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Die GRÜNE KulTour 2015

Claudia Maicher, kulturpolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende, ist im August 2015 auf KulTour durch Sachsen gewesen. Dabei ist sie mit Menschen, die in Kulturrichtungen arbeiten, sich in eigenen Kulturprojekten engagieren und für Kultur stark machen, ins Gespräch kommen.

Der Austausch über ihre Ideen und Visionen, die Mühen des Alltags in der Kulturarbeit, über finanzielle, rechtliche und politische Rahmenbedingungen des Kulturschaffens haben wir zum Ausgangspunkt unserer parlamentarischen Arbeit gemacht. Wir haben die Anregungen für unsere Kulturpolitik aufgenommen und unsere bisherigen Initiativen weiterentwickelt.

Im Mittelpunkt stand 2015 das Kulturraumgesetz, eine tragende Säule sämtlicher Kulturförderung in Sachsen. Damit haben wir die Chance, es weiterzuentwickeln und zukunftsfest zu machen. Denn die ländlichen Regionen, die Mittel- und Kleinstädte stehen bei ihrer Kulturförderung beim erwarteten Bevölkerungsrückgang vor großen Herausforderungen.

Fragen, die wir mit unseren Gesprächspartner_innen unter anderen diskutierten:

  • Wie können Kulturangebote als Bestandteil von Lebensqualität in den ländlichen Räumen erhalten bleiben?
  • Welche finanziellen Perspektiven zeichnen sich für die nächsten Jahre ab?
  • Wie kommen neue künstlerische Ideen und noch unerfahrene Akteure zum Zug?
  • Welche kreativen Organisations- und Finanzierungmodelle sind beispielgebend?
  • Wie können Kulturförderung, kulturpolitische Leitlinien und Entscheidungsprozesse weiterentwickelt werden?
  • Welche Rahmenbedingungen sollten diesbezüglich vom Freistaat im Kulturraumgesetz und darüber hinaus gestaltet werden?

Viele interessante Station in den Kulturräumen Oberlausitz-Niederschlesien, Leipziger Raum und Vogtland-Zwickau standen auf dem Programm – und dennoch können es nur wenige Besuche sein, angesichts der Vielfalt kultureller Angebote in Sachsen.

Das waren unsere Stationen:

Kulturraum Vogtland-Zwickau
»
11.08.2015: Zwickau

Kulturraum Leipziger Raum
» 12.08.2015: Böhlen und Grimma

Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien
» 18.08.2015: Pulsnitz, Görlitz

» 19.08.2015: Zittau, Bautzen
 
Kulturraum Vogtland-Zwickau
» 25.08. 2015: Plauen - Abschluss der Tour und GRÜNE-Sommerklausur

 

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Auftakt der GRÜNEN KulTour in Zwickau

Claudia Maicher (l.i.B.) im Gespräch mit Mario Zenner, Geschäftsführer des Gasometer e.V..
Mario Zenner berichtet von den aktuellen Vorhaben des Gasometer in Zwickau.
Claudia Maicher im Interview mit Zwickau TV.
 

Auf ihrer ersten KulTour-Station traf sich Claudia Maicher mit Mario Zenner, Geschäftsführer des Soziokulturellen Zentrums, und erfuhr so aus erster Hand, welche Aktivitäten hier aktuell stattfinden, von der Geschichte der Einrichtung und auch von den nächsten Baustellen. Die drei Arbeitsfelder des Alten Gasometer e.V. liegen in kulturellen Angeboten wie Konzerte und Kino, in der Jugend- und Bildungsarbeit sowie in der Demokratiearbeit. Es werden nicht nur Menschen in Zwickau sondern auch im Umland erreicht.

Claudia Maicher nach dem Gespräch: "Es ist beachtlich, wie viele verschiedene reguläre Kulturangebote und Projekte hier auf die Beine gestellt werden. Die Einrichtung hat eine sehr wichtige Funktion für das kulturelle Leben der Stadt Zwickau und der gesamten Region, nicht zuletzt weil hier neue Ideen verwirklicht und aktive Leute ganz nach Bedarf unterstützt werden."

