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Newsletter Gentechnik 06/2010

1. Deutscher Bauernverband für lockeren Umgang mit Gentechnik

Zum Auftakt des diesjährigen Bauerntages, der am 1. und 2. Juli 2010 in Berlin stattfand, forderte Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner dazu auf, Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu tolerieren: "Gen-Spuren müssen heute als technisch unvermeidbar gewertet werden“, sagte er gegenüber der neuen Osnabrücker Zeitung. Sonnleitner entlarvt damit unfreiwillig die unehrliche Argumentation des Sächsischen Landesbauernverbandes. Anders als in etlichen anderen Landesverbänden beschwören die sächsischen  Interessenvertreter immer wieder die friedliche Koexistenz von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Doch der Koexistenz erteilt Sonnleitner nun eine klare Absage. Gentechnikfrei arbeitenden Betrieben bleibt nach Logik desBauernverbandes keine andere Wahl als die schleichende Verunreinigung von Saatgut und Futtermitteln hinzunehmen. Zunächst haben die betroffenen Betriebe jedoch die Wahl, sich nach einer anderen Interessenvertretung umzusehen!

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2. Genmanipulierte Futtermittel hinterlassen Spuren in tierischen Produkten

Entgegen den Aussagen der Europäische Lebensmittelbehörde EFSA finden Wissenschaftler  immer häufiger Gen-Abschnitte aus gentechnisch veränderten Pflanzen in tierischen Produkten. Wissenschaftler aus Italien berichteten im April2010, dass Gene von gentechnisch veränderter Soja in der Milch von Ziegen aufgespürt wurden. Bereits vor einigen Jahren wurde über entsprechende Funde bei Schweinen berichtet. In jüngerer Zeit gelang auch der Nachweis beiverschiedenen Fischarten wie Forellen und Tilapia. Dort fanden sich die Gen-Abschnitte aus dem gentechnisch veränderten Futter in fast allen inneren Organen.Auch wenn die meisten Experten davon ausgehen, dass gesundheitliche Risiken für Verbraucher bei diesen Produkten eher unwahrscheinlich sind, besteht weiterer Forschungsbedarf. Beispielsweise wiesen Zicklein, bei denen Gen-Abschnitte aus gentechnisch verändertem Futter gefunden wurden, eine erhöhte Aktivität bestimmter Enzyme auf.

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3. Vorstoß zur Kennzeichnung von tierischen Produkten gescheitert

Die Bundesregierung ist mit ihrem Vorstoß, die Gentechnik-Kennzeichnung von tierischen Produkten in der EU einzuführen, gescheitert. Laut  Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner unterstützen weder die EU-Kommission noch die Mitgliedsländer die Initiative. Produkte von Tieren, die mit Gentechnik-Pflanzen gefüttert wurden, müssen bisher nicht gekennzeichnet werden. In Deutschland haben Hersteller lediglich die Möglichkeit, ihre Produkte "Ohne Gentechnik" zu labeln, wenn sie die Fütterung von Gentechnik-Pflanzen ausschließen.

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4. EU-Kommission erteilt fünf neue Zulassungen für Gentechnik-Mais

Die EU-Kommission hat am 28.07.2010, mit der Stimme der deutschen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, sechs neue Sorten genmanipulierten Mais zulassen. Es handelt sich um fünf neue Kreuzungen bestehender Sorten sowie um den Mais Bt11, dessen bestehende Genehmigung erneuert wurde. Die Maissorten dürfen eingeführt und als Futter- und Lebensmittel verarbeitet, aber nicht in der EU angebaut werden.

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5. Bienenforscher Prof. Dr. Kaatz aus Halle warnt vor sorglosem Umgang mit Agro-Gentechnik

Am 7. Juli beantwortete der renommierte Bienenforscher Prof. Kaatz die Fragen zahlreich angereister Imker in Pulsnitz. Im Mittelpunkt stand die Frage, was zum gegenwärtigen Bienensterben führt. „Die Gentechnik ist es nicht, zumindest nicht in Deutschland, da es zu wenig betroffene Flächen gibt“, konnte Prof. Kaatz  entwarnen. Doch, so der Forscher weiter, Bienenvölker die den Genmais Mon 810 anflogen, zeigten eine erhöhte Anfälligkeit für die Pilzerkrankung Nosuma, die ganze Völker im Versuch eingehen lies.

Generell warnte Kaatz vor der Freisetzung von Gentechnik, denn die Forschung sei noch lange nicht so weit, die Risiken überhaupt einschätzen zu können. „Es ist derzeit noch so, als würden sie auf ein Auto, dass kein Türschloss hat, weil es so etwas bisher nicht gab, 1000 solcher Schlösser mit einer Kanone abfeuern. Eines sitzt dann vielleicht an der richtigen Stelle, doch was die anderen 999 anrichteten, kaputte Scheiben, Löcher und so weiter, darum hat man sich nicht gekümmert“, warnte der Experte.

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6. Gentechnisch veränderte Zuckerrüben in den USA verboten

Umweltschützer in den USA hatten gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Zuckerrüben geklagt. Das Gericht hat ihrer Klage nun stattgegeben. Die Konsequenz: Gentechnik-Rüben, die in den USA derzeit einen Marktanteil von rund 95 Prozent halten, dürfen nach diesem Gerichtsbeschluss in Zukunft nicht weiter angebaut werden. Dies betrifft vor allem gentechnisch veränderte Rüben des deutschen KWS Konzerns, der allein auf dem amerikanischen Markt 700Millionen Euro im Jahr umsetzt. 


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