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'Klimaschutz rechnet sich' - 2. Klimakongress der Fraktion GRÜNE

200 Menschen nahmen am Sonnabend, 6. Dezember, in Dresden am 2. Sächsischen Klimakongress 'KLIMASCHUTZ RECHNET SICH' der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN teil. Sie verfolgten sowohl die Eingangsvorträge als auch die Foren zur Bedeutung und Notwendigkeit der Energiewende in Wirtschaft, Wissenschaft und Sozialem mit großem Interesse. Im Abschlusspodium mit Timo Leukefeld, Geschäftsführer Soli fer Solardach GmbH, Hans-Jürgen Schlegel, Referent Klimaschutz a. D., Dr. Bernd Rau, Roth & Rau AG und Antje Hermenau, Fraktionschefin der GRÜNEN, die Qualität der Klimaprogramme von Land und Bund.
wurden die notwendigen Zielstellungen für die Nutzung der Erneuerbaren Energien aber auch die Hindernisse, gerade in der herrschenden Politik, benannt.

In ihrer Begrüßung hatte Antje Hermenau, Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, die Staatsregierung aufgefordert, endlich einen wirksamen Klima-Aktionsplan für Sachsen vorzulegen.
"Der Plan, diesen Bericht bis zum Sommer zu erstellen, wird dazu führen, dass der nächsten Staatsregierung nur ein Protokoll der verpassten Chancen hinterlassen wird."

Der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie- und Technologiepolitik, bezeichnete in seinem Vortrag die Deckung des Energiebedarfs allein durch alternative Energien als ein realistisches Ziel. Angesichts des Klimawandels, der Energiekrise und der Endlichkeit fossiler Ressourcen mahnt er eine Verdopplung der Anstrengungen bei der Umstellung auf alternative Energien an.

Der Dresdner Meteorologe, Prof. Christian Bernhofer unterstrich die Dringlichkeit, als er auf die Auswirkungen der Klimaveränderung auf Sachsen verwies: gerade im Tiefland und insbesondere in Ostsachsen kommt es zu einem enormen Abfall der Niederschläge in den Sommern, die Waldbrandgrenze hat sich bereits ungewöhnlich weit in die Mittelgebirge hinein verlagert.

Dipl. Ing. Hans-Jürgen Schlegel, bis zur Pensionierung Referent für Klimaschutz im Landesamt für Umwelt und Geologie, stellte im Forum 'Sachsen auf dem Weg zu 100% Erneuerbarer Energie' die von ihm für die GRÜNE-Landtagsfraktion erstellte 'GRÜNE Ausbaustudie 2020 - Perspektive für Erneuerbare Energien in Sachsen' zur Diskussion. Die konservativ gerechnete Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2020 82 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs von gut 21.200 Gigawattstunden pro Jahr aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden könne. Damit könnten die Kohlendioxid-Emissionen um 15,9 Millionen Tonnen verringert werden – das wäre eine Reduktion um 28 Prozent. Heute werden in Sachsen trotz des Braunkohlenlobbyismus der Staatsregierung schon 14 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien erzeugt. "Wie viel könnten es 2020 sein, wenn die Politik diese Entwicklung endlich wirkungsvoll unterstützt?", fragt Antje Hermenau.

Im Forum 'Kosten sparen – Klima schützen - Arbeitsplätze schaffen' forderte
Dr. Jens Knissel, Wissenschaftler am Institut für Wohnen und Umwelt Darmstadt, die Einführung eines ökologischen Mietspiegels. "So wird durch das zusätzliche Merkmal der energetischen Effizienz bei der Ermittlung der Vergleichsmiete die Finanzierung von energetischen Modernisierungen erleichtert. Das entschärft auch das Mieter-Vermieter-Dilemma."
"Die bisherigen Förderungen vom Bund und Land im Bereich der Energetischen Sanierung reichen nicht aus", so Joachim Dirschka, Präsident der Sächsischen Handwerkskammer. "In Sachsen fordern wir in den größeren Städten die Einrichtung von regionalen Energieagenturen, um Informationsdefizite abzubauen."

Der Journalist Bernward Janzing sprach sich im Forum 'Klimaschutz als aktive Sozialpolitik?' gegen einen Staat aus, der steigenden Energiepreisen hinterher subventioniert. "Der Staat muss die Einsparung von Energie unterstützen. Sozialtarife sind daher keine Lösungen." Energie-Contracting auch im privaten Bereich oder Mikrokredite würden es auch Menschen mit geringen Einkommen ermöglichen, sich energieeffiziente Geräte anzuschaffen und so Kosten zu sparen. Marcus Diacon, der im Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel den Bereich 'Stromspar-Fonds' leitet, berichtete von den positiven Erfahrungen, die der Kanton mit der 1999 eingeführten Lenkungsabgabe auf Strom macht. In Basel wird sichtbar, dass vor allem Unternehmen mit viel Personal und einem geringen Stromverbrauch profitieren: "Bei manchen Unternehmen ist der jährliche Bonus höher als die Stromrechnung. Der Kanton fördert damit Arbeitsplätze, während er mit der Stromabgabe eine Art Steuer auf Maschinen erhebt, denn die brauchen in der Regel Strom." In Basel wird die Abgabe auf Strom jährlich an die Haushalte und Unternehmen zurückgezahlt. Unternehmen erhalten dabei einen Prozentsatz ihrer Lohnausgaben erstattet.
Elke Herrmann, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betonte, dass eine Grundversorgung mit Energie für alle Voraussetzung dafür ist, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Dazu braucht es aber vor allem neue Konzepte für einen effizienteren und sparsameren Umgang mit Strom und Gas und keine blinde Subventionierung, da diese langfristig nicht zu finanzieren ist.