Die Infrastrukturen des Zentrums werden neuen Initiativen zur Verfügung gestellt und sie erhalten Hilfe bei der Fördermittelakquise, dem Aufbau von tragfähigen Strukturen und bei vereins- und steuerrechtlichen Fragen. Hier werden junge Menschen aktiviert, Kulturleben nach ihrer Art mitzugestalten, wie etwa die Kunstplantage Zwickau, ein Gemeinschaftsgarten und Freiraum für Kultur in der ehemaligen Polstermöbel- und Matratzenfabrik, oder beim Aufbau eines selbstorganisierten Jugendzentrums.

» www.alter-gasometer.de

Nach einem Interview mit Zwickau TV zur GRÜNEN KulTour ging es weiter nach Wildenfels.

» Beitrag von Zwickau TV vom 11.8.2015

Zeitgenössisches in altehrwürdigen Mauern – Schloss Wildenfels

Besichtigung des Schloss Wildenfels mit Christin Bahnert, Dorothea List, Claudia Maicher und Karl Weiss (v.l.n.r.).
Dorothea List (l.i.B.) des jungen Kulturnetzwerks erläutert die aktuellen und künftigen Vorhaben.

Auf Schloss Wildenfels berichteten Galeristin Dorothea List und Karl Weiß, Vorsitzender des Fördervereins, wie in einem andauernden Kraftakt von Eigenleistungen, Antragstellungen, Auftreibens von Sponsorengeldern und des Netzwerkens das Schloss als Denkmal restauriert, ein Museum eingerichtet und eine Galerie aufgebaut wurde.

Claudia Maicher ist überzeugt: "Hier ist ein höchst vitaler Kulturort entstanden. Wir haben natürlich auch über die Bedingungen der Arbeit auf Schloss Wildenfels gesprochen. Ohne ehrenamtliches Engagement wäre das alles nicht denkbar. Dieses will aber koordiniert und immer wieder herausgefordert werden. Eine institutionelle Förderung ist dafür Voraussetzung und sollte erhalten bleiben."

Hauptamtlich kann auf dem Schloss bislang nur die Galerie betrieben werden. Schwerpunkt sind  Ausstellungen und Projekte zur Förderung regionaler Künstlerinnen und Künstler, die das Schloss als Präsentationsfläche und als Ort auch zum überregionalen Austausch schätzen. Kulturelle Bildung gehört selbstverständlich dazu, auch wenn diese durch zusätzliche Projektförderung jeweils aufs Neue erst ermöglicht werden muss.

» www.schloss-wildenfels.de

Dorothea List hat neben ihrem Hauptberuf auch das junge Kulturnetzwerk mitbegründet. Hier finden sich inzwischen eine Reihe junge Kulturschaffender und Künstlerinnen aus Zwickau und der Region, aus verschiedenen Sparten, Angestellte aus Einrichtungen und Freischaffende zusammen.

Der Ausgangspunkt der Initiative war, dass es junge Kulturschaffende häufig schwer haben, an den bestehenden Netzwerken teilzuhaben und beim Berufsstart zunächst auf sich allein gestellt sind.

Das Netzwerk soll eine Anlaufstelle sein und eine gegenseitige Unterstützung ermöglichen, etwa durch die Vermittlung von künstlerischen Leistungen oder den Erfahrungsaustausch über Projektorganisation und -finanzierung.

Im Gespräch hat Claudia Maicher auch nach Unterstützungsmöglichkeiten durch Kulturverwaltung und Kulturpolitik gefragt. Frau List berichtete, dass die freie Form des loses Netzwerkes viele Vorteile mit sich bringt, um ganz flexibel auf den Bedarf reagieren zu können und neue Mitstreiterinnen zu gewinnen. Als Verbesserungen der Rahmenbedingungen kann sie sich vorstellen, dass das Netzwerk noch mehr auf reguläre Ressourcen und Expertise der Kulturverwaltung zugreifen würde, wie es etwa mit der Netzwerkstelle Kulturelle Bildung des Kulturraumes Vogtland-Zwickau jetzt schon gut funktioniert. Darüber hinaus wären kleinste Anschubfinanzierungen für Vernetzungsveranstaltungen wie zum Beispiel einen "Markt der Möglichkeiten" sinnvoll.

