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500 Besucher diskutieren in neun sächsischen Städten über Rechtsrock

Aufpeitschende Musik, hasserfüllte Texte voller Rassismus, grölende Nazis mit zum Hitlergruß hochgerissenem Arm – und dazwischen ein verkleideter Journalist, der das Geschehen heimlich filmt: Thomas Kuban hat es geschafft, für die Öffentlichkeit zu dokumentieren, was jedes Wochenende irgendwo in Deutschland hinter verschlossenen Türen vor sich geht. Über diese Undercover-Recherche in der europäischen Rechtsrock-Szene realisierte der Filmemacher Peter Ohlendorf einen knapp 90-minütigen Dokumentarfilm, der erstmals vor zwei Jahren auf der Berlinale gezeigt wurde. Im Januar und Februar 2014 brachte der Filmemacher den Film "Blut muss fließen" auf Einladung der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in neun sächsischen Städten vor insgesamt mehr als 500 Zuschauern auf die Leinwand.

Im Anschluss an jede Filmvorführung stellte sich der Filmemacher gemeinsam mit Miro Jennerjahn, dem demokratiepolitischen Sprecher der GRÜNEN-Landtagsfraktion sowie mit Vertretern lokaler zivilgesellschaftlicher Initiativen dem Publikum für Nachfragen und zum Gespräch. Immer wieder kam dabei die Frage auf, welche Möglichkeiten die Zivilgesellschaft hat, um sich der Ausbreitung rechtsextremer Milieus im ländlichen Raum entgegenzustellen. Einen Weg zeigte der Filmemacher selbst auf: „Es braucht in jedem Ort einen geschützten Raum, an dem sich junge Menschen treffen können, die nichts mit den Rechten und ihrer Ideologie zu tun haben wollen. Nur so kann eine demokratische Gegenkultur entstehen: So bekommen Jugendliche eine Alternative zu den Partys, auf denen Rechtsrock läuft und Hass gepredigt wird.“

Aus Jennerjahns Sicht sind neben Eltern und Lehrern auch politische Verantwortungsträger in der Pflicht, rechtsextremen musikalischen Subkulturen konsequent entgegenzutreten. „Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, bei Rechtsrock handele es sich um eine Jugendkultur neben anderen und solche Konzerte seien nur gewöhnliche Partys. Durch solche Musik wird menschenverachtende, gewaltverherrlichende Ideologie verbreitet, um junge Menschen systematisch zu radikalisieren.“ Insofern sei es kein Zufall, dass die Terroristen des sogenannten 'Nationalsozialistischen Untergrundes' im Rechtsrock-Milieu sozialisiert worden sind und mehrere ihrer Unterstützer aus dem Umfeld des verbotenen rechtsextremen „Blood & Honour“-Netzwerkes kommen. „Dass die Sächsische Staatsregierung 'Blood & Honour' trotzdem in erster Linie als eine Art Konzertagentur sieht, ist eine gefährliche Fehleinschätzung.“

Als positiv bewerten Jennerjahn und Ohlendorf es, dass an verschiedenen Spielorten auch Kommunalpolitiker und Behördenmitarbeiter den Film gesehen und sich an den Diskussionen beteiligt haben – so zum Beispiel in Schneeberg, wo seit dem Herbst mehrere fremdenfeindliche Demonstrationen gegen das dortige Asylbewerberheim stattgefunden hatten.

Außer in Schneeberg war der Film im Januar und Februar auch in Schwarzenberg, Plauen, Limbach-Oberfrohna, Freiberg, Pirna, Zittau, Oschatz und Eilenburg zu sehen. Bereits Anfang 2013 waren Jennerjahn und Ohlendorf mit dem Film in Sachsen unterwegs gewesen. Inzwischen haben bei 22 Vorführungen der GRÜNEN Landtagsfraktion 2100 Menschen aus allen sächsischen Landkreisen die Dokumentation gesehen und darüber diskutiert.

Eine weitere Vorführung ist am 23. April in Hoyerswerda geplant.

     

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