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GRÜNE fordern Bahnoffensive für Sachsen und legen Studie 'Sachsen im Stunden-Takt' vor

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag fordert eine Bahnoffensive für Sachsen. Die Fraktion legte heute dazu eine Studie 'Sachsen im Stundentakt' vor.

"Die Politik hat die Verpflichtung, die Mobilität aller Bürger zu gewährleisten", so Johannes Lichdi, verkehrspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. "Gerade im ländlichen Raum gibt es, zugespitzt durch den demographischen Wandel, großen Nachholbedarf."

"Wir wollen den öffentlichen Personenverkehr als umwelt- und klimafreundlichstes Verkehrsmittel stärken", so Lichdi. "Die Konzentration auf die Mobilitätssicherung allein durch das Auto muss der Vergangenheit angehören. Unser Ziel ist, dass alle Menschen, auch ohne Auto, in der Region bequem und pünktlich reisen können."

Die Fraktion schlägt einen integrierten Taktfahrplan für Sachsen vor.
"Ein Ein-Stunden-Taktfahrplan, bessere Umlaufzeiten und Ausschreibungen kleinerer regionaler Netze können die Fahrgastzahlen ohne höhere Finanzmittel verdoppeln", so der Verkehrspolitiker. "In Zukunft dürfen nicht mehr wie bisher Einzelstrecken ausgeschrieben werden, denn dies lädt zur 'Rosinenpickerei' ein. Dadurch können bis zu 20 Prozent der Kosten eingespart werden."

Die Fraktion legt eine Studie des Leipziger Planungsbüros StadtLabor und des Verkehrsplaners Stephan Besier vor.
"Erst vertakten, dann verknoten", rät Frithjof Mothes vom StadtLabor Leipzig. "Erfahrungen in Rheinland-Pfalz zeigen, dass allein durch mehr Effizienz die Fahrgastzahlen verdoppelt werden können. Darum schlagen wir als ersten Schritt die Umsetzung unseres Effizienzszenarios 'Mal 2' vor.
In einem zweiten Schritt können durch die Bahnoffensive 'Mal 4' mit gezielten Investitionen ins Schienennetz der Bahn, dem Einsatz von Takt-Bussen und alternativen Bedienformen wie Anrufsammeltaxis die Fahrgastzahlen nach dem Vorbild der Schweiz vervierfacht werden."

Im Effizienzszenario schlägt StadtLabor beispielhaft konkrete Verbesserungen der Angebote in Ost-Sachsen vor:
Durch eine Flügelung der Züge in Bischofswerda einerseits nach Görlitz und andererseits nach Zittau (mit Verlängerung nach Liberec) kann ein Ein-Stunden-Takt nach Görlitz erreicht werden.
Ein neuer Elbe-Neisse-Sprinter von Decin über Bad-Schandau-Sebnitz / Dolni Poustevna – Ebersbach und Görlitz / Zgorcelec würde drei Länder verbinden und bereits bestehende Verbindungen zusammenfassen.
Die Einführung eines Takt-Busses zwischen Bautzen und Hoyerswerda kann das Angebot nach Nordostsachsen erheblich attraktiver machen.
Ein Wroclaw-Dresden-Express mit einer Fahrzeit von zweieinhalb Stunden würde Görlitz zu einem Bahnknotenpunkt an der Neisse werden lassen.


Hintergrund:
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Der Nahverkehr ist in Sachsen unterfinanziert und ausgedünnt.
Positive Beispiele wie die Erzgebirgsbahn zeigen, dass mit gezielten Investitionen eine Region gut erschlossen werden kann und dabei die Fahrgastzahlen vervierfacht werden.

Auch der Fernverkehr in Sachsen ist weitgehend inakzeptabel.
Die Planungen der Bahn hängen Ostdeutschland mit Ausnahme des ICEs von Dresden über Leipzig in Richtung Frankfurt (Main) und der Strecken nach Berlin total vom Fernverkehr ab. Die Strecke Dresden-Berlin wird im unattraktiven Zwei-Stunden-Takt in einer Fahrzeit von 130 Minuten angeboten.
Die Sachsen-Franken-Magistrale mit Anschluss nach Wroclaw ist von den Fahrzeiten und den eingesetzten Zügen wenig einladend.

 

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