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Zukunft schreiben - Literaturförderung und Buchmarkt in Sachsen

Sachsen hat eine vielseitige und dynamische Literaturlandschaft mit über 200 Autorinnen und Autoren, über 200 Buchverlagen, ein etabliertes Fördersystem und hochklassige Ausbildungmöglichkeiten. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch: Die Menschen, die Literatur verfassen, lektorieren, übersetzen, verlegen, vermitteln und präsentieren, haben einen schweren Stand. Erfolgreiche Arbeit im Literaturbereich fußt häufig auf Selbstausbeutung. Zudem muss sich die literarische Kultur mit den Herausforderungen der Digitalisierung und grundlegenden Veränderungen von Literaturproduktion und Publikumsverhalten auseinandersetzen.

Es ist dringend notwendig, die Rahmenbedingungen und die bestehende Förderung von Literatur und Buchmarkt zu diskutieren, damit Entwicklungschancen besser genutzt werden können. Die Reichweite sächsischer Literatur innerhalb unseres Landes und über seine Grenzen hinaus bleibt noch deutlich hinter ihrem Potenzial zurück. In der sächsischen Politik gab es für das Thema bislang kein Problembewusstsein. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat die Situation der Literaturszene jetzt zu einem politischen Thema gemacht.

Auf einer Podiumsdiskussion in Leipzig diskutierte der kulturpolitische Sprecher, Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Übersetzerinnen und Übersetzern, Verlagen und Literaturfördernden. Im Mittelpunkt stand die Weiterentwicklung der bestehenden Instrumente der Literaturförderung. Zum einen wurde die unbürokratische Verfügbarkeit geringer Fördersummen für Kleinstprojekte angeführt, die innovative Wege der Vernetzung, der Publikumsansprache und der Produktion von Literatur ausprobieren. Zum anderen wurden Möglichkeiten der Verlagsförderung diskutiert. Zwar werden in Sachsen viele gute SchriftstellerInnen ausgebildet, nur sehr wenige haben jedoch die Möglichkeit, ihre Bücher auch in Sachsen produzieren und veröffentlichen zu lassen. Die bestehenden Instrumente der Wirtschaftsförderung greifen in der Literaturbranche nicht. Karl-Heinz Gerstenberg kritisierte die Haltung des sächsischen Wirtschaftsministeriums, das die Unterstützung von Verlagen ablehnt. Dabei wird das gesamte wirtschaftliche Potential in Sachsen gar nicht erfasst. Die scharfe Trennung zwischen Kultur und Wirtschaft bei den Fördermöglichkeiten funktioniert im Literaturbereich nicht. Kulturell förderwürdige, aber formal unternehmerische Buchprojekte könnten auch mit Instrumenten der Kulturförderung vorangebracht werden.

Der GRÜNE Antrag "Initiativen zur Verbesserung der Situation der Literaturschaffenden in Sachsen" enthält als zentrale Punkte neben der Kultur- und Wirtschaftsförderung die Leseförderung, insbesondere Kooperationen von Literaturschaffenden, Schulen und Bibliotheken, sowie die Literaturverbandsarbeit und die Rahmenbedingungen im Bereich Urhebervertragsrecht, Sozialversicherung und Steuerrecht.
Bei der Anhörung zum Antrag im Kulturausschuss des Sächsischen Landtages haben die Sachverständigen weitere Möglichkeiten beschrieben, durch die die sächsische Literaturlandschaft gestärkt werden kann. So verwies Dr. Sibille Tröml, Geschäftsführerin des Sächsischen Literaturrates e.V.,  unter anderem auf den gestrichenen Landesleseplan, dessen Angebote noch im Jahr 2002 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in 151 Bibliotheken, 22 Schulen und 51 weiteren Einrichtungen erreichten. Einrichtungen wie der bundesweit tätige Friedrich-Bödecker-Kreis könnten mit wenig Geld sehr viel Leseförderung erreichen, müssten jedoch vom Freistaat Sachsen unterstützt werden. Ein weiterer Punkt betraf die leichtere Zugänglichkeit zur Konzeptförderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.  Die Unterstützung bei Marketing, Projektmanagement und Antragstellung ist enorm wichtig für eine Professionalisierung neuer Wege bei der Literaturvermittlung, wie Claudius Nießen, Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts an der Universität Leipzig, erklärte. Literaturprojekte, die häufig als kleinere Formate von wenigen Engagierten durchgeführt werden, können daran jedoch momentan kaum teilhaben.
Karl-Heinz Gerstenberg verdeutlichte die Richtung unserer politischen Initiative: "Notwendig ist nicht kurzzeitige Aufmerksamkeit, sondern eine konsequente Weiterentwicklung der Förderschwerpunkte und -instrumente." Die GRÜNE-Fraktion ruft alle demokratischen Fraktion im Sächsischen Landtag dazu auf, diesen Prozess politisch zu unterstützen.

» GRÜNER Antrag "Initiativen zur Verbesserung der Situation der Literaturschaffenden in Sachsen" (Drs. 5/13037)

» Pressemitteilung: CDU und FDP haben GRÜNEN Antrag pauschal abgelehnt (März 2014)

» Zusammenfassung der Podiumsdiskussion am 4. Dezember 2013

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