der öffentlichen Hand.
Gisela Kallenbach, städtebaupolitische Sprecherin und Moderatorin des Forums, ging näher auf die mangelnde Förderung des Freistaates ein und stellte einen Förderprogrammentwurf der GRÜNEN Landtagsfraktion vor, der am 16. Mai in einem Fachgespräch im Sächsischen Landtag eingehender vorgestellt werden soll.

In der Abschlussdiskussion räumte Heiko Rosenthal, Umweltbürgermeister der Stadt Leipzig, ein, dass Leipzig formal die Klimaverpflichtungen aus dem Klimabündnis mit knapp 6 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf und Jahr erreicht hat, das aber nicht ausreiche. Er stellte ein neues Energie-und Klimakonzept der Stadt in Aussicht und versprach bessere Möglichkeiten der Bürgerbeteligung. Erwartet wird das Konzept im Juni diesen Jahres. Die nächsten praktischen Schritte seien jedoch schwierig, wie die Diskussion um die Einführung der Umweltzone gezeigt habe. Johannes Lichdi mahnte dem entgegen konkrete Beschlüsse und Maßnahmen mit einem ambitionierten Ziel an. Die Stadt könne nicht auf die EU oder den Freistaat warten. Prof. Felix Ekardt forderte die Stadt auf, dort zu handeln, wo sie Gesetzgebungskompetenz habe. Dazu gehöre die Einschränkung des PKW-Verkehrs und ein Baustopp auf der grünen Wiese am Stadtrand. Jedoch seien auch europäische und globale Schritte zur Rettung des Klimas erforderlich.  

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