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Hochschultour 2019

Schwerpunkt der Tour ist das Thema 'Vielfalt an Hochschulen' und die Frage, wie den unterschiedlichen Bedürfnissen ganz verschiedener Gruppen an den Hochschulen Rechnung getragen wird. Dr. Claudia Maicher stellt die Ergebnisse ihrer Großen Anfrage 'Vielfalt an Hochschulen - Stand, Entwicklung und Hemmnisse' vor.

» Antwort auf die Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 'Vielfalt an Hochschulen - Stand, Entwicklung und Hemmnisse'

Zusammenfassung der Großen Anfrage

Die folgenden Zahlen wurden aus der Großen Anfrage in Tabellen zusammengefasst.

Geschlecht

Frauen im Studium
20072017
Anteil Studienanfängerinnen48%49,3%
Anteil Studienanfängerinnen in MINT-Fächern (Mathematik, Naturwissenschaft, Ingenieurwissenschaft, Technik)26,1%28,7%
Anteil Studiengänge mit weniger als 50% Frauen bei den Studienfängerinnen
39,7%
47%
Anteil Frauen Studienabsolventen49%48,9%
Anteil Frauen bei Absolventen MINT-Fächern27,5%28,8%
Frauen beim wissenschaftlichen Nachwuchs
20072017
Anteil Frauen bei angemeldeten Promotionen
46,6%
39,2%
Anteil Frauen bei den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen36,1%39,8%
Anteil wissenschaftliche Mitarbeiterinnen auf Haushaltsstellen38,6%45,4%
Anteil wissenschaftliche Mitarbeiterinnen auf  unbefristeten Haushaltsstellen32,9%
38,7%
Anteil wissenschaftliche Mitarbeiterinnen auf Haushaltsstellen, die in Teilzeit arbeiten54,2%
55,5%
Anteil Frauen bei Juniorprofessuren20,8%35,5%
Frauen als Professorinnen
20072017
Anteil Frauen bei Professuren
15,6%
20,7%
Anteil Frauen bei Professuren MINT Bereich8,2%12%
Anteil Frauen bei W1 Professur21,7%36,1%
Anteil Frauen bei W2 Professur24,6%26,3%
Anteil Frauen bei W3 Professur
15,8%
18,1%
Entwicklung durchschnittliche Leistungsbesoldung für Professoren weiblich
1.060,16 €
1.261,96 € (2018)
Entwicklung durchschnittliche Leistungsbesoldung männlich
1.429,65 €
2.542,22 € (2018)
Gleichstellungsbeauftragte
20072017
Anzahl hauptamtliche zentrale Gleichstellungsbeauftragte
1
1
Anzahl Hochschulen die Gleichstellungsbeauftragte zu 50% entlastenk.A.2
Anzahl Hochschulen, die überhaupt keine Entlastungsregelung haben

2
Eigene Räumlichkeiten für Gleichstellungsbeauftragte6 von 14 Hochschulen
Eigenes Budget Gleichstellungsbeauftragte8 von 14 Hochschulen


Sexuelle Identität

Es gibt keine Beauftragtenstelle die Belange von queeren Menschen. Diese Aufgabe übernimmt der/die Gleichstellungsbeauftragte, die Beschwerdestelle nach Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz soder die Studierendenvertretung. Es wird nicht erfasst, wie viele Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität Diskriminierung erfahren haben. 5 von 14 Hochschulen haben Maßnahmen ergriffen, um für LSBTTIQ Themen zu sensibilisieren und Vorbehalte abzubauen. Gesonderte Mittel erhalten sie dafür nicht.

Chronische Krankheit / Menschen mit Behinderung

Studium
20072018
Anteil von digitalen Lehrveranstaltungen, die zeit-und ortsunabhängig studiert werden könnenNur eine Hochschule mit einem Anteil von 13% 6 Hochschulen. Anteil variiert zwischen 1,9% und 74% der Lehrveranstaltungen.
Entwicklung Anträge auf Nachteilsausgleich und BewilligungNur 3 Hochschulen haben geantwortet. Es gab entweder keine Anträge oder wurden zu 100 Prozent bewilligt

Nur 7 Hochschulen haben geantwortet. Wo es Anträge gab, wurden diese zu 100% bewilligt. Antragszahlen maximal im 2-stelligen Bereich.

Allgemein: Studierende müssen GLAUBHAFT machen, aufgrund der Behinderung oder Erkrankung eine Prüfung nicht ablegen zu können.