» http://junges-kulturnetzwerk.blogspot.de

Vorlesen - Ist doch Ehrensache! – Projekt zur Leseförderung in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Zwickau

Christin Bahnert und Claudia Maicher im Gespräch mit Dr. Monika Hänel, Leiterin des Projektes Vor-Lesen in der Stadtbibliothek Zwickau (v.r.n.l.).
Claudia Maicher und Martina Hänel.

Auf der letzten Station des Tages sprach Claudia Maicher mit Dr. Monika Hänel im Kinderbereich der Stadtbibliothek. Sie ist Leiterin des Projektes Vor-Lesen, das als ehrenamtliche Initiative in Kooperation mit dem Förderstudio Literatur Zwickau e.V. und der Stadtbibliothek Zwickau weitergeführt wird, nachdem es fünf Jahre lang von der Schweizer Stiftung DROSOS gefördert wurde.

Was bisher geleistet wurde, ist erstaunlich. Über 30 ehrenamtliche Vorlese-Patinnen (und leider sehr wenige Vorlese-Paten) lesen regelmäßig in Kindergärten und Grundschulen des Landkreises vor und gestalten Leseveranstaltungen in der Kinderbibliothek und an anderen Leseorten in Zwickau und dem Landkreis Zwickau. Und doch sind das längst keine Laienveranstaltungen mehr. Durch professionelle Schulung und Weiterbildung erhalten die Patinnen die Möglichkeit, Kindern beim Umgang mit Sprache und Geschichten zu begleiten und Bücher in der Familie selbstverständlich werden zu lassen. Es geht also um weit mehr als nur den Text eines Buches vorzulesen – hier wird erklärt, gefragt und zur Auseinandersetzung angeregt.

Aller Anfang war schwer, insbesondere bis sich Kitas und Grundschulen dem Projekt geöffnet haben. Inzwischen gibt es vor Ort in den Räumen der Stadtbibliothek wöchentliche offene und gebuchte Angebote. Darüber hinaus wird die Initiative bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.  

Die Zukunft ist dennoch ungewiss, denn eine professionelle Begleitung der Ehrenamtlerinnen und auch das Neugewinnen von Schulen, Kitas und Vorlesepaten ist ein aufwendiges Geschäft. Dabei würde schon eine grundsätzliche Möglichkeit, den Patinnen und Paten ihre Unkosten zu erstatten bereits zur Absicherung des Projektes beitragen. Der bewährte Ansatz wäre es aber wert, dauerhaft strukturell unterstützt zu werden und mittels einer hauptamtlichen Koordination und Weiterbildung in vielen weiteren Einrichtungen im Kulturraum wirksam zu werden.

» Stadtbibliothek Zwickau

12.08.: KulTour in Böhlen beim Leipziger Symphonieorchester

Claudia Maicher im Gespräch mit Hans-Ulrich Zschocher, Geschäftsführer des Leipziger Symphonieorschesters (v.l.n.r.).

Heute ist die KulTour zu Gast im Leipziger Raum.

Beim Stopp in Böhlen sprach Claudia Maicher mit Geschäftsführer Hans-Ulrich Zschoch über die Situation des Orchesters, das seit Jahren als Kulturraumeinrichtung nicht nur in Böhlen, sondern an verschiedenen Orten im Kulturraum Leipziger Raum aufspielt, unter anderem in Torgau, Oschatz, Borna, Bad Lausik, Pödelwitz.  Angestellt sind 38 Musiker, die 90 Konzerte im Jahr geben und das mit sehr breitem Repertoire von Klassik, Barock, Oper, Operette und Musical.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs waren die finanziellen Perspektiven der Orchester im Kulturraum. Außergewöhnlich ist zwar, dass zwei Orchester in einem Kulturraum angesiedelt sind – neben dem Böhlener Orchester gibt es die sächsische Bläserphilharmonie in Bad Lausik – diese sind aber sehr unterschiedlich ausgerichtet und haben unterschiedliche Aufgaben. Für das Leipziger Symphonieorchester wurde laut Zschoch der Etat seit 1997 nicht mehr angehoben. Das größte Problem ist dabei, dass die Gehälter der Orchestermitglieder inzwischen 30% unter Tarif lägen.

