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Waldzustandsbericht 2017 - Es dominieren immer noch Fichten-Monokukulturen

Wälder sind langlebige Ökosysteme, in denen die Sünden der Vergangenheit noch lange nachwirken. So limitieren nach wie vor Nadelholzmonokulturen die biologische Vielfalt, die standortsgemäß in naturnahen Wäldern zu erwarten wäre. Auch die jahrzehntelange Belastung mit Luftschadstoffen hat deutliche Spuren im sächsischen Wald hinterlassen.

Laut aktuellem Waldzustandsbericht 2017 ist weniger als die Hälfte der sächsischen Waldbäume als gesund einzustufen. Auf der Hälfte der rund 200.000 Hektar des Staatswaldes wachsen Fichten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Immer noch überwiegen artenarme und altersgleiche Bestände an Monokulturen von Nadelbäumen. Diese kommen mit dem Klimawandel denkbar schlecht zurecht. Diese immer noch dominierenden Monokulturen sind besonders anfällig gegen Trockenheit und Schädlingsbefall. Vom Ideal naturnaher struktur- und artenreicher Wälder sind wir noch sehr weit entfernt.

Die Fichtenbestände im Flachland müssen deshalb durch größere Anteile von Laubbäumen ersetzt werden. Wenn wir das Ziel eines naturnahen, standortgerechten Laub- und Mischwaldes in Sachsen erreichen wollen, dann muss beim Waldumbau entschlossener gehandelt werden.

Gerade angesichts der Unwägbarkeiten des Klimawandels muss die gesamte mögliche Palette heimischer Baumarten genutzt werden. Dies ist waldbaulich anspruchsvoll und erfordert deutlich mehr qualifiziertes Forstpersonal, als nach den Einsparungen der letzten Jahre noch zur Verfügung steht.

Wir setzen auf FSC-zertifizierte Forstwirtschaft

Wir setzen uns – nach dem Vorbild der Stadt Chemnitz - dafür ein, dass der Staatsbetrieb Sachsenforst bis zum Jahr 2020 nach den internationalen Kriterien für verantwortungsvolle Waldwirtschaft des Forest Stewardship Council (FSC) wirtschaftet. FSC ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die das erste System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft schuf, betreibt und weiterentwickelt.
Leitbild der angestrebten Wirtschaftswälder beim FSC-Siegel sind naturnahe Waldökosysteme, die sich bezüglich Baumartenzusammensetzung, Vorrat, Dynamik und Struktur den natürlichen Waldgesellschaften annähern.

Der Sachsenforst verwendet aktuell das deutlich schwächere unverbindlichere Alibi-Siegel PEFC, entstanden aus einer Initiative der europäischen Forstindustrie.
Voraussetzung für die Umstellung der Forstwirtschaft des Sachsenforstes auf FSC-Kriterien ist eine wesentlich bessere personelle Ausstattung der Unteren Forst- und Naturschutzbehörden.

Totholz gehört zum natürlichen Kreislauf im Wald

In den sächsischen Wäldern sind stark dimensionierte Bäume (potentielle oder tatsächliche Höhlenbäume) und Totholz vielerorts ausgesprochene Mangelware. Nach der letzten Bundeswaldinventur (2012) war Sachsen mit 5,9 m³/ ha eines der totholzärmsten Bundesländer. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 20,6 m³ Totholz pro Hektar.

Totholz gehört zum natürlichen Kreislauf im Wald. Es entsteht, wenn Bäume absterben und sich ihr Holz zersetzt. Viele, insbesondere seltene Arten sind auf diesen Lebensraum spezialisiert. Insekten und Vögel leben vom oder am Totholz und finden hier Nahrung, Unterschlupf und Brutgelegenheit. Abgestorbene, aber noch stehende Bäume haben einen besonders großen Habitatwert für zahlreiche Flechten, Pilze, Vögel, Fledermäuse sowie weitere Wirbeltiere. Die GRÜNE-Landtagsfraktion in Sachsen fordert daher, dass ihr Erhalt als »gute forstliche Praxis« im Waldgesetz festgeschrieben wird. Ausgenommen sind forstsanitäre Maßnahmen, insbesondere zur Borkenkäferbekämpfung.

Mehr "Urwälder von morgen"

Neben naturgemäß bewirtschafteten Forsten setzt sich die GRÜNE-Landtagsfraktion dafür ein, dass auch der Anteil der Waldflächen, in denen natürliche Prozesse ungestört ablaufen können, bis 2020 im Staatswald auf zehn Prozent erhöht werden. Damit würde Sachsen endlich eine Forderung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt umsetzen. Aktuell gibt es neben den wenigen großen nutzungsfreien Schutzgebieten gerade einmal acht kleine Naturwaldzellen (Gesamtfläche der Naturwaldzellen nur 303 ha).

Wir wollen ein Netz von naturnahen nutzungsfreien Wäldern und Waldreservaten mit Altholzbeständen entwickeln. Dazu sind vorrangig Waldflächen im Landesbesitz heranzuziehen. Wo es fachlich geboten ist, müssen Anstrengungen zum Flächentausch mit Privat- und Körperschaftswald unternommen oder Waldbereiche angekauft werden.

Unser Ziel ist es, dass innerhalb der angestrebten zehn Prozent der Landeswaldfläche in Sachsen (ca. 20.535 Hektar) auch großräumige, unzerschnittene Waldgebiete in der Größe von mehreren hundert bis tausend Hektar dauerhaft aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Nur in solchen Gebieten können sich Wälder mit einer echten Naturwalddynamik als „Urwälder von morgen“ entwickeln.

Neben der Ausweisung solcher großen Prozessschutzflächen wollen wir auch ein Netzwerk vieler kleiner, unbewirtschafteter Waldflächen realisieren, die vielfältige Artenschutzfunktionen erfüllen. Im Hinblick darauf, dass Prozessschutz u. a. auch die Ausbreitungs-, Rückzugs- und Reproduktionsräume seltener, naturschutzfachlich wertvoller oder gefährdeter Arten erhalten und schützen will, sind auch kleine, dauerhaft nutzungsfreie Flächen als Elemente der Biotopvernetzung (Trittsteinfunktion) überaus bedeutsam. Das Netz größerer Prozessschutzgebiete wollen wir deshalb durch kleinere nutzungsfreie Waldgebiete und Waldinseln ergänzen.

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