Zum Inhalt springen

Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur weiterentwickeln

Sachsen hat eine vielfältige Landschaft von Gedenkstätten zur Erinnerung an die Menschheitsverbrechen im Nationalsozialismus und das Unrecht in der sowjetischen Besatzungszone und DDR. Die Gedenkstättenarbeit steht jedoch vor großen Herausforderungen wie beispielsweise dem Arbeiten ohne Zeitzeuginnen und -zeugen und der Digitalisierung von Information. Gedenkstätten sollen sich zu Lernorten historisch-politischer Bildung für verschiedene Zielgruppen weiterentwickeln. Gegenwärtig versuchen rechtspopulistische Bewegungen, das Erinnern und Gedenken nationalistisch umzudeuten. Gerade vor diesem Hintergrund müssen Gedenkstätten und Aufarbeitungsinitiativen gestärkt werden. Sie können Repression und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Vergangenheit aufdecken und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur politischen und demokratischen Bildung heute.

Wir GRÜNEN setzen uns mit einem Antrag (Drs. 6/9610) und begleitenden Fachdiskussionen dafür ein, dass die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ein Entwicklungskonzept aufstellt, das Perspektiven für die Arbeit der Gedenkstätten aber auch der vielen Aufarbeitungsinitiativen aufstellt und strategische Weichenstellungen vorbereitet.

» Positionspapier 'GRÜNE Grundsätze zur Zukunft der Aufarbeitung des MfS-Unrechts im Freistaat Sachsen' (28.11.2017)

» GRÜNER Antrag 'Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur in Sachsen weiterentwickeln' (Drs 6/9610) 

» Stellungnahme der Staatsregierung zum GRÜNEN Antrag vom 6.6.2017 

» Protokoll der öffentlichen Anhörung zum Antrag im Ausschuss für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien des Sächsischen Landtages am 23.11.2017

» Fachgespräch zur Zukunft der Gedenkstättenarbeit am 14.6.2017

 

Claudia Maicher vor Ort

Berichte von Besuchen und Gesprächen mit Mitarbeiter*innen von Gedenkstätten und Engangierten in erinnerungskulturellen Initiativen

» Besuch der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (11.08.2017)

» Treffen mit Engagierten für den Aufbau der Gedenkstätte KZ Sachsenburg (16.8.2017)

» Besuch der Gedenkstätte in Bautzen (18.10.2017)

Weitere Besuche folgen.

 

Kleine Anfragen

» Evaluation der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Drs 6/9096)

» Mittelverwendung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Drs 6/8703)

» Förderverfahren der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Drs 6/8702)

» Unterstützung der Konzeptionierung, Errichtung und Gestaltung neuer Gedenkstätten durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Drs 6/8701)

» Finanzierung von Projekten und Maßnahmen durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Drs 6/3224) 

 

Pressemitteilungen 

» Gedenkstättenstiftung – GRÜNE: Eklatantes Defizit der sächsischen Gedenkkultur hinsichtlich der Zeit des Nationalsozialismus (09.02.2016)

» Gedenkstättenstiftung und twitter: Stellv. Geschäftsführer Pampel missbrauchte bereits früher Veröffentlichungen der Stiftung für seine Pegida-Sympathie (05.11.2015)

» Gedenkstättenstiftung - Entwicklungskonzeption längst überfällig (16.06.2017)
» Wieder Chaos in der Gedenkstättenstiftung?: Ministerin Stange darf die 7-Tage-Ausschreibung für die externe Evaluation nicht durchgehen lassen (01.3.2017)

» Aufbau der Gedenkstätte KZ Sachsenburg ist Chance für Frankenberg und für Sachsen (17.08.2017)

 

Reden

» Claudia Maicher: Wir brauchen eine öffentliche Debatte über die sächsische Gedenkkultur, heute kann ein Anfang dafür sein (16.03.2016)

 

 

Besuch der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig

Claudia Maicher mit Anja Kruse im Gespräch. Fotos: Grüne Fraktion Sachsen
Claudia Maicher mit Anja Kruse im Gespräch.
Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig.

Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig leistet wichtige Arbeit zur Aufarbeitung und Erinnerung des Einsatzes tausender ziviler Zwangsarbeiter*innen, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangener während des zweiten Weltkrieges in Leipzig.

Claudia Maicher besichtigte bei ihrem Besuch am 11.08.2017 die aktuelle Ausstellung. Eine Karte des Leipziger Stadtgebiets, auf der die Orte der Arbeitseinsätze mit Stecknadeln markiert sind, lässt das Ausmaß der Ausbeutung erahnen. Im Gegensatz zu abgelegenen Lagern oder Haftanstalten kamen tausende damaliger Einwohner*innen und Arbeiter*innen alltäglich mit den Zwangsarbeiter*innen in Kontakt, wie Anja Kruse, zuständig für die Bildungsangebote und Fördermittelakquise der Gedenkstätte, berichtete. Heute sind es immer mehr Nachfahren von ehemaligen Zwangsarbeiter*innen, die in die Gedenkstätte kommen, um etwas über das Leid ihrer Eltern oder Großeltern zu erfahren. Die Arbeit der zwei hauptamtlichen Teilzeitkräfte und vieler Ehrenamtlicher trifft aber auch auf Interesse bei Menschen, die nicht biografisch betroffen sind, vor allem die Rundgänge auf den Spuren der Zwangsarbeit durch Leipziger Stadtteile.

Im Gespräch mit den Mitarbeiter*innen informierte sich die kulturpolitische Sprecherin über die weiteren Aufbaupläne für Gedenkstätte und die aktuelle Fördersituation. Die herausragende Bedeutung der Gedenkstätte für die Erinnerungskultur in Sachsen führte dazu, dass die Gedenkstätte in der Novelle des Sächsischen Gedenkstättengesetzes im Jahr 2012 in die Liste der institutionell von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zu fördernden Einrichtungen aufgenommen wurde. Seit 2014 erhält die Gedenkstätte entsprechende Mittel, jedoch bisher auf geringem Niveau. Die Stadt Leipzig ist bereits vorher in die Grundfinanzierung eingestiegen. Ergänzend werden einzelne Projekte der Gedenkstätte mit Landesmitteln finanziert. So befindet sich die Gedenkstätte immer noch im Aufbaustadium. Für den dauerhaften Betrieb und um der steigenden Nachfrage für biografische Auskünfte und historisch-politische Bildung zu begegnen, ist die finanzielle Grundlage noch zu gering.

Ein weiteres Thema waren die Erfahrungen mit dem Förderverfahren der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Mit Blick auf die Aufarbeitungslandschaft zur Geschichte des Nationalsozialismus in Sachsen schätzen die Akteur*innen das Potenzial wesentlich höher als das ein, was bisher durch deren Projektförderung unterstützt wird. So sollte die Beratung für noch nicht geförderte Initiativen verbessert werden und die Förderfähigkeit von neuen Projektideen, die bisher nicht von der Stiftung gefördert wurden, überprüft werden. So könnten beispielsweise die Interessen von jungen Menschen besser angesprochen werden, indem Erinnerungsarbeit vor der eigenen Haustür stattfinden kann, moderne Medien eingesetzt und Bildungskonzepte erprobt werden.

» zurück zum Seitenanfang

        

Treffen mit Engagierten für den Aufbau der Gedenkstätte KZ Sachsenburg

Treffen mit Engagierten für den Aufbau der Gedenkstätte KZ Sachsenburg. Fotos: Grüne Landtagsfraktion Sachsen
Mit Anna Schüller von der „Initiative Klick!“ und Vertreter*innen der Lagerarbeitsgemeinschaft besichtigte Claudia Maicher am 16.08.2017 das Gelände des ehemaligen KZ-Sachsenburg bei Frankenberg
Bei der Besichtigung der ehemaligen Hafträume, der Fabriketagen und der Kommandanten-Villa kamen sie ins Gespräch über die aktuellen Stand beim Aufbau der Gedenkstätte und die noch zu überwindenden Hürden.
Claudia Maicher (r.) im Gespräch mit Anna Schüller von der „Initiative Klick!“ (l.)