Im Fachforum zur Energieautarkie von Kommunen wurden Modellvorhaben aus Sachsen und Österreich vorgestellt. Dr. Uwe Mixdorf hatte eine Untersuchung zum Energiepotential der Modellregion "Annaberger Land" angefertigt. War Energieautarkie bisher ein Thema einzelner Gemeinden, wurde in diesem Vorhaben erstmals eine ganze Region in Sachsen untersucht. Im Ergebnis wurde von den 13 teilnehmenden Kommunen eine Selbstverpflichtung unterzeichnet. Bis 2020 sollen 35 Prozent der Wärme und 45 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden. Bis dahin sind noch enorme Anstrengungen notwendig: Neue regionale Wirtschaftskreisläufe müssen aufgebaut werden. Außerdem bedeutet das Streben nach Energieautarkie langfristig die Ablösung von vorhandenen Energiesystemen - gegen den Widerstand der Profiteure eines Status Quo am Energiemarkt.
Dr. Binder-Krieglstein aus Wien, bezeichnet sich selbst als Energiewende-Lobbyist. Der Energieberater kritisierte die "Energiemonopolitik" seines Landes. Energiemonopole bestimmen die Energiepolitik, weshalb die Energiewende nur mit "gezogener Handbremse" angegangen wird. Der ehemalige Musterschüler Österreich hat die Hausaufgaben nicht gemacht. Seit 2000 stagniert die Entwicklung der Energieautonomie und der Stromverbrauch steigt jedes Jahr um 2 bis 3 Prozent. Der Ausbau Erneuerbarer Energien kann da nicht Schritt halten. Dennoch gibt es im Alpenland viele positive Beispiele, wie z.B. die Stadt Güssing im Südburgenland, die allesamt aus Initiativen lokaler Akteure ohne große politische Unterstützung hervorgingen.

Im Forum 'Wissen schafft die Jobs von morgen' verwies Dr. Bernd Rau, Roth und Rau AG, Hohenstein-Ernstthal, auf den enormen Arbeitsplatzaufbau der Photovoltaikbranche in Sachsen. 40 Prozent der Beschäftigten sind Ingenieure, dazu kommen promovierte Wissenschaftler. Sein Unternehmen versuche, die Arbeitskräfte von morgen durch eine enge Kooperation zu Gymnasien und Berufsakademien zu sichern. Ein Teil der Ausbildung erfolgt im Unternehmen, ebenso sei das soziale Umfeld wichtig für Fachkräftebindung. Rau hob die Bedeutung der Energieforschung für die weitere Entwicklung der Branche hervor: "Forschung ist Schrittmacher für den Ausbau von Photovoltaik." Dabei gehe es nicht nur um die regionale Vernetzung: "Internationale Forschungskooperationen sind entscheidend für Entwicklung der Photovoltaikindustrie." Jörg Geiger vom Wissenschaftsministerium zufolge muss es Ziel der Forschung sein, Solarstrom durch Senkung der Herstellungskosten und Erhöhung der Energieeffizienz wettbewerbsfähig zu machen. Er führte aus: "Energieeffizienz ist ein Megathema im technischen Forschungsbereich - sowohl bei Produkten als auch bei der Produktion". Mit den Spitzenclustern "Solarvalley Mitteldeutschland" und "Cool Silicon" ist die Forschung ihm zufolge zwar gut aufgestellt, nötig sind aber weitere Anstrengungen im Fachkräftebereich. Angesichts des zu erwartenden Fachkräftebedarfs müssen die Hochschulen stärkere Anstrengungen unternehmen. Ein wichtiger Diskussionspunkt, den Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, forschungspolitischer Sprecher mitnehmen will, ist die Frage "Gibt es eine Strategie für die Entwicklung der sächsischen Solarindustrie und -forschung?" – hier müssen wir dran bleiben, so Gerstenberg. "Die vielfältigen Anstrengungen sächsischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen müssen endlich koordiniert zielgenau unterstützt werden."

Im Forum 'Klimaschutz und Waldumbau' verwies der Forstwissenschaftler Wilhelm Bode von der Michael-Succow-Stiftung Saarbrücken auf die Notwendigkeit, den Waldumbau in Sachsen stärker als bisher voranzutreiben. Die Fichte dominiert noch heute den sächsischen Wald. Sie wird an vielen Standorten in Sachsen nach heutigen Klimaprognosen die nächsten 60 Jahre nicht überleben. Bode ergänzte, dass ein standortgerechter Laubmischwald mit Buche, Linde und Eiche sowie weiteren speziell lokal vorkommenden Baumarten die beste Klimastabilität besitzt. Bäume von anderen Kontinenten sind nicht die Lösung des Problems, da sie meist zu wenig an den europäischen Standort angepasst sind. Dr. Christoph Oldenburg, Geschäftsführer des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, forderte dafür ein Förderprogramm der Staatsregierung für private Waldbesitzer. "Der Klimawandel kostet den sächsischen Wald schon heute 8 Millionen Euro im Jahr."

Spiegel online zum Thema Politik & Klima: "Kapitulation der Klima-Kanzlerin" - Ökonomie und Ökologie? - Jetzt betet  auch Angela Merkel des Mantra, dass man nicht beides haben kann... http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,595843,00.html

 

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