Zum Inhalt springen

"Visionen" – Rückblick auf den 12. Sächsischen Klimakongress

Fraktionsvorsitzender Wolfram Günther. Foto: Philipp Lindenau.

 Der 12. Sächsische Klimakongress "Visionen – Zukunft ist gestaltbar" der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag begrüßte am Samstag, den 1. Dezember, über 300 Gäste im Hörsaalzentrum der TU Dresden.

Wolfram Günther, Vorsitzender der Fraktion, stellte gleich zu Beginn klar: "Wir sind die erste Generation, die die Klimakrise richtig spürt, und die letzte, die sie noch verändern kann." Er bezeichnete die Klimakrise als eine politische Frage und appelierte vor allem an die sächsische Staatsregierung, ihrer Verantwortung für den Freistaat Sachsen endlich gerecht zu werden. Als ein Beispiel nannte Günther die Verweigerungshaltung von Ministerpräsident Kretschmer in Bezug auf die Arbeit der Kohlekommission. "Setzen sich die Ideen des Ministerpräsidenten und seiner Kollegen in den anderen Kohleländern zu den Laufzeiten der Kraftwerke und Braunkohletagebaue durch, dann wird Deutschland auch die Klimaziele des Jahres 2030 nicht erreichen können", warnte er.

In seinem anschließenden Vortrag ging der Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist Prof. Harald Lesch auf Zukunftsvisionen ein. Er warnte in seinem Vortrag 'Mögliche Welten in 30 Jahren' vor der Heißzeit, die einsetzen wird, wenn die Treibhausemissionen nicht endlich deutlich gesenkt werden würden. Dann wären weite Gebiete um den Äquator unbewohnbar, was entsprechende Migrationsbewegungen auslösen würde. Aber das Jahr 2018 habe auch uns in Deutschland einen Vorgeschmack gegeben, wie sich der Klimawandel auswirken kann. Mit negativen Folgen für die Landwirtschaft, ja für unser ganzes Leben und auch für unsere Gesundheit. Und was würde eigentlich passieren, wenn es nicht wie in diesem Jahr in Kalifornien großflächig brennt, sondern in Brandenburg?  Lesch empfahl eine möglichst schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien und funktionierende öffentliche Verkehrsnetze. Ansonsten sehe er schwarz.

Der Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München konnte wegen Glatteis nicht anreisen und hielt seinen Vortrag per Skype.

Mit dem Schwung der Botschaften von Prof. Lesch gingen die Gäste in die erste Runde paralleler Foren.

» Forum A1/B1: Gesellschaftliches Klima – Entscheidungen von allen für alle

» Forum A2: Wie sieht Sachsen 2030 mit drastisch reduzierten Emissionen aus?

» Forum A3: Zukunftsbild Landschaft – Strukturreichtum, Blütenvielfalt, Artenvielfalt

» Forum A4: Fahrradstädte der Zukunft – Realität und Utopie

Am Nachmittag wurde dann in vier Diskussionsforen mit den TeilnehmerInnen des Klimakongresses und den eingeladenen ExpertInnen über konkrete Strategien debattiert.

» Forum B2: Ist das exzellent oder kann das weg? Visionen für eine nachhaltige Uni

» Forum B3: Vision Zero Waste Sachsen 2025

» Forum B4: Wie gehen Digitalisierung und Klimaschutz zusammen?

 

» Fotorückblick auf den 12. Sächsischen Klimakongress

      


Livestream-Video der Begrüßung und des Vortrags von Prof. Lesch




Video Rückblick



Forum A1/B1: Gesellschaftliches Klima – Entscheidungen von allen für alle

Foto: Philipp Lindenau

In einem zweiteiligen Workshop konnten die Teilnehmenden hautnah erfahren, wie gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse der Zukunft aussehen könnten. Nach dem Vorbild der sogenannten ‚Bürgerräte‘ aus dem österreichischen Bundesland Vorarlberg wurde unter der Moderation von Katharina Toth, die diese Art der Bürgerbeteiligung erforscht hat, diskutiert. Zwölf zufällig aus den Workshop-Anmeldungen ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzen sich mit der Frage „Wahrzeichen Dresdner Fernsehturm – Wie stellen wir uns eine gute Zukunft für das Areal vor?“ auseinander. Die Fragestellung war den zwölf erst unmittelbar vor Workshopbeginn mitgeteilt worden.
Nach einer kurzen Einführung in die aktuelle Dresdner Diskussion um den Fernsehturm, erhielten die übrigen Workshop-Besuchenden die Aufgabe, den Prozess der Diskussion und Entscheidungsfindung aufmerksam zu beobachten und im Nachmittags-Teil darüber zu berichten.