Mit Anna Schüller von der „Initiative Klick!“ und Vertreter*innen der Lagerarbeitsgemeinschaft besichtigte Claudia Maicher am 16.08.2017 das Gelände des ehemaligen KZ-Sachsenburg bei Frankenberg. Bei der Besichtigung der ehemaligen Hafträume, der Fabriketagen und der Kommandanten-Villa kamen sie ins Gespräch über die aktuellen Stand beim Aufbau der Gedenkstätte und die noch zu überwindenden Hürden.

Auch fünf Jahre nach der Errichtung der KZ-Gedenkstätte durch die Aufnahme in die Liste der institutionell zu fördernden Gedenkstätten in das Sächsische Gedenkstättengesetz gibt es noch keine konkrete Perspektive, wann der Betrieb beginnen kann und welche räumlichen und personellen Kapazitäten eingeplant werden können. Dabei steht der Ort wie kein zweiter für die Erfindung des KZ-Wesens und hat damit eine wichtige überregionale Bedeutung. Das KZ Sachsenburg war eines der ersten nach der Machtergreifung Adolf Hitlers und der NSDAP. Hier ist eine Gedenkstätte wichtig, die jungen und künftigen Generationen zeigt, wie der nationalsozialistische Terror seinen Anfang nahm.

Die Vorbereitungen durch die ehrenamtlichen Engagierten ist weit vorangekommen. Die Geschichte des Lagers ist bereits gut belegt und es gibt detaillierte konzeptionelle Überlegungen für die Gedenkstätte. Nun ist es an der Stadt Frankenberg und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die Sanierung der Gebäude und die Grundfinanzierung der Gedenkstätte auf den Weg zu bringen.

Die Stadt Frankenberg hat den Aufbau der Gedenkstätte bisher nur halbherzig unterstützt. So ist der Abriss der Kommandantenvilla immernoch nicht vom Tisch, obwohl das Gebäude ein wesentlicher Teil des Ensembles des ehemaligen Lagers ist. Der Umgang mit den weiteren Gebäuden in Besitz der Kommune ist bislang ungeklärt, das vorliegende Konzept noch nicht beraten. Offenbar spielen hier auch Ängste eine Rolle, dass ein KZ-Gedenkstätte den Besuch der Freizeitangebote in der Nachbarschaft beeinträchtigen könnte. Die Engagierten sehen das anders, denn wer zum Sportlerheim will, geht in jeden Fall über ein ehemaliges KZ, und dessen Geschichte sollte man nicht verstecken sondern aufarbeiten. Claudia Maicher ist überzeugt, dass die Stadt von einer modernen Gedenkstätte profitieren kann, steht diese doch für eine selbstbewusste, beispielgebende Aufarbeitung der Geschichte und kann Interessierte aus der Region wie auch überregional anziehen.

Maicher erwartet von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, dass sie gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Stadt Frankenberg und den Initiativen einen konkreten Fahrplan bis zum regulären Betrieb der Gedenkstätte erstellt. Denn der Freistaat sollte die Mittel für die institutionelle Förderung bereits für den nächsten Doppelhaushalt 2019/2020 einplanen. Das geht aber nur, wenn die Stiftung diesen Bedarf auch anmeldet und stichhaltig begründet. Die Grundlagen dafür muss sie durch eine moderierende Arbeit mit herstellen.

» zurück zum Seitenanfang

        

Besuch in der Gedenkstätte Bautzen: Weiterentwicklung muss unterstützt werden

Am 18.10.2017 hat Dr. Claudia Maicher, kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, im Rahmen ihrer Initiative zur Erinnerungskultur in Sachsen die Gedenkstätte Bautzen besucht.

