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Wie weiter mit der Leipziger Universitätsmedizin?

Die aktuelle Situation der medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig, die sich im Spagat zwischen Mittelkürzungen, Hochschulpakt und Forschungsexzellenz befindet, hat die GRÜNE-Fraktion am Mittwoch, 2. Juni zum Anlass einer Podiumsdiskussion genommen.

Der Kanzler der Universität Leipzig, Dr. Frank Nolden, hob eingangs die Bedeutung der Leipziger Universitätsmedizin für das gesamte Forschungsprofil der Universität hervor. Durch die steigende Bedeutung der Lebenswissenschaften etwa in Sport oder Biotechnologie ist die Medizin ihm zufolge mit nahezu jeder Fakultät vernetzt. Einschnitte bedrohen demnach Forschungsbereiche über die Medizin hinaus.

Prof. Dr. Elmar Brähler, Prodekan der Fakultät, hob die hervorragenden Ergebnisse in Lehre, Forschung und Drittmitteleinwerbung hervor. Sowohl Bestehensquote als auch Noten der Medizinausbildung sind bundesweit Spitze. Für jeden Euro Landeszuschuss werbe die Fakultät zudem 78 Cent an Drittmitteln ein. Diese Entwicklung ist ihm zufolge durch eine Defizit von 10 Millionen Euro bedroht. Es droht der Abbau von 130 Stellen und eine weitere Absenkung der Zulassungszahlen für Humanmedizin von 300 auf 210 Studienanfänger entgegen der Vorgaben des Hochschulpaktes.

Der Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendiek, mahnte die Politik an, für genügend Studienplätze und eine stärkere allgemeinmedizinische Orientierung zu sorgen. Die Entwicklung an der Fakultät sei demgegenüber besorgniserregend.

Johannes Pförtner vom Wissenschaftsministerium teilte die Einschätzung von Fakultät und Universität bezüglich der beachtlichen Erfolge der Leipziger Universitätsmedizin. Ein Studienplatzabbau sei zudem nicht sinnvoll. Ziel müsse ein Ausgleich des Defizits sein. In welchen Umfang die Finanzierung der Fakultät fortgeführt wird, entscheidet sich ihm zufolge mit der Haushaltsvorlage der Staatsregierung Mitte Juni.

Im Laufe der Diskussion ging es unter anderem darum, wie die prekäre Situation der Fakultät zustande kommen konnte. Insbesondere Personalkostensteigerungen, aber auch die erfolgreiche Drittmitteleinwerbung, die durch eine Grundfinanzierung gesichert werden muss, haben den Podiumsteilnehmern zufolge die Situation verschärft. Nun kommt es darauf, den Wert der Universitätsmedizin, aber auch von Hochschule und Wissenschaft generell stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Es sei eine hoheitliche Aufgabe des Freistaates, für genügend Ärztenachwuchs zu sorgen. Umstritten ist dabei, inwieweit eine hohe Studienplatzkapazität auch den tatsächlichen Verbleib von Ärzten garantieren kann. Einig war sich dass Podium darüber, dass die medizinische Forschung über den Selbstzweck von Wissenschaft hinaus insbesondere erhebliche ökonomische Potentiale besitzt, die es künftig zu heben gilt.

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