Bürgerräte dienen dazu, vor politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungen die Einschätzung der letztlich betroffenen Bürgerinnen und Bürger als Entscheidungsgrundlage herauszuarbeiten. Die Vielfalt der Diskussionsteilnehmenden führte zu einem echten Austausch mit gegensätzlichen Positionen. Diese wurden durch die Methode des ‚Dynamic Faciliating‘ geordnet und kanalisiert. So konnte auch die entstandene, teilweise emotionale Debatte zu einem zielorientierten Dialog werden und zur Annäherung der Positionen führen. Am Ende ermöglichte dies, Aussagen zur Eingangsfrage zu treffen, denen alle Teilnehmenden zustimmen konnten. Es wurde als Anknüpfungspunkt für weitere Diskussionen auch klar, dass gerade zu Themen der Erinnerungskultur, wie etwa dem Umgang mit Bauwerken aus der DDR-Geschichte, der Austausch unter den Generationen gestärkt werden muss.

Im zweiten Workshop-Teil am Nachmittag stellte Daniel Oppold, Forscher im Bereich dialogorientierter Bürgerbeteiligung, den Prozess der Bürgerräte und die politikwissenschaftlichen Hintergründe noch einmal detailliert vor. Diesem Input schlossen sich die Berichte der diskutierenden und beobachtenden Teilnehmenden aus dem ersten Workshop-Teil an. Die Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum zeigten, dass einerseits großes Interesse an solchen Instrumenten der Bürger/innen-Beteiligung besteht, sie aber andererseits viel zu unbekannt sind. Auch das Frustrationspotential, das die ausbleibende Umsetzung der in diesen Formaten gefundenen Lösungsansätze mit sich bringt, wurde erörtert. 

»»» zurück zum Seitenbeginn

      

Forum A2: Wie sieht Sachsen 2030 mit drastisch reduzierten Emissionen aus?

Dr. Gerd Lippold (GRÜNE) und Dr. Daniel Greve (BUND Sachsen).
Foto: Philipp Lindenau

In seiner Einführung forderte der Landtagsabgeordnete Dr. Gerd Lippold, klimapolitischer Sprecher der Fraktion, dass in Sachsen die Chancen für einen aktiven Strukturwandel genutzt werden müssen. Die Staatsregierung von CDU und SPD stemmt sich aber gegen diese Wende und verpasst dabei eine Chance nach der anderen.

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist unumgänglich, verursacht diese in Sachsen doch derzeit über zwei Drittel der CO2-Emissionen. Weitere Maßnahmen in den Bereichen Mobilität, Gebäudesanierung, Energie, Industrie und Landwirtschaft müssen ebenfalls umgehend eingeleitet werden.

In der Diskussion, moderiert vom Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen Dr. David Greve, wurden Ideen und Handlungsmöglichkeiten für Politik sowie Bürgerinnen und Bürger aufgezeigt. So etwa das gemeinschaftliche Teilen von Autos oder Waschmaschinen, eine höhere Bepreisung der Produkte aus emissionsintensiven Industrien und mehr Transparenz des Ressourcenverbrauchs bei der Herstellung von Gütern.

»»» zurück zum Seitenbeginn

        

Forum A3: Zukunftsbild Landschaft – Strukturreichtum, Blütenvielfalt, Artenvielfalt

Foto: Philipp Lindenau.

Das Themenspektrum im Forum „Zukunftsbild Landschaft – Strukturvielfalt, Blütenvielfalt, Artenvielfalt“ umfasste Themen von Landwirtschaft, über die Imkerei bis hin zur Biodiversität. Unsere Referenten Kai Pönitz und René Schieback untermalten mit ihren Bildern ein Leitbild der Landwirtschaft. Das A und O sind Strukturreichtum mit mehrjährigen Blühflächen, Hecken und abwechslungsreichen Fruchtfolgen. Sie entfachten eine angeregte Debatte darüber, wie Landschaft und Landwirtschaft idealerweise aussehen sollen.

»»» zurück zum Seitenbeginn

            

Forum A4: Fahrradstädte der Zukunft – Realität und Utopie

Sophie Lattke bei ihrem Vortrag. Foto: Philipp Lindenau.