Nach der Besichtigung der Ausstellung, in der die Leidenswege der Opfer dokumentiert werden, die in den Haftanstalten Bautzen I und II inhaftiert waren, stellt Maicher fest:

„Die Gedenkstätte leistet einen großen Beitrag zur Aufarbeitung politischer Gewaltverbrechen. Was ich im ehemaligen Stasi-Gefängnis erkunden konnte, hinterlässt einen tiefen Eindruck und stimmt mich nachdenklich. Hier wird nicht nur das Leid der Opfer deutlich, sondern auch die Konsequenzen des Stasi-Systems mit seinen Verantwortlichen und Helfern.“

„Ich begrüße es sehr, dass nun die Vervollständigung der bisherigen Dauerausstellung um die Geschichte der Bautzener Gefängnisse im Nationalsozialismus bevorsteht.“ so Maicher weiter. „Damit wird die Bedeutung der Gedenkstätte weiter wachsen. Sie ist mit ihren ca. 100.000 Besuchern jährlich eine wertvolle Einrichtung für Bautzen und Ostdeutschland und steht für einen offenen und kritischen Umgang mit der Geschichte der Diktaturen, sowohl als Anlaufpunkt für die Opfer als auch als Bildungsort insbesondere für junge Menschen.“

„Der Erfolg der Gedenkstätte ist vor allem dem Engagement der Leiterin Silke Klewin und ihren Mitarbeitern zu verdanken. Über viele Jahre haben sie mit wenigen Mitteln eine fundierte und zeitgemäße Ausstellung auf den Weg gebracht.“

Im Gespräch thematisierten Silke Klewin und Claudia Maicher auch die künftigen Herausforderungen der Gedenkarbeit am authentischen Ort. Maicher schließt daraus, dass „die Ausstellungen, Veranstaltungen und Bildungsangebote vor dem Hintergrund neuer historischer Erkenntnisse aber auch der Interessen junger Generationen und rasanter gesellschaftlicher Veränderungen stetig aktualisiert werden sollten. Das Erinnern muss lebendig bleiben.“

Die Gedenkstätte wird in Trägerschaft der Stiftung Sächsische Gedenkstätten betrieben. Wichtig für die Weiterentwicklung der Stiftung und ihrer Gedenkstätten sowie für ihre angemessene Mittelausstattung ist eine Entwicklungkonzeption. Mit einem Antrag setzt sich die GRÜNE Landtagsfraktion derzeit für eine Weiterentwicklung der Gedenkstättenarbeit ein und fordert die Stiftung und Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange zum Handeln auf.

Maicher macht deutlich: „Wir GRÜNE wollen die Gedenkstätten und die historisch-politische Bildung in Bautzen und an anderen Standorten in Sachsen stärken und fordern deshalb von der Stiftung ein Konzept, wie sie mit den Herausforderungen umgehen will."

Am kommenden Montag wird eine öffentliche Anhörung zu unserem Antrag im Sächsischen Landtag stattfinden, bei der Experten aus der Stiftung aber auch aus Einrichtungen und Initiativen anderer Bundesländer den Abgeordneten wichtige Anregungen geben werden.


Hintergrund des Besuchs:

Die Gedenkstättenarbeit ins Sachsen steht vor Herausforderungen wie der Entwicklung von Lernorten für historisch-politische Bildung, der verstärkten Einbindung bürgerschaftlichen Engagements und dem gesellschaftlichen Generationswechsel. Um die zeitgemäße Aufgabenerfüllung und die Weiterentwicklung von Orten, Themen und Formen des Gedenkens bestmöglich zu unterstützen, ist die Stiftung Sächsische Gedenkstätten als zentrales Förderinstrument auf eine fachlich begründete Konzeption angewiesen. Die Stiftung im Verantwortungsbereich von Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange ist jedoch diesbezüglich seit 2009 keinen Schritt weiter gekommen. Deshalb setzt sich die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit einem Antrag (Drs. 6/9610) und begleitenden Fachdiskussionen dafür ein, dass die Staatsregierung und die Stiftung den notwendigen Prozess wieder in Gang bringen.
Um auch die Anforderungen der Einrichtungen und Initiativen vor Ort an die künftige Förderung der Gedenkstättenarbeit in die Debatte aufzunehmen, besucht Claudia Maicher derzeit verschiedene Orte des Erinnerns und kommt mit den Engagierten ins Gespräch.

» Antrag "Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur in Sachsen weiterentwickeln" (Drs. 6/9610)

» Alle Informationen zur Gedenkstätten-Initiative der GRÜNEN Landtagsfraktion

 

 

 

Politikfelder