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Bildung | 16.07.15

Bildungsgerechtigkeit in Sachsen? Es bestehen Zweifel...

Foto: Martin Abegglen(flickr.com), Lizenz CC BY NC SA 2.0

Die Wahrscheinlichkeit, in Sachsen eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium zu bekommen, ist in hohem Maße vom Wohnort abhängig. Ebenso gibt es enorme regionale Unterschiede bei der Vergabe von Schulabschlüssen, sowohl an allgemeinbildenden Schulen als auch an Schulen des Zweiten Bildungsweges. Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion, hat mithilfe Kleiner Anfragen Zahlen zutage gefördert, die erklärungsbedürftig sind.

„Für mich sind folgende Fragen zentral: Gelingt es uns, alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Region, entsprechend ihrer Potenziale zu fördern und zum bestmöglichen Abschluss zu führen? Sind Bildungswege durchlässig und anschlussfähig? Und haben auch Erwachsene noch die Möglichkeit, Abschlüsse nachzuholen? Ich habe nach Kenntnis der Zahlen zu den erteilten Bildungsempfehlungen und den vergebenen Abschlüssen einige Zweifel an der Bildungsgerechtigkeit in Sachsen“, so Zais.

Für das Schuljahr 2015/2016 erhielten in Sachsen 46,5 Prozent der Viertklässler eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium und 52,6 Prozent eine Empfehlung für die Oberschule. In der Landeshauptstadt Dresden erhielten dabei 58,8 Prozent der Kinder eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium, hingegen nur 40,6 Prozent für die Oberschule. Im Landkreis Görlitz dreht sich das Verhältnis um: 40,7 Prozent der Viertklässler wird hier der Besuch des Gymnasiums empfohlen, 57,4 Prozent empfiehlt man, den Bildungsweg an einer Oberschule fortzusetzen.

2014 verließen rund zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen mit einem Hauptschulabschluss, 51,9 Prozent erwarben einen Realschulabschluss und 29,4 Prozent das Abitur. Diese Verteilung ist im Zeitverlauf relativ konstant, zeigt aber auch eine weitere traurige Konstante: Etwa zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen die allgemeinbildenden Schulen ohne anerkannten Schulabschluss – jedes Jahr. Während der Wert in Leipzig zuletzt bei gut 12 Prozent lag, war er im Vogtlandkreis nicht einmal halb so hoch (5,77 Prozent). Legten in der Landeshauptstadt Dresden über 38 Prozent der Jugendlichen das Abitur ab, waren es im Erzgebirgskreis nur wenig über 22 Prozent.

Der „zweite Weg zum Abitur“ über das berufliche Gymnasien ist grundsätzlich ein Gewinn für die Chancengerechtigkeit. Allerdings hat seine Bedeutung im Zeitverlauf abgenommen. Während im Jahr 2010 noch 24,4 Prozent der Absolventinnen und Absolventen die Allgemeine Hochschulreife an einem beruflichen Gymnasium ablegten, waren es 2014 nur noch 16,1 Prozent.

Die Chance, in Sachsen einen Schulabschluss nachholen zu können, war schon in den vergangenen Jahren nicht groß. Inzwischen gibt es nur noch in sieben der 13 Landkreise und kreisfreien Städte die Möglichkeit, das Abitur an Schulen des Zweiten Bildungswegs abzulegen, ein Haupt- oder Realschulabschluss kann in entsprechenden Institutionen nur noch in sechs Kreisen bzw. Städten nachgeholt werden. Ländliche Räume sind dabei klar benachteiligt.

Petra Zais resümiert: „Wir müssen die Frage der Bildungsgerechtigkeit wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Bildungspolitik ist mehr als die Verwaltung von Personal und Ressourcen. Einen echten Gestaltungswillen kann ich bei Kultus jedoch nicht erkennen.“ 

» Kleine Anfrage „Bildungsempfehlungen und Schulwechsel im Freistaat Sachsen“ (Drs 6/1119)
» Kleine Anfrage „Bildungsabschlüsse in Sachsen – Entwicklung“ (Drs 6/1712)
» PM „GRÜNE verwundert über Bildungsempfehlungen für Schuljahr 2015/2016: Deutliche Unterschiede zwischen Landkreisen“ (11.05.2015)
» PM „Chancen auf einen guten Schulabschluss sind innerhalb Sachsens höchst unterschiedlich“ (29.06.2015)

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