Referentin Sophie Lattke von changing cities e.V. beschrieb in ihrem Vortrag das Ziel, Entscheidungs- und Planungsprozesse offen und transparent zu machen und berichtete über die kleinteilige Umsetzungsarbeit im Anschluss an politische Entscheidungen.

Stefanie Lampe vom Deutschen Architekturmuseum Frankfurt stellte Projekte der Ausstellung ‚Fahr Rad!‘ vor, die beispielhaft die Umsetzung größerer Ideen zum Überwinden einer am Auto orientierten Verkehrspolitik zeigen.

Die Diskussion der an diesem Forum Teilnehmenden drehte sich um die Generationenfrage in Verwaltungen, das Verkehrsklima und die Regelkenntnis auf deutschen Straßen sowie die schwierige Situation des Alltagsradverkehrs im ländlichen Raum.

»»» zurück zum Seitenbeginn

 

 

 

Forum B2: Ist das exzellent oder kann das weg? Visionen für eine nachhaltige Uni

Foto: Philipp Lindenau.

Die Nachhaltigkeits-Tour über den Campus der TU Dresden bewies eindrucksvoll, was alles möglich ist, wenn studentisches Umweltengagement bei der Hochschulleitung auf offene Ohren stößt. Die Vertreterinnen der TU Umweltinitiative (TUUWI), Jana Lintz und Manuela Jacobs, stellten ganz verschiedene Projekte vor, zu denen auch ein Mitmach-Garten am Studierenratsgebäude gehört. Ganz besonders beeindruckte das Baumpatenschaftsprogramm, mit dem gefällte Bäume auf dem Campus durch Neupflanzungen ersetzt werden. Der Rektor der Universität hat sogar selbst einen Baum gestiftet.

Besonderes wichtig ist den Studierenden das Thema ‚Wiederverwendung vor Neukauf‘. So haben sie etwa eine Bücherzelle auf dem Campus eingerichtet, in der gelesene Bücher abgegeben und mitgenommen werden können. Auch ihre Visionen für die Zukunft haben die Referentinnen mit den Forum-Teilnehmenden geteilt. So wäre es aus ihrer Sicht sehr wichtig, wenn dem Thema Umweltbildung eine weitaus größere Rolle im Studium zukommen würde.

»»» zurück zum Seitenbeginn

      

Forum B3: Vision Zero Waste Sachsen 2025

Boris Kaiser (C2C). Foto: Philipp Lindenau.

Boris Kaiser, Christian Schmidt-Gütter und Tobias Müller stellten das Prinzip ‚cradle to cradle‘ (C2C) vor. Der gleichnamige Verein ist deutschlandweit aktiv und auch in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freiberg präsent. Das C2C-Netzwerk vertritt einen neuen Denkansatz: Produkte sollen so entwickelt werden, dass nach der Nutzung kein Müll entsteht, sondern ein Materialkreislauf wie in der Natur. Ihre Vision: Ein Sachsen ohne Müll im Jahr 2025. Die 60 Teilnehmenden gingen im Workshop der Frage nach: „Wie kommen wir da hin?“.

Praktischer Gegenstand der Diskussion war ein zehn Jahre alter Bürostuhl des Forum moderierenden Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke. Der Stuhl ist kaputt und fällt aktuell in die Kategorie ‚Restmüll‘. In kleinen Gruppen wurde sehr lebendig diskutiert, welche Funktionen der Stuhl zu erfüllen hat, welche Materialien genutzt werden und wie ein solcher Bürostuhl in Zukunft zu 100 Prozent wiederverwendbar bzw. umweltfreundlich abbaubar gestaltet werden kann.

»»» zurück zum Seitenbeginn

      

Forum B4: Wie gehen Digitalisierung und Klimaschutz zusammen?

Foto: Philipp Lindenau.

Die Frage „Wie gehen Digitalisierung und Klimaschutz zusammen?“ diskutierten Johanna Pohl von der TU Berlin und der Landtagsabgeordnete Dr. Gerd Lippold: Ressourcen- und Energieverbrauch markieren die problematische Dimension der Digitalisierung. Sie ist aber gleichzeitig eine wesentliche Voraussetzung für die effiziente Gestaltung der Energiewende. Es wurde deutlich, dass der Nutzen der Digitalisierung sich allein aus der konkreten Gestaltung ergibt, die Politik aber gerade erst begonnen hat, die Problematik zu erfassen.

»»» zurück zum Seitenbeginn

      

Politikfelder