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Wann sagt Sachsens Staatsregierung Crystal endlich den Kampf endlich an?

Crystal - Tod auf Raten (Foto: Don Hankins (flickr.com), Lizenz: CC BY 2.0)
Foto: Don Hankins (flickr.com), Lizenz: CC BY 2.0)

Seit 2009 steigt die Zahl der Crystal-Konsumenten, die Hilfe bei den sächsischen Suchtberatungsstellen suchen, drastisch an. 2002 waren es 869 Personen, 2011 bereits 2389. Dafür gibt es vielfältige Gründe:     Crystal ist derzeit billig zu haben und leichter verfügbar als jede andere Droge. Crystal macht wach, euphorisch, leistungsfähig. Die Effekte sind massiv und Konsumierende oft schon nach dem zweiten oder dritten Rausch süchtig. Die Rückfallquote ist hoch. Problematisch ist, dass regelmäßiger Crystal-Konsum die Nervenzellen nachhaltig schädigt. Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsstörungen oder psychotische Störungen sind die Folge, die u.U. auch bei Abstinenz fortbestehen. Das macht die Betreuung von Crystal-Klienten aufwendiger, als die von anderen Suchtkranken.

Die Hilfesysteme in Sachsen sind mit den Problemen, die im Zusammenhang mit dem Crystal-Konsum auftreten, überlastet. Das gilt nicht nur für die Suchtkrankenhilfe, sondern auch für die Kinder- und Jugendhilfe. Bereits über die Hälfte aller Suchtberatungsstellen in Sachsen sind davon betroffen, darunter insbesondere die Städte Dresden, Chemnitz und Leipzig, sowie die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Erzgebirge, Zwickau und das Vogtland. Die GRÜNE-Landtagsfraktion forderte daher die Staatsregierung auf, schnellstens ein mit der Suchtkrankenhilfe abgestimmtes Maßnahmepaket zu erarbeiten. GRÜNE Ideen für das Sofortprogramm sind u.a. mehr Vollzeitstellen für Fachberaterinnen und Fachberater zu schaffen sowie Fördermittel für ziel- und fachgruppenspezifische Weiterbildungsangebote bereitzustellen. Darüber hinaus sollte die Suchtberatung mit weiteren Hilfe- bzw. Betreuungssystemen für Jugendliche und junge Erwachsene mit Crystal-Konsum wie Jugendhilfe, Schule, Jobcenter, Schwangerschaftsberatung, Geburtshilfe und Kinderschutz vernetzt werden. Ein entsprechender Antrag der GRÜNEN stand im März 2014 auf der Tagesordnung des Landtags, wurde aber mehrheitlich abgelehnt.

Anfang Mai stellte Innenminister Markus Ulbig (CDU) einen 10-Punkte-Plan vor, der allerdings keine neuen Ansätze zur Bekämpfung der Droge Crystal enthielt, sondern allein auf eine 'bessere Verzahnung von Einzelmaßnahmen' setzt. Es soll mehr geleistet werden. Mehr Geld und mehr Personal wurde allerdings nicht zur Verfügung gestellt. Die Suchtberatungsstellen können frühestens im nächsten Doppelhaushalt mit mehr Geld rechnen. Für Elke Herrmann, sozialpolitische Sprecherin der GRÜNEN, ist das zu spät. Denn: Die gezielte Vermittlung von Crystal Usern in die Suchtberatungsstellen läuft ins Leere, wenn diese keine Kapazitäten für Beratung und Behandlung haben.

Noch im Dezember 2013 hatte die Staatsregierung eine übergreifende Strategie zur besseren Vorbeugung vor dem Missbrauch der Droge Crystal angekündigt. Dafür wurde zwischen den Staatsministerien für Inneres, Soziales, Kultus und Justiz eine Arbeitsgemeinschaft zur Prävention von Crystal gegründet. Daran sollten neben den Stellen der Suchtberatung und -behandlung auch die Bereiche Schule, Jugendhilfe, Wirtschaft und Kommunen beteiligt werden. Dafür sind die nun vorliegenden Ergebnisse mehr als dürftig!

Deshalb fordert die GRÜNE-Fraktion in der Juni-Sitzung des Landtages (19.6.2014, TOP 8) mit einem aktuellen Antrag, die Drogen-Prävention zu stärken und die Beratungs- sowie Behandlungsstrukturen in der Suchthilfe zu verbessern.

» Antrag "Ergebnisse des 2. Sächsischen Drogen- und Suchtberichts ernst nehmen - Prävention stärken, Beratungs- und Behandlungsstrukturen in der Suchthilfe verbessern" (Drs. 5/14605)

» Rede der Landtagsabgeordneten Elke Herrmann zum GRÜNEN Antrag (Drs 5/10944) am 21. Mai 2014

» GRÜNER Antrag "Crystal - Sofortprogramm zur Stärkung der ambulanten Suchtberatung in Sachsen" (Drs. 5/10944)

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