Anzahl barrierefreier Materialien für LehrveranstaltungenWird nicht erfasstWird nicht erfasst
Infrastruktur
20072018
Anteil Hochschulgebäude die für mobilitätsbeeinträchtigte barrierefrei sind2 Hochschulen mit einem Anteil von  50% oder drüber

4 Hochschulen mit 0%

3 Hochschulen keine Angabe
5 Hochschulen mit einem Anteil von 50% oder höher

4 Hochschulen mit 0%

2 Hochschulen keine Angabe
Anteil barrierefreier Sanitärräume7 von 14 Hochschulen: unter 10 Prozent

(5 Hochschulen haben keine Angaben gemacht)
Leichte Steigerung aber 7 von 14 Hochschulen immer noch unter 10%
Anteil Hochschulräumlichkeiten geeignet für hörbeeinträchtigte Menschen0 Prozent

7 Hochschulen haben keine Angaben gemacht
5 Hochschulen noch immer 0 Prozent.

4 Hochschulen haben keine Angaben gemacht.

Der Rest zwischen 0,05 und max. 10 Prozent
Anteil der Hochschulgebäude, die ganzheitlich Leitsysteme und Orientierungshilfen für Blinde habenKeineKeine
Anteil barrierefreie Webseiten (Hochschulebene)9 Hochschulen haben keine Angaben gemacht

Rest zwischen 0 und 20 Prozent
3 Hochschulen haben keine Angabe gemacht

Rest zwischen 90 und 100 Prozent

Weitere Erkenntnisse aus der Großen Anfrage:

Keine Hochschule hat eine Härtefallquote ausschließlich für behinderte oder chronisch kranke Studieninteressierte. Sie fallen unter die normalen Härtefallregelungen beim Hochschulzugang.

9 Hochschulen haben eine Beauftragung für Menschen mit Behinderung. 4 Beauftragte sind ganz oder teilweise freigestellt.

Diskriminierungen aufgrund von Behinderung/Chronischer Erkrankung werden nicht statistisch erfasst.


Geplante Maßnahmen der Staatsregierung

  • Überprüfung des Hochschulgesetzes zur Umsetzung der 2009(!) in Deutschland ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention (BRK)
  • Prüfung ob Beauftragte für behinderte Studierende in das Hochschulgesetz aufgenommen werden muss
  • Prüfung ob Menschen mit Behinderung als „Experten in eigener Sache“ bei Baumaßnahmen direkt eingebunden werden sollten

Herkunft/Internationalisierung

Anteil der Nicht-EU-Studierenden
20072017
Studierende insgesamt103427101982
EU-Studierende39034317
Nicht-EU-Studierende589911333

 

Die Anzahl der ausländischen Studierenden steigt seit 2009 kontinuierlich an. Nur eine Hochschule hat allerdings mehr als die Hälfte der Formblätter mindestens zweisprachig ausgegeben. Beratungsangebote für ausländische Studieninteressierte, Studierende und Mitarbeitende sind in ihrem Umfang standortabhängig. Es gibt für diese Beratungen keine zusätzlichen Mittel und nicht an allen Hochschulstandorten gibt es eine spezialisierte Ansprechpartnerin oder einen spezialisierten Ansprechpartner.

Bei der Planung und Durchführung von Lehrveranstaltungen gibt es keine Berücksichtigung nicht-christlicher Feiertage, dies gilt auch bei Prüfungsterminen und deren Möglichkeit zur Nachholung. Weiterhin werden keine spezifischen religiösen Speisegebote bei der Herstellung und Zubereitung von Essen in den Mensen berücksichtigt.

 

Anzahl Professorinnen EU/Nicht-EU
20072017
Professorinnen insgesamt21092158
EU6779
Nicht-EU3451

Alter und Lebensphasen

20072017
Alter Studienanfängerinnen21,421,4
Alter Absolventinnen27,827,4
Alter Studierende U3091,2%87,1%
Alter Studierende 30-355,9%8,4%
Alter Studierende Ü352,9%4,5%

Die Studierenden werden älter. Es steigt der Anteil der studierenden Eltern auf mittlerweile 9 Prozent, das Durchschnittsalter wird mit 35 Jahren angegeben. Studierende Eltern sind etwa zu 10 Prozent in einem Teilzeitstudiengang eingeschrieben (ohne Kinder 2% Prozent) oder betreiben zu 17 Prozent ihr Vollzeitstudium als Teilzeitstudium (im Gegensatz zu 4 Prozent ohne Kinder). Teilzeitstudiengänge werden nicht BAföG-gefördert. Es gibt keine verbindliche Regelung, bei Krankheit des Kindes von einer Prüfung zurückzutreten.

Die Staatsregierung hat keine Erkenntnisse, wie sich Studierende über 30 Jahre finanzieren . Je älter die Studierenden sind, desto wichtiger wird der eigene Verdienst und desto weniger greifen andere Finanzierungsquellen wie BAföG oder Eltern. Es gibt keine landesseitigen Förderleistungen für Studierende, die die BAföG-Altersgrenze (30 bzw. 35 Jahre) überschritten haben. Vereinbarkeit von Studium und Familie wird als Gleichstellungsmaßnahme gesehen und muss aus den dafür vorgesehenen Mitteln getragen werden.

Politikfelder