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Sehr kurzfristig aber aus aktuellem Anlass lud die GRÜNE-Landtagsfraktion nach Görlitz zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Es ging um Wolf Pumpak, für den eine Abschussgenehmigung erteilt worden war. Diskutiert werden sollte, wie es zu dieser Genehmigung kam und ob alle im Wolfsmanagement vorgesehenen Schritte im Umgang mit sogenannten "Problemwölfen" ausgeschöpft wurden.
Pumpak nähert sich seit November 2016 immer wieder menschlichen Behausungen. Dabei interessiert er sich besonders für Komposthaufen und durchstöbert sie nach Nahrung.
Das Podium war prominent besetzt. Die Umweltdezernentin des Landkreises Görlitz, Heike Zettwitz, erläuterte, wie der Landkreis in Kooperation mit dem sächsischen Umweltministerium zur Entscheidung des Wolfsabschusses kam. Dabei machte sie klar, dass sie angesichts der mangelnden Scheu des Tieres eine Vergrämung von vornherein ausgeschlossen haben. Priorität bei der Entscheidung habe gehabt, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, der der Wolf nicht zuzumuten sei. Sachsens Umweltministerium hat deshalb eine räumlich und zeitlich begrenzte Abschussgenehmigung erteilt.
Markus Bathen, Leiter des Wolfsbüro NABU Bundesverband, kritisierte dieses Vorgehen. Für ihn sei es "unfachlich", einem hoch komplexen Tier wie dem Wolf per se abzusprechen, dass er sein Verhalten nicht ändern kann. Erst, wenn sämtliche Vergrämungsmaßnahmen ausgeschöpft wurden, die es in verschiedenen Eskalationsstufen gibt und sich keine Verhaltensänderung zeigt, sollte über einen Abschuss nachgedacht werden. Er kritisierte zugleich, dass wichtige Wolfsexpertise entweder gar nicht abgerufen wurde bzw. vorgeschlagene Maßnahmen des Instituts LUPUS nicht ergriffen worden sind. Das Wolfsinstitut hatte dem Landkreis nahegelegt, den Wolf zu besendern und zu überwachen, da die Experten zum Schluss gekommen waren, dass das Wolfsverhalten "bedenklich" sei.
Darüber hinaus berichtete er aus anderen Bundesländern, wie dort der Umgang mit auffälligen Wölfen gewesen ist. So wurde in Niedersachsen bereits ein Wolf geschossen, nachdem er dem Hund einer Familie während eines Spaziergangs zu nahe gekommen war.
Henrik Thode als Vertreter der Jägerschaft konnte belegen, dass der Wolf keinen negativen Einfluss auf die Streckenentwicklung der jagdbaren Arten ausübt und positionierte sich für den Abschuss dieses Wolfes. Er gehe davon aus, dass sich der Abschuss eines einzelnen Wolfes nicht negativ auf die Wolfspopulation auswirke.
Wolfram Günther, umweltpolitischer Sprecher der GRÜNEN-Landtagsfraktion und Initiator der Veranstaltung rief dazu auf, dem Wolfsmanagementplan beim Umgang mit Problemwölfen zu folgen. Das sei wichtig für die Zukunft. Denn verhaltensauffällige Wölfe werde es auch in Zukunft immer wieder geben.
In der anschließenden Diskussion standen bereits negative Erfahrungen und Ängste der einheimischen Bevölkerung dem Ziel, Pumpak nicht vorschnell abzuurteilen, teils unversöhnlich gegenüber. Schäfer beklagten gerissene Tiere. Ob diese auf das Konto von Pumpak gehen, weiß allerdings niemand so recht. Klar ist: Sie haben erhebliche Verluste an Tieren und auch die verbliebenen Tiere seien traumatisiert nach einem Wolfsübergriff.
Allerdings berichtete die Umweltdezernentin, dass Pumpak humpele. Daraus könnte geschlossen werden, dass er wenig Erfolg in der Jagd habe und er deshalb auch die Komposthaufen durchkämme.
Warum Pumpak die Scheu gegenüber Menschen vermissen lasse, darüber schwirrten zahlreiche Theorien durch den Raum. Während der Landkreis sogar vermutete, dass er als Welpe vom Förster mit Flasche groß gezogen worden sei, meldete sich ein polnischer Biologe zu Wort, der mit einer Wolfsforscherin Kontakt habe, die Pumpak seit seiner Geburt kenne. Danach haben Waldarbeiter Speisereste im Wald zurückgelassen, über die sich Pumpak hermachte, sobald kein Mensch mehr zu sehen war.
So oder so: Was ist nun zu tun? Die Weidetierhalter forderten den raschen Abschuss des Wolfes und beklagten sich allgemein über den hohen Aufwand, der für diese eine Tierart betrieben würde. Markus Bathen appellierte an den Landkreis, den Wolf zu besendern und zu überwachen und ihm erst einmal mit Vergrämungsmaßnahmen die Nähe zu Menschen wieder abzutrainieren. Einen Abschuss schloss er nicht aus, wenn Vergrämung nicht zum erhofften Erfolg führt. Der Landkreis denkt nach Ablauf der ersten Abschussgenehmigung und bei Überleben des Wolfes über einen erneuten Antrag zum Abschuss des Wolfes nach, erläuterte Heike Zettwitz. Wolfram Günther warb dafür, bei diesem Antrag den im Wolfsmanagementplan vorgesehen Weg zu gehen und unterstützte Bathens Appell an den Landkreis.

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