Dass weitere Sparmaßnahmen kaum möglich sind, ohne die Substanz abzubauen, ist für Claudia Maicher klar: „Ein weiterer Personalabbau könnte für den Kulturraum größere Verluste bedeuten. Denn, wenn dadurch Attraktivität und Vielseitigkeit des Programms leiden und Publikum ausbleibt, wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Wichtig wäre eine stärkere Diskussion im Kulturraum darüber, welche Orchesterangebote langfristig gehalten werden sollen, und dies in Kulturentwicklungsleitlinien festzuhalten.“

» Leipziger Symphonieorchester

Einzigartiger Arbeitsfreiraum für Künstlerinnen mit Kind – Künstlergut Prösitz

Claudia Maicher besichtigt das Künstlergut Prösitz.
Ute Hartwig-Schulz im Gespräch mit Claudia Maicher (v.r.n.l.).
Claudia Maicher vor Plastiken im Garten des Künstlerguts Prösitz.
 

Ute Hartwig-Schulz stellte das Künstlergut Prösitz vor, ein lebendiges Künstlerhaus, das sie aufgebaut hat und heute zum Zentrum zahlreicher lokaler und überregionaler Kunstprojekte und des künstlerischen Austauschs gemacht hat. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die Arbeitsaufenthalte von Bildhauerinnen mit Kind. Bei unserem Besuch sind gerade zwei Künstlerinnen aus Hamburg und Braunschweig da.

Diese arbeiten nicht nur abgeschottet für sich, sondern ganz im Gegenteil, setzen sich mit ihrer Kunst mit den Themen des Ortes und der ländlichen Umgebung auseinander: vom Lärm an der Autobahn A14 über die schleichende Entvölkerung der Kleinstädte bis hin zu den Themen Asyl und Vorurteile gegenüber Migrantinnen und Migranten.

Claudia Maicher sieht im Künstlergut einen großen Schatz für die Region. „Hierher kommen immer wieder aktive Künstlerinnen, die neue Sichtweisen einbringen, der Region den Spiegel vorhalten und sie mit den Mitteln der Kunst beleben.“

„Ganz besonders sinnvoll ist die bislang einzigartige Stipendienvergabe an Künstlerinnen, die hier in Ruhe arbeiten und ihr Kind betreuen lassen können und zudem über Katalogveröffentlichungen und Ausstellungen wichtige Präsentationsmöglichkeiten erhalten. Dieses Modell hat sich bewährt, ist bislang aber ziemlich einzigartig in Sachsen. Dabei gibt es einen großen Bedarf auch in anderen Kunstsparten und freischaffenden Berufen, in denen Frauen es sehr schwer haben, Kind und Beruf zu vereinbaren.“

» www.kuenstlergut-proesitz.de

18.08.: Bildende Künste in der Oberlausitz – Ostsächsische Kunsthalle in Pulsnitz

Claudia Maicher zu Besuch in der Ostsächsischen Kunsthalle.
Claudia Maicher im Gespräch mit Sabine Schubert (l.i.B.).

An der ersten Station im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien sprach Claudia Maicher in Pulsnitz mit Sabine Schubert, Vorsitzende des Ernst-Rietschel-Kulturringes e.V., die unter anderem die Ostsächsische Kunsthalle betreibt. Aktuell läuft dort die Ausstellung „Künstler der Oberlausitz“ mit Arbeiten von 45 Künstlerinnen und Künstlern aus der Oberlausitz. Der Verein arbeitet vollständig ehrenamtlich und ist auf Projektförderung angewiesen.

Claudia Maicher findet diese Situation immer wieder vor: "Es ist eine beachtliche Leistung, auf dieser Basis immer wieder ein Jahresprogramm auf hohem Niveau auf die Beine zu stellen. Wenn, wie in letzter Zeit geschehen, die Fördermittel für Einzelne auch nur um wenige tausend Euro sinken, steht ein solcher gewachsener Kunstverein schnell auf der Kippe. Es ist auch klar, dass ein Kulturraum nur verteilen kann, was ihm zur Verfügung steht. Wenn jedoch Geld im System bleibt, können diese kleinteiligen Strukturen schon mit wenig Mitteln weiterarbeiten."

