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Spaten oder Kettensäge? - "Baumschutz" in Sachsen

Immer mehr Menschen ärgern sich über gefällte Bäume (Foto: Gisela Kallenbach)
Foto: Gisela Kallenbach

Die Frage ist rasch beantwortet: Kettensäge.
Der Schatten von Bäumen muss mittlerweile gesucht werden. Das hat gleich mehrere Gründe:

Bald seit vier Jahren ist das berüchtigte Gesetz zur Vereinfachung des Umweltrechtes in Kraft. Allen Mahnungen von Umweltverbänden und verantwortungsvollen Stadtverwerwaltungen zum Trotz nimmt es Städten und Gemeinden die Möglichkeit, kommunale Baumschutzsatzungen zu formulieren. Mittlerweile mit teils gravierenden Folgen für den Baumbestand und die Schönheit unserer Städte und Gemeinden, wie Kleine Anfragen GRÜNER Stadtratsfraktion und Nachrichten besorgter Bürgerinnen und Bürger zeigen. Auch die Umfrage des BUND unter 72 Gemeinden macht eines deutlich: Die Zahl innerörtlicher Baumfällungen stieg, die Zahl von Ersatzpflanzungen sank. Genaue Zahlen können nicht veröffentlicht werden, da Baumfällungen auf privatem Grund kaum noch einer Kontrolle unterliegen.

Auf den Liegenschaften des Freistaates sieht es nicht anders aus, wie eine Kleine Anfrage der Umweltexpertin der GRÜNEN-Landtagsfraktion, Gisela Kallenbach, ergab. Von 2003 - 2013 fielen hier allein 36.302 Bäume, wobei nicht mehr über alle Fällungen Unterlagen vorhanden waren, so dass es durchaus noch mehr sein dürften. 7.122 Bäume wurden allein im Jahr 2013 aus 'Gründen der Verkehrssicherung' gefällt. Gegenüber 2008 hat sich die Anzahl der Baumfällungen unter der Begründung der Verkehrssicherung fast verdreifacht. Während die Zahl der Fällungen in den vergangenen sechs Jahren stetig und drastisch gestiegen ist, nahm der prozentuale Anteil der Fällungen, die mit Baumgutachten durchgeführt wurden, immer mehr ab. Lag im Jahr 2003 noch in einem Drittel aller Fällungen ein Baumgutachten zugrunde, wurden im Jahr 2013 6.292 von 7.122 Bäumen ohne Gutachten gefällt. Laut einem BGH-Urteil vom 6. März 2014 besteht Hoffnung: Bei gesunden Straßenbäumen müssen keine besonderen Verkehrssicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Nur kranke Bäume sind zu fällen. Inwiefern und ob überhaupt Sachsens Staatsregierung diesen Spielraum zum Erhalt von Straßenbäumen nutzt, steht auf einem anderen Blatt. 'Gar nicht' - so lautete die Antwort der Regierung auf Nachfrage von Gisela Kallenbach.

Und auch um den sächsischen Wald steht es nicht zum besten. Laut Waldzustandsbericht 2013 sind nur ein reichliches Drittel der sächsischen Waldfläche als gesund einzustufen. 38 Prozent bzw. 42 Prozent aller Buchen und Eichen verzeichnen "deutliche Schäden". In Sachsen dominieren gleichaltrige und artenarme Monokulturen von Nadelbäumen. Auf der Hälfte der rund 200.000 Hektar des Staatswaldes wachsen Fichten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Das wird wohl in diesem trockenen Jahr nicht ohne Folgen bleiben: Der Staatsbetrieb Sachsenforst warnt vor einer Borkenkäfer-Plage. 

» Ministerpräsident S. Tillich entdeckt das liebe Grün

» mehr Informationen zu GRÜNER Baumschutzpolitik

» Auswertung der Umfrage zum Baum-Ab-Gesetz des BUND Sachsen e.V. (Mai 2014)

» Baumloses Sachsen? Nein, danke - Jetzt die Petition des BUND Sachsen e.V. unterschreiben

» Kleine Anfrage 'Baumfällungen auf den Liegenschaften des Freistaates Sachsen aus Gründen der Verkehrssicherung' (Drs 5/14327)


» Urteil des Bundesgerichtshofes zur Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen vom 6. März 2014

» Rede der Landtagsabgeordneten Gisela Kallenbach zum Waldzustandsbericht am 10. April 2014

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