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Persönliche Erinnerungen an den Mauerbau - 50 Jahre danach

Gisela Kallenbach erinnert sich an den 13.8.1961

'1961 kehrte ich als Jugendliche am 12. August abends von einem mehrtätigen Besuch bei einer Freundin und ihren Eltern, die die DDR verlassen hatten,  zurück nach Ostberlin in der Gewissheit, diesen Besuch in wenigen Tagen fortzusetzen. Der Bau der Mauer machte einen Strich durch diese Planung – für 28 lange Jahre.  Jahre, die meinen Lebenslauf als Erwachsene bestimmt haben. Jahre ohne Rede- , Presse- , Meinungs- oder Reisefreiheit. Ich habe gelernt, damit zu leben ohne mich selbst aufzugeben oder mich bedingungslos dem herrschenden Regime unterzuordnen. Das hat mich das aufrechte Gehen gelehrt mit allen Nachteilen und Repressalien, denen  ich und meine Familie ausgesetzt waren. Aber es gibt eine Zeit „danach“ und die dauert bereits 22 lange Jahre in denen ich erleben durfte, dass  Dinge vergänglich sind- auch ein „antifaschistischer Schutzwall“, der nach dem damaligen Herrscher auch noch nach hundert Jahren existieren sollte.
„Pech gehabt“, weil  tausende Menschen nicht mehr bereit waren  dem Diktat der Herrschenden zu folgen. Ihr Leidenslimit war erreicht. Sie haben mit friedlichen Mitteln, mit stummen und immer lauter werdenden Protest Politbüro und Einheitspartei zum Aufgeben gezwungen.
Daran auch am 50. Jahrestag des Mauerbaues zu erinnern gibt Hoffnung für die Zukunft, einer Zukunft, die auch heute noch unserer  Gestaltung  bedarf. Hoffnung auf eine Zukunft ohne Mauern zwischen den Menschen in Ost und West, aber auch zwischen Nord und Süd, zwischen den Erfolgreichen und den Verlierern in einer immer komplizierter werdenden Welt.
Empört Euch und Engagiert Euch – das sind die Botschaften  von  Stephane Hessel, dem Mitunterzeichner der Charta der Menschenrechte. Dem habe ich nichts hinzu zu fügen.'

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