Sabine Schubert ist auch Mitglied im Kulturbeirat des Kulturraumes für die Sparte Bildende Kunst. Sie setzt sich dort insbesondere für die Absicherung der gemeinnützigen Galerien und Kunstvereine in Pulsnitz, Bautzen, Löbau oder Zittau ein. Die in einem umfassenden, fachlich fundierten Diskussionsprozess erstellten kulturpolitischen Leitlinien des Kulturraums von 2011 sind ein wichtiges Werkzeug für die Förderentscheidungen auch in der Bildenden Kunst. Die Kunstvereine werden demnach gefördert für ihre regional bedeutsamen Leistungen für die Künstlerinnen und Künstler der Lausitz, indem sie ihnen eine Präsentationsmöglichkeit bieten, Kataloge finanzieren und den künstlerischen auch überregionalen Austausch fördern. Hier profitieren sowohl gestandene Akteure als auch neue Initiativen.

Einen ganzen Kulturraum im Blick – Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien

Claudia Maicher informiert sich in Görlitz über die Kulturfinanzierung (v.l.n.r. Claudia Maicher, Bernd Lange, Thomas Pilz, Joachim Mühle).

Beim Gespräch in Görlitz mit Landrat Bernd Lange, dem Kulturkonventsvorsitzenden, mit Joachim Mühle, Kulturamtsleiter und Kulturraumsekretär, sowie mit Thomas Pilz, dem Kulturbeiratsvorsitzenden, stand die Entwicklung des gesamten Kulturraums im Mittelpunkt.

Dem jahrelangen Einfrieren der Zuweisungen des Freistaates konnte in Oberlausitz-Niederschlesien durch die Erhöhung der Kulturumlage und der Sitzgemeindeanteile begegnet werden. Nach den zusätzlichen Schwankungen der letzten Jahre mussten bei einigen Sparten, etwa den Bibliotheken und den Museen, empfindlich gespart werden. Die aktuelle Erhöhung der Mittel des Freistaates war da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie gleicht den Rückgang der Kulturforderung bei Weitem nicht aus.

Ein zentrales Thema für die Entscheidungsträger des Kulturraums ist die Situation in der darstellenden Kunst. Die Konstellation der bisherigen drei Theater- bzw. Orchester-Standorte in Görlitz, Zittau und Bautzen wird weiter zu diskutieren sein, wobei die Interessen der beiden Landkreise, somit aller Teile des Kulturraums, abgewogen werden müssen. Prekär ist insbesondere die Lage der Philharmonie, deren Musikerinnen und Musiker jetzt 15% unter Tarif bezahlt werden. Eine Anpassung würde weit über eine Million Euro kosten.

Für Claudia Maicher ist der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien nicht zuletzt ein Vorreiter in Sachen kulturpolitischer Entwicklungsplanung: „Die kulturpolitischen Leitlinien sind sowohl auf fachlicher Ebene ausgearbeitet und diskutiert worden, als auch auf politischer Ebene bestätigt, denn beide Landkreistage haben diese beschlossen. Von den Erfahrungen auf diesem Weg könnten andere Kulturräume profitieren. Als nächster Schritt steht nun ihre Umsetzung an, eine Bewährungsprobe, welche Wirksamkeit sie in den einzelnen Sparten entfalten und welche Struktureffekte erreicht werden.“

19.08.: Hillersche Villa Zittau - Unterschiedlichste Zugänge zu Kultur

Am Morgen besuchte Claudia Maicher das soziokulturelle Zentrum „Hillersche Villa“ in Zittau. Maicher: „Wie regional bedeutsam ein soziokulturelles Zentrums sein kann, zeigt die Hillersche Villa mit verschiedenen dezentralen Angeboten und unterschiedlichsten Zugänge für viele junge und ältere Menschen zum Kultur Selbermachen. Die Herausforderung für die Einrichtung besteht darin, regionale Kulturnetzwerke zu stärken und aufzubauen, Bande zu knüpfen, die für die Menschen in der Region ein Teil ihrer Lebensqualität ausmachen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels muss man solchen Kulturangeboten den Rücken stärken, wo es nur geht.“

Das Hauptaugenmerk des Besuchs galt der interkulturellen Jugendbildung im Dreiländereck, die beispielgebend im Projekt „Lanterna Futuri“ in Görlitz, Cieplice (Polen) und Varnsdorf (Tschechien) realisiert wird. Die Aktivitäten und Entwicklungsperspektiven des Projektes besprach Claudia Maicher mit Projektleiter Frank Rischer.

