Datum: 23. Juni 2021

Modellprojekt FSC-Zertifizierung: Wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Forstwirtschaft

In seiner heutigen Sitzung hat der Sächsische Landtag einen Antrag der Fraktionen CDU, BÜNDNISGRÜNE und SPD zu einem „Modellprojekt FSC-Zertifizierung im sächsischen Staatswald“ beschlossen. Mit dem Antrag wird die Staatsregierung unter anderem ersucht, die Potenziale und Herausforderungen einer Bewirtschaftung des Staatswaldes nach den Kritierien der FSC Deutschland 3.0 zu untersuchen.

Dazu erklärt Volkmar Zschocke, forstpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Angesichts der dramatischen Waldkrise und der enormen Probleme der Forstwirtschaft ist heute der richtige Zeitpunkt, um über Fragen der Zertifizierung zu diskutieren. Die FSC-Zertifizierung ist aus Sicht von uns BÜNDNISGRÜNEN für die Zukunftsfähigkeit des Waldes und der Forstwirtschaft von zentraler Bedeutung.“

„Viele FSC-Prinzipien, wie beispielsweise die Vermeidung der Vollbaumnutzung, die Erweiterung der Biotopbaumziele, die Förderung von Waldinnen- und -außensäumen und die Begrenzung des Anteils nichtheimischer Baumarten, ließen sich relativ einfach in die Bewirtschaftung des sächsischen Staatswaldes integrieren.“

„Außerdem wäre eine FSC-Zertifizierung für das Image des Staatsbetriebes und die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand von großer Bedeutung. Das kann bei wachsendem Umweltbewusstsein auch zu einem unmittelbarem Vermarktungsvorteil führen. Andere Staatsforstbetriebe, etwa in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein, haben hier bereits positive Erfahrungen gemacht.“

Abschließend betont Zschocke: „Anhand des Modellprojektes soll eine qualifizierte Grundlage für eine fundierte Entscheidung geschaffen werden, die dann transparent und auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden kann. Für uns BÜNDNISGRÜNE spricht viel dafür, die konkreten Effekte anhand von modellhaften Betriebsteilen zu ermitteln. Die hierfür benötigten Mittel sind bereits im Doppelhaushalt 2021/22 verankert. Die im Antrag geforderte externe und vergleichende Begutachtung stellt eine umfassende und neutrale Beurteilung der Ergebnisse sicher.“

Weitere Informationen:

FSC steht für hohe ökologische und soziale Standards im Wald. PEFC-Standards, wie sie aktuell in Sachsen Anwendung finden, bewirken in der Praxis eine demgegenüber geringere ökologische Aufwertung der zertifizierten Wälder. FSC schreibt zum Beispiel einen Anteil naturbelassener Referenzflächen vor, um Informationen über die natürliche Waldentwicklung zu bekommen. FSC-Forstwirtschaft muss auch frei von gentechnisch veränderten Pflanzen bleiben. Pestizide dürfen nur auf Grundlage einzelner Ausnahmegenehmigungen eingesetzt werden. Kahlschläge als Mittel der Holzernte sind nicht erlaubt.

FSC-Wälder sollen sich an der natürlichen Waldgesellschaft orientieren und sich zu einer solchen hin entwickeln. Zudem müssen Biotop- und Totholzbäume als wichtige Lebensräume im Wald erhalten werden. PEFC ist zwar kein unökologisches Siegel, die Anforderungen beim Umweltschutz gehen aber nur unwesentlich über das hinaus, was gesetzlich und auch ohne Siegel sowieso vorgeschrieben ist. Die Forderungen des FSC-Standards sind weitreichender und konkreter.

>> Antrag der Fraktionen CDU, BÜNDNISGRÜNE und SPD: „Modellprojekt FSC-Zertifizierung im sächsischen Staatswald“ (Drs 7/6612)

>> Rede des BÜNDNISGRÜNEN-Abgeordneten Volkmar Zschocke: „FSC steht für hohe ökologische und soziale Standards im Wald“

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