Maicher fasst ihren Eindruck anschließend zusammen: „Dieses Projekt und die jahrelangen Erfahrungen sind sehr wertvoll für den Kulturraum und darüber hinaus. Hier wurden eine enge Zusammenarbeit mit mehr als 12 Schulen etabliert und Lernformen entwickelt, die über künstlerisches Schaffen in Form von Musik, Film, Theater und Malerei Jugendliche sehr wirkungsvoll zu eigenen Erfahrungen im Austausch mit anderen kulturellen Hintergründen verhelfen und quasi nebenbei gesellschaftspolitische Themen und Werte vermitteln.
Das ist State of the Art kultureller und interkultureller Bildung – und das im sogenannten ländlichen Raum. Aber trotzdem ist auch hier eine kontinuierliche Finanzierung alles andere als sicher, nicht zuletzt durch die schwierige Verortung des Projektes zwischen Kulturförderung auf Kulturraum- und Europa-Ebene auf der einen, und Jugend- und Bildungsarbeit auf der anderen Seite. Eine bessere Verzahnung der verschiedenen Förderebenen wäre ein großer Fortschritt für solche Projekte.“

Kompetenter Partner für die Bibliotheken im Umland – Stadtbibliothek Bautzen

Claudia Maicher im Gespräch mit der Leietrin der Bautzener Stadtbibliothek, Sabine Kempel (v.r.n.l.).

In Bautzen besuchte Claudia Maicher die Stadtbibliothek und sprach mit der Leiterin Sabine Kempel. Nach einem Rundgang durch die Räume der Stadtbibliothek tauschten sie sich über die aktuellen Herausforderungen der Einrichtung aus, die 2014 für ihre hohe Qualität mit dem Sächsischen Bibliothekspreis ausgezeichnet wurde.

In den letzten Jahren hat sich die Fahrbücherei als wichtiges Angebot erwiesen, denn sie ersetzt kleine Stadtteil- und Dorfbibliotheken im Umland, die inzwischen geschlossen wurden. Beim Ausbau dieses mobilen Angebots ist es jedoch keine Selbstverständlichkeit, dass die Gemeinden den erforderlichen Eigenanteil beitragen.

Claudia Maicher weiß, dass die aktuellen Bibliotheksstrukturen der Region nicht ohne weitere Anstrengungen erhalten bleiben: „Ein Problem ist, dass der Kulturraum seit 2013 den Erwerb von Büchern und Medien nicht mehr fördern kann und die Gemeinden als Träger der kleineren hauptamtlich geführten Bibliotheken wie zum Beispiel in Wilthen oder Bischofswerda diese Lücken füllen müssten. Aktuell werden jedoch kaum neue Bücher oder gar neue Medien gekauft und die Öffnungszeiten fallen immer kürzer aus, wodurch die Attraktivität der Angebote sinkt. Die Erfüllung ihrer kulturellen und Bildungsaufgaben steht damit auf der Kippe.

Vom Landkreis wird mit der Kreisergänzungsbibliothek allerdings ein unterstützendes Angebot der Stadtbibliothek unterhalten. Der hier separat geführte und gemanagte Bestand kann von den umliegenden Standorten bestellt werden. Außerdem erhält das haupt- und ehrenamtliche Personal ganz wichtige Unterstützung durch Fortbildung und Beratung bei der Antragstellung.

Claudia Maicher abschließend: „Vom weiteren Zusammenwirken von Kommunen, Landkreisen, Kulturraum und Freistaat wird es abhängen, ob das Bibliothekssystem nicht nur erhalten bleibt, sondern seine Entwicklung in Richtung moderner Lernorte für Informations- und Medienkompetenz vorangebracht werden